Studie: Beeinflusst der Familienstand den Cortisolspiegel?

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Torsten Lorenz, aktualisiert am 27. Oktober 2021, Lesezeit: 4 Minuten

Die Ergebnisse einer Studie der Carnegie Mellon University und der University of Pittsburgh School of Dental Medicine legen nahe, dass ein Grund dafür, dass verheiratete Paare gesünder sind als ihre unverheirateten Altersgenossen (ob geschieden, verwitwet oder nie verheiratet), darin liegt, dass Verheiratete einen niedrigeren Spiegel des Stresshormons Cortisol aufweisen.

Cortisol ist ein wesentlicher Bestandteil der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) und der biologischen Reaktion auf Stress. 

Im Allgemeinen steigt der Cortisolspiegel eines Menschen nach dem Aufwachen schnell an und sinkt im Laufe des Tages wieder ab. 

Ein niedrigerer Cortisolspiegel und ein steilerer negativer Verlauf beim Absinken des Cortisolspiegels werden mit einer besseren Gesundheit in Verbindung gebracht. 

Im Gegensatz dazu werden höhere Cortisolwerte und flachere Steigungen mit zahlreichen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, von Herzerkrankungen über das metabolische Syndrom bis hin zu kürzeren Überlebenszeiten bei Krebs.

In der vorliegenden Studie untersuchten die Forscher den Cortisolspiegel und die Verläufe des Cortisolabfalls bei 572 gesunden Erwachsenen in drei Gruppen mit unterschiedlichem Familienstand: derzeit verheiratet (oder in einer eheähnlichen Beziehung), nie verheiratet oder früher verheiratet. 

Die Forscher gingen davon aus, dass die Gruppe der Verheirateten niedrigere Cortisol-Werte und einen stärkeren Abfall als die beiden anderen Gruppen aufweisen würde. 

Alle Teilnehmer waren Erwachsene im Alter von 21 bis 55 Jahren, die sich bester Gesundheit erfreuten und im Großraum Pittsburgh lebten. Speichelproben, die Cortisol enthalten, wurden an drei nicht aufeinanderfolgenden Tagen zu verschiedenen Zeiten während des Wachzustandes entnommen.

Nach der Analyse und Anpassung ihrer Daten (einschließlich einiger Persönlichkeitsmerkmale) stellten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fest, dass die Gruppe der Verheirateten niedrigere Cortisolwerte aufwies als die beiden anderen Gruppen. 

In der verheirateten Gruppe sank der Cortisol-Spiegel in den Nachmittagsstunden auch schneller, allerdings nur im Vergleich zur unverheirateten Gruppe. Alle Gruppen hatten zu Beginn des Tages ähnliche Cortisolwerte.

Insgesamt fanden die Autoren weitere Belege dafür, dass Cortisol in der Beziehung zwischen Familienstand und Gesundheit eine Rolle zu spielen scheint, und eine gewisse Unterstützung für das Konzept, dass die Ehe dazu beiträgt, Menschen gegen den täglichen Stress abzupuffern. 

Ihre Ergebnisse stimmen auch mit früheren Erkenntnissen überein, wonach Menschen, deren soziales Wohlbefinden dauerhaft bedroht ist (z. B. durch Verlust oder Scham), am Nachmittag zu höheren Cortisolwerten neigen.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wiesen auch auf einige wichtige Einschränkungen ihrer Ergebnisse hin – so zeigte die Beziehung zwischen Cortisol und Familienstand zwar eine Korrelation, aber nicht notwendigerweise eine kausale Beziehung, und die Ergebnisse ließen sich nicht auf andere Bevölkerungsgruppen wie Menschen über 55 Jahre oder nicht gesunde Menschen übertragen. 

Darüber hinaus könnte es andere Gründe für die offensichtlichen gesundheitlichen Vorteile der Ehe geben, wie etwa bestimmte Lebensstilfaktoren. Einige Theorien besagen, dass Unverheiratete besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt sind und weniger Zugang zu zwischenmenschlicher Unterstützung gegen Stress haben.

Die vorliegende Studie wurde in der Fachzeitschrift Psychoneuroendocrinology veröffentlicht.

Quellen und Autoren: Carnegie Mellon University / University of Pittsburgh School of Dental Medicine / NCCIH / Psychoneuroendocrinology / Chin B, Murphy ML, Janicki-Deverts D, et al. Marital status as a predictor of diurnal salivary cortisol levels and slopes in a community sample of healthy adults. Psychoneuroendocrinology. 2017;(78):68–75.

"

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Bildtitel-Vorschlag Vielversprechender NOUS-209-Impfstoff zur Krebsprävention bei Lynch-Syndrom-Trägern

Das Lynch-Syndrom: Genetische Ursachen und Verbreitung

Das Lynch-Syndrom ist die häufigste erbliche Form von Darmkrebs. Entdecken Sie die genetischen Ursachen und Prävalenz....

Kindergartenkinder bei Gartenarbeit für gesunde Ernährung und Aktivität

Kindergarten-Garten: Bessere Ernährung und mehr Bewegung

Erfahren Sie, wie Kindergarten-Gartenarbeit gesunde Ernährung und körperliche Aktivität bei Kleinkindern fördert....

Antivirale Abwehr gegen Rhinovirus in der Nasenschleimhaut

Schlüsselrolle der Interferon-Reaktion bei Rhinovirus-Infektionen in den Nasengängen

Lernen Sie, wie die Interferon-Reaktion entscheidend die Ausbreitung von Rhinovirus-Infektionen in den Nasengängen beeinflusst....

Junge Erwachsene und Internet-Gaming-Störung Prävalenz

Wie verbreitet ist die Internet-Gaming-Störung bei jungen Erwachsenen?

Wie verbreitet ist die Internet-Gaming-Störung bei jungen Erwachsenen? Lernen Sie die Zeichen und Herausforderungen kennen....

Hirnaktivität bei Stress: Verbindung zu Depression, Angst und Herzrisiko

Depression & Angst zerstören dein Herz, die unsichtbare Gefahr

Eine neue Studie zeigt, wie stressbedingte Hirnaktivität Depression und Angst mit einem erhöhten Herzkrankheitsrisiko verknüpft....