M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 7. Juni 2024, Lesezeit: 10 Minuten

Die Therapie von Spielsucht stellt sowohl Betroffene als auch deren Angehörige oftmals vor große Herausforderungen. Die Frage, wie man effektiv gegen Spielsucht vorgehen kann, beschäftigt viele Menschen. Zur Behandlung dieser Suchtform existieren diverse therapeutische Ansätze, deren Kern meist eine psychotherapeutische Behandlung darstellt.

Therapeutische Ansätze

Im Rahmen einer solchen Psychotherapie wird zunächst intensiv mit einem Fachtherapeuten die individuellen Ursachen und Hintergründe der Spielsucht erörtert. Ziel ist es, gemeinsam wirksame Strategien zu entwickeln, mit denen die Betroffenen die Sucht bekämpfen können. Besonders bewährt hat sich hierbei die kognitive Verhaltenstherapie. Diese hilft den Betroffenen, fehlerhafte Denkmuster zu erkennen und zu korrigieren. Ein typisches Beispiel für solch ein fehlerhaftes Denkmuster ist die Überzeugung, das Glücksspiel kontrollieren zu können oder auf lange Sicht mehr Gewinne als Verluste zu erzielen. Durch die Korrektur dieser Annahmen und die Vermittlung der Einsicht, dass der Ausgang des Glücksspiels nicht beeinflussbar ist, können Spieler lernen, sich emotional und gedanklich vom Glücksspiel zu distanzieren.

Ein weiterer therapeutischer Ansatz ist die Motivationstherapie, die darauf abzielt, die Vor- und Nachteile des Glücksspiels gründlich abzuwägen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse unterstützen die Betroffenen dabei, Rückfällen vorzubeugen.

Individuelle Psychotherapie geht tiefer auf persönliche Lebensumstände ein, die zur Spielsucht geführt haben könnten. Hierbei werden auch mögliche traumatische Erfahrungen aus der Kindheit sowie aktuelle Konflikte in Familie, Partnerschaft oder Beruf thematisiert. Durch die Bearbeitung dieser tiefgreifenden Konflikte können die Ursachen der Flucht in die Spielsucht aufgearbeitet werden.

Spielsuchttherapie: Besser ambulant oder stationär?

Die Auswahl zwischen ambulanter und stationärer Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine stationäre Behandlung in spezialisierten Kliniken kommt vor allem dann in Betracht, wenn eine ausgeprägte Spielsucht vorliegt, zusätzliche psychische Erkrankungen wie Depressionen behandelt werden müssen oder akute Selbstgefährdung besteht. Der Vorteil dieser intensiven Betreuung liegt darin, dass die Betroffenen in einer geschützten Umgebung von den ständigen Versuchungen des Glücksspiels entfernt sind.

Ambulante Therapien bieten sich an, wenn die Betroffenen ein stabiles soziales Umfeld haben, das sie unterstützt, und wenn sie hoch motiviert sind, das Spielen aufzugeben. Der Vorteil hier ist, dass die Betroffenen ihren gewohnten Alltag fortsetzen und das in der Therapie Gelernte direkt umsetzen können.

Hilft eine Behandlung mit Medikamenten?

Obwohl es keine spezifischen Medikamente zur Behandlung der Spielsucht gibt, ist es wichtig, begleitende psychische Störungen wie Depressionen oder Alkoholabhängigkeit medikamentös und therapeutisch zu behandeln, um die Erfolgsaussichten der Spielsuchttherapie zu verbessern.

Spielsucht: Unterstützung und Beratung für Betroffene

Suchtberatungsstellen spielen eine wesentliche Rolle als erste Anlaufstelle für Personen, die unter Spielsucht leiden. Diese Einrichtungen bieten nicht nur grundlegende Informationen über die Suchtproblematik, sondern stellen auch eine wichtige Vermittlungsstelle für weiterführende Beratungs- und Selbsthilfeangebote dar. Diese Angebote sind entscheidend, da sie Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen bieten. Selbsthilfegruppen beispielsweise bieten eine Plattform, auf der sich Betroffene gegenseitig unterstützen können, insbesondere beim Erhalt der Abstinenz nach einer Therapie.

Beratungs- und Therapieangebote, die sich auf die soziale Reintegration der Betroffenen konzentrieren, sind ebenso von großer Bedeutung. Spielsucht kann erhebliche Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen, einschließlich Freundschaften und familiäre sowie romantische Beziehungen, haben. Familien- oder Paartherapien sind daher unerlässlich, um diese Beziehungen zu stabilisieren und zu reparieren. Darüber hinaus werden Betroffene ermutigt, ihre Freizeit mit Aktivitäten zu füllen, die nicht mit Glücksspiel in Verbindung stehen.

Ein weiteres kritisches Element der Spielsuchtbehandlung ist das Management von Finanzen und Schulden. Spielsucht führt häufig zu erheblichen finanziellen Verlusten und Schulden, was den Bezug zum tatsächlichen Wert des Geldes trüben kann. Klare finanzielle Planung und Strategien zur Schuldenbewältigung können enorm entlastend für den Betroffenen wirken. Diese finanziellen Sorgen treiben Spieler oft zurück zu den Automaten in der Hoffnung auf einen großen Gewinn, der alle Probleme lösen soll. Es ist entscheidend, dass Spieler den Umgang mit Geld schrittweise neu erlernen.

Spielsucht: Unterstützung für Angehörige

Angehörige sind oft ebenso stark von der Spielsucht eines geliebten Menschen betroffen wie die Spieler selbst. Sie sind häufig in die Problematik involviert, indem sie die Sucht durch das Begleichen von Schulden oder das Übernehmen anstehender Rechnungen ungewollt verlängern können. Es ist wichtig, dass Angehörige frühzeitig erkennen, dass sie keinen direkten Einfluss auf das Spielverhalten haben können. Ihr eigenes soziales Leben und finanzielles Wohlergehen können unter der Sucht leiden.

Angehörige sollten darauf achten, ihr eigenes soziales Netzwerk zu pflegen und offen mit der Problematik umzugehen. Frühzeitige Unterstützung durch Beratungsstellen für Spielsucht, Schuldnerberatung und Familienberatung kann entscheidend sein.

Unterstützung für Eltern spielsüchtiger Kinder

Wenn Eltern bemerken, dass ihr Kind Anzeichen von Spielsucht zeigt, ist sofortiges Handeln gefragt. Experten raten zu folgenden Schritten:

  • Offene Gespräche mit dem Kind über das Thema führen und herausfinden, was das Kind an den Spielen reizt.
  • Realistische Aufklärung über die Risiken und Gewinnchancen von Glücksspielen.
  • Keine Herausgabe von Kreditkartendaten.
  • Stärkung des Selbstbewusstseins des Kindes.
  • Festlegung von Zeitlimits für Online-Spiele.
  • Förderung von Hobbys und sozialen Kontakten.

Wie können Angehörige am besten mit der Spielsucht eines Familienmitglieds umgehen?

Der Umgang mit der Spielsucht eines Familienmitglieds kann für Angehörige sowohl herausfordernd als auch emotional belastend sein. Hier sind einige wichtige Schritte und Strategien, wie Angehörige am besten unterstützen können, während sie gleichzeitig ihre eigenen Grenzen und ihr Wohlbefinden wahren:

1. Information und Verständnis

  • Informieren Sie sich über Spielsucht: Verstehen Sie die Merkmale und Ursachen der Spielsucht. Dies kann Ihnen helfen, das Verhalten des Betroffenen besser zu verstehen und weniger persönlich zu nehmen.
  • Erkennen Sie die Sucht als Krankheit: Spielsucht ist eine anerkannte psychische Störung. Diese Perspektive kann helfen, Vorwürfe zu vermeiden und stattdessen Unterstützung anzubieten.

2. Offene Kommunikation

  • Gespräche führen: Sprechen Sie Ihre Besorgnis in einer nicht-konfrontativen Weise aus. Vermeiden Sie Vorwürfe, die zu Verteidigungshaltungen führen können.
  • Zuhören: Geben Sie dem Betroffenen Raum, seine Gefühle und Erfahrungen auszudrücken, auch wenn es schwierig sein kann, diese anzuhören.

3. Grenzen setzen

  • Finanzielle Grenzen: Schützen Sie Ihre eigenen finanziellen Ressourcen. Übernehmen Sie keine Schulden des Betroffenen und geben Sie kein Geld, das das Spielen unterstützt.
  • Emotionale Grenzen: Es ist wichtig, dass Sie auch auf Ihre eigene psychische Gesundheit achten. Setzen Sie klare Grenzen, wie viel Unterstützung Sie leisten können.

4. Professionelle Hilfe suchen

  • Beratungsstellen: Suchen Sie Unterstützung bei Fachleuten, die auf Spielsucht spezialisiert sind. Sie können Beratung, Therapie und spezielle Programme für den Betroffenen und die Familie anbieten.
  • Selbsthilfegruppen: Erwägen Sie den Besuch von Gruppen wie Gam-Anon, die speziell für die Familienangehörigen von Glücksspielsüchtigen konzipiert sind.

5. Unterstützung im Alltag

  • Alternativen fördern: Helfen Sie dem Betroffenen, andere Freizeitaktivitäten und Hobbys zu finden, die nichts mit Glücksspiel zu tun haben.
  • Netzwerk aufbauen: Ermutigen Sie den Betroffenen, sich ein soziales Netzwerk aufzubauen, das ihn unterstützt und von Glücksspielen fernhält.

6. Notfallplan erstellen

  • Rückfallprävention: Besprechen Sie, was zu tun ist, falls Rückfälle auftreten. Ein vorbereiteter Plan kann helfen, schneller zu reagieren und die richtigen Schritte einzuleiten.

7. Geduld und Resilienz

  • Langfristige Perspektive: Verstehen Sie, dass die Genesung von Spielsucht Zeit braucht und Rückschläge möglich sind. Bewahren Sie Geduld und bleiben Sie unterstützend.

Indem Angehörige diese Schritte befolgen, können sie nicht nur dem betroffenen Familienmitglied helfen, sondern auch sich selbst schützen und ihre eigene psychische Gesundheit bewahren.

Tipps zum Beenden der Spielsucht

Der Ausstieg aus dem Teufelskreis der Spielsucht ist eine Herausforderung. Folgende Tipps können hilfreich sein:

  • Herausforderung an sich selbst, für einige Wochen komplett auf das Spielen zu verzichten.
  • Bewusstsein über die Grundregeln des Glücksspiels: Gewinne und Verluste sind vom Zufall bestimmt.
  • Aufstellung einer Liste mit Vor- und Nachteilen des Spielens.
  • Einschränkung des Zugangs zu finanziellen Mitteln.
  • Gestaltung der Freizeit mit alternativen, erfreulichen Aktivitäten.
  • Inanspruchnahme professioneller Hilfe, beispielsweise durch Beratungsstellen.

Wie lässt sich eine Spielsucht langfristig überwinden?

Die Überwindung der Spielsucht ist ein Prozess, der Engagement und oft lebenslange Aufmerksamkeit erfordert. Hier sind einige wichtige Schritte, die helfen können, die Spielsucht langfristig zu bewältigen:

1. Anerkennung des Problems

Selbsterkenntnis: Der erste Schritt zur Genesung ist das Eingeständnis, dass ein Problem existiert. Ohne diese Anerkennung sind alle weiteren Schritte unwirksam.

2. Suche professioneller Hilfe

Therapie: Ein Therapeut kann individuell angepasste Strategien anbieten, die auf den spezifischen Bedürfnissen und Umständen des Betroffenen basieren.

Beratungsstellen: Diese bieten nicht nur Unterstützung für Betroffene, sondern auch für ihre Familien und können wichtige Ressourcen zur Verfügung stellen.

3. Beteiligung an Selbsthilfegruppen

Anonyme Spielsüchtige: Der Austausch mit anderen Betroffenen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann sehr unterstützend und ermutigend sein.

4. Vermeidung von Versuchungen und Veränderung der Lebensgewohnheiten

Zugang zu Glücksspiel einschränken: Löschen von Online-Konten, Vermeiden von Casinos und anderen Glücksspielorten.

Finanzielle Kontrolle: Oft ist es hilfreich, wenn eine vertrauenswürdige Person vorübergehend die Verwaltung der Finanzen übernimmt.

5. Aufbau eines starken Unterstützungsnetzwerks

Familie und Freunde einbeziehen: Offene Kommunikation mit nahestehenden Personen kann zusätzliche Unterstützung und Verantwortlichkeit bieten.

6. Entwicklung neuer Hobbys und Interessen

Alternative Aktivitäten: Diese helfen, die Zeit zu füllen, die zuvor mit Spielen verbracht wurde, und neue, gesündere Routinen zu etablieren.

7. Regelmäßige Bewertung und Anpassung der Genesungsstrategie

Fortlaufende Selbstreflexion und Anpassung: Überwachen Sie den Fortschritt und passen Sie Strategien an, wenn sich neue Herausforderungen ergeben oder sich die Umstände ändern.

8. Aufrechterhaltung einer positiven Einstellung

Langfristige Perspektive: Sich bewusst sein, dass Genesung Zeit braucht und Rückschläge möglich sind, aber mit einer grundsätzlich positiven und zielorientierten Einstellung angehen.

9. Gesunde Lebensführung

Körperliche Aktivität und Ernährung: Eine gesunde Lebensweise kann Stress reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden verbessern, was wiederum hilft, den Wunsch zu spielen zu kontrollieren.

10. Rückfallprävention

Erkennen von Auslösern: Verstehen, was den Wunsch zu spielen auslöst (Stress, bestimmte Umgebungen, emotionale Zustände) und Strategien zur Bewältigung dieser Auslöser entwickeln.

Indem man diese Schritte konsequent verfolgt und sich der Herausforderung langfristig stellt, kann ein spielsüchtiger Mensch einen nachhaltigen Weg aus der Sucht finden und ein erfüllteres, gesünderes Leben führen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Vom Glücksspiel zur Spielsucht, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), 2024.
  2. Zendle D, Meyer R, Over H. Adolescents and loot boxes: links with problem gambling and motivations for purchase. R Soc Open Sci. 2019 Jun 19;6(6):190049. doi: 10.1098/rsos.190049
  3. Tabri N, Xuereb S, Cringle N, Clark L. Associations between financial gambling motives, gambling frequency and level of problem gambling: a meta-analytic review. 2022 Mar;117(3):559-569. doi: 10.1111/add.15642.
  4. Gori A, Topino E. Problematic Gambling Behavior in a Sample of Gamblers: The Role of Alexithymia, Dissociation Features, and External Locus of Control. J Gambl Stud. 2024 Jun 4. doi: 10.1007/s10899-024-10322-6.

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