Lachtherapie lindert Atemnot bei COPD

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Dr. Amalia Michailov, Veröffentlicht am: 07.09.2026, Lesezeit: 7 Minuten

Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) leiden oft unter starker Atemnot, die selbst einfache Alltagstätigkeiten erschwert. Eine neue, auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Barcelona vorgestellte klinische Studie deutet nun darauf hin, dass gezieltes Lachtraining die Atemnot ähnlich wirksam lindern kann wie die etablierte Lippenbremse. Die Ergebnisse stammen aus einer noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlichten, kleinen Studie und sollten entsprechend vorsichtig eingeordnet werden.

Worum es in der Studie geht

COPD gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen für Behinderung und Tod und betrifft Millionen Menschen. Die Erkrankung führt dazu, dass sich die Atemwege beim Ausatmen verengen und Luft in der Lunge eingeschlossen bleibt, was zu ausgeprägter Atemnot führt.

Die Behandlung stützt sich üblicherweise auf Medikamente, körperliches Training und Impfungen gegen Atemwegsinfektionen. Die Forschungsgruppe um Goncagul Aldan, Pflegewissenschaftlerin an der Hacettepe-Universität in Ankara, wollte untersuchen, ob eine einfache, kostengünstige Zusatzmaßnahme die bestehende Versorgung sinnvoll ergänzen kann.

Studiendesign: klein, aber kontrolliert

An der Untersuchung nahmen 63 Personen mit COPD teil, die am Ankara Bilkent City Hospital in der Türkei behandelt wurden. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip in drei etwa gleich große Gruppen eingeteilt.

Eine Gruppe absolvierte ein strukturiertes Lachtraining, eine zweite übte die Lippenbremse, ein etabliertes Atemtechnik-Verfahren für COPD-Patienten, und eine dritte Gruppe führte keine der beiden Übungen durch und diente als Kontrolle.

Beide aktiven Gruppen wurden zunächst persönlich angeleitet und übten anschließend achtmal wöchentlich für dreißig Minuten, insgesamt über acht Wochen, mit Unterstützung durch Videoanrufe und Textnachrichten.

Was das Lachtraining konkret umfasste

Das Lachtraining bestand aus mehreren Elementen: rhythmisches Klatschen mit begleitenden Lauten, spielerische Übungen wie das Nachahmen eines startenden Motorrads oder eines Löwengebrülls, eine Lachmeditation mit spontanem, ungezwungenem Lachen sowie eine abschließende Entspannungsphase mit ruhigem Atmen und Lächeln.

Vor, während und nach der Interventionsphase wurden Atemnot, allgemeiner Gesundheitszustand und der Grad der Pflegebedürftigkeit der Teilnehmenden erfasst.

Ergebnisse: vergleichbare Wirkung wie die Lippenbremse

Nach Abschluss des Programms berichteten sowohl die Lachtherapie-Gruppe als auch die Gruppe mit Lippenbremse-Übungen über deutlich weniger Atemnot als die Kontrollgruppe ohne strukturiertes Atemtraining. Beide aktiven Gruppen zeigten zudem einen besseren allgemeinen Gesundheitszustand.

Aldan betonte, dass dieser Effekt auch einen Monat nach Programmende noch nachweisbar war. Beim Pflegebedarf im Alltag zeigte sich zwischen den Gruppen dagegen kein Unterschied.

Diese Ergebnisse stammen aus einer einzelnen, kleinen Studie an einem Zentrum, die bislang nur als Kongressbeitrag vorliegt und noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen hat. Sie liefern damit einen ersten, aber noch keinen abschließenden Beleg für die Wirksamkeit des Ansatzes.

Warum Lachen die Atmung beeinflussen könnte

Bei der Lippenbremse ist der Wirkmechanismus vergleichsweise gut verstanden: Das langsame Ausatmen durch leicht geschlossene Lippen erzeugt einen Gegendruck in den Atemwegen, der das Entweichen eingeschlossener Luft erleichtert, die Atemfrequenz senkt und Patientinnen und Patienten hilft, ihre Atmung besser zu kontrollieren.

Für das Lachtraining ist die Studienautorin selbst zurückhaltend. Sie vermutet, dass Lachen die Atemmuskulatur trainiert, ein tieferes Ausatmen fördert und die Ausschüttung von Endorphinen anregt, was sowohl körperlich als auch emotional entlastend wirken könnte.

Aldan weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die zugrunde liegenden Mechanismen der Lachtherapie bei COPD bislang schlecht verstanden sind und umfassendere Forschung nötig ist. Es handelt sich damit um eine plausible Hypothese, nicht um einen belegten Wirkmechanismus.

Einordnung durch unabhängige Fachleute

Marc Miravitlles, Vizepräsident der European Respiratory Society und leitender Forscher am Vall d’Hebron Universitätsklinikum in Barcelona, war nicht an der Studie beteiligt. Er bezeichnete die Untersuchung als klein, aber methodisch sorgfältig durchgeführt, und wies darauf hin, dass die Teilnehmenden nach einer persönlichen Einweisung dabei unterstützt wurden, die Übungen eigenständig zuhause fortzusetzen.

Er hob hervor, dass Lachtherapie einfach und kostengünstig ist und deshalb grundsätzlich weltweit einsetzbar wäre, sofern weitere Forschung die bisherigen Ergebnisse bestätigt.

Nächste Schritte

Die Forschungsgruppe plant, das Lachtraining künftig in größerem Rahmen und mit mehr Teilnehmenden zu untersuchen. Angestrebt wird zudem eine internationale Zusammenarbeit, um den Ansatz in klinischen Settings verschiedener Länder zu erproben.

Bis solche größeren, idealerweise mehrzentrischen und peer-reviewten Studien vorliegen, lässt sich Lachtherapie allenfalls als vielversprechende, aber noch nicht ausreichend belegte Ergänzung zur bestehenden COPD-Versorgung einordnen, die Medikamente und Lungenrehabilitation nicht ersetzt.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Kann Lachtherapie die Lippenbremse als Standardtherapie bei COPD ersetzen?

Nein. Die vorliegende Studie deutet lediglich darauf hin, dass beide Ansätze in dieser kleinen Untersuchung ähnliche Effekte auf die Atemnot zeigten. Für eine generelle Empfehlung als Ersatztherapie reicht die bisherige Evidenz nicht aus. Marc Miravitlles von der European Respiratory Society betont zudem, dass Inhalationstherapie, körperliches Training und Impfungen weiterhin die Grundlage der COPD-Behandlung bilden.

Was genau unterscheidet die Lippenbremse vom Lachtraining?

Die Lippenbremse ist ein etabliertes, gut erforschtes Verfahren: Durch das langsame Ausatmen durch leicht geschlossene Lippen entsteht ein Gegendruck in den Atemwegen, der eingeschlossene Luft entweichen lässt und die Atemfrequenz senkt. Das Lachtraining ist dagegen ein neuerer Ansatz aus mehreren spielerischen und meditativen Elementen, dessen Wirkung auf die Atmung bislang nur unzureichend verstanden ist. Beide Verfahren wurden in der Studie als eigenständige, in sich geschlossene Übungsprogramme vermittelt und nicht kombiniert.

Ist wissenschaftlich geklärt, warum Lachen die Atmung verbessern könnte?

Nein. Die Studienautorin selbst beschreibt die möglichen Mechanismen, etwa eine Kräftigung der Atemmuskulatur, ein tieferes Ausatmen oder die Ausschüttung von Endorphinen, ausdrücklich als bislang unzureichend erforscht. Es handelt sich um plausible Hypothesen, nicht um belegte Wirkprinzipien.

Wie belastbar sind die Studienergebnisse insgesamt?

Die Studie wurde bislang nur als Kongressbeitrag auf dem ERS-Kongress vorgestellt und noch nicht in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht. Mit 63 Teilnehmenden an einem einzigen Zentrum in der Türkei liefert sie erste Hinweise, jedoch keinen abschließenden Beleg. Auch der unabhängig eingeordnete Kommentar von Marc Miravitlles bezeichnet sie ausdrücklich als klein, wenn auch methodisch sorgfältig durchgeführt.

Wie häufig und wie lange mussten die Teilnehmenden üben?

Nach einer persönlichen Einweisung übten die Teilnehmenden der beiden aktiven Gruppen über acht Wochen hinweg jeweils dreimal wöchentlich für dreißig Minuten. Begleitet wurden sie zusätzlich durch Videoanrufe und Textnachrichten, um die Übungen korrekt und regelmäßig zu Hause fortzusetzen.

Wurde auch untersucht, wie stark sich der Effekt langfristig hält?

Die Forschenden erfassten den Zustand der Teilnehmenden noch einen Monat nach Abschluss des achtwöchigen Programms und stellten fest, dass die Verbesserung bei der Atemnot zu diesem Zeitpunkt noch bestand. Aussagen zu einem längeren Zeitraum als einen Monat lässt die Studie nicht zu.

Verbesserte sich durch das Training auch der Pflegebedarf der Teilnehmenden?

Nein. Obwohl sich Atemnot und allgemeiner Gesundheitszustand in beiden aktiven Gruppen verbesserten, zeigte sich beim Grad der alltäglichen Pflegebedürftigkeit kein Unterschied zwischen Lachtherapie-, Lippenbremse- und Kontrollgruppe.

Können COPD-Patientinnen und -Patienten das Lachtraining ohne Rücksprache selbst ausprobieren?

Da es sich um eine ergänzende und nicht um eine ersetzende Maßnahme handelt, sollte jede Änderung der Behandlung, auch der Beginn eines zusätzlichen Atem- oder Lachtrainings, vorab mit dem behandelnden Ärzteteam besprochen werden. Dies gilt insbesondere, da die Studie keine Angaben dazu macht, für welche Schweregrade der Erkrankung oder Begleiterkrankungen das Training geeignet oder ungeeignet sein könnte.

Was ist der nächste Schritt in der Forschung zu diesem Thema?

Die Arbeitsgruppe um Aldan plant, das Lachtraining in größer angelegten Studien mit mehr Teilnehmenden zu untersuchen, und strebt eine internationale Zusammenarbeit an, um den Ansatz an mehreren Zentren und in unterschiedlichen Gesundheitssystemen zu prüfen. Erst solche größeren, peer-reviewten Folgestudien können zeigen, ob sich die bisherigen Ergebnisse bestätigen lassen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

European Respiratory Society. (2026, 6. September). Laughter therapy eases breathlessness in people with COPD [Pressemitteilung]. https://www.ersnet.org/

News-Medical.net. (2026, 6. September). Laughter therapy eases breathlessness in people with COPD. https://www.news-medical.net/news/20260906/Laughter-therapy-eases-breathlessness-in-people-with-COPD.aspx

U.S. National Library of Medicine. (2026). The effect of pursed lip breathing exercise and laughter therapy individuals with the COPD (NCT05997550). ClinicalTrials.gov. https://clinicaltrials.gov/study/NCT05997550

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