Gestörtes Essverhalten: Studie ermittelt Risikofaktoren für Essstörungen bei Kindern

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Medizin Doc Redaktion, Beitrag vom 1. August 2022

Essstörungen bei Kindern frühzeitig erkennen: Eine aktuelle wissenschaftliche Studie mit Kindern im Alter von 9 und 10 Jahren liefert wichtige Erkenntnisse über gestörtes Essverhalten bei Kindern und den Risikofaktoren.

Die Forscher an der Keck School of Medicine of the University of Southern California untersuchten, wie Alter, Geschlecht, Gewicht und Pubertätsstadium mit Verhaltensweisen (Essstörungssymptomen) wie Essanfällen (Binge-Eating) und Erbrechen zur Gewichtskontrolle zusammenhingen.

Eine erste wichtige Erkenntnis ist, dass diese Verhaltensmuster weiter verbreitet sind als bislang bekannt, in manchen Fällen mit einer Häufigkeit von bis zu 5 Prozent, erklärte der Hauptautor der Studie, Dr. Stuart Murray, Associate Professor an der Keck School of Medicine der USC.

Entgegen den gängigen Annahmen stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass Jungen und Mädchen mit gleicher Wahrscheinlichkeit an Essstörungen leiden.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten auch, dass Kinder mit einem höheren Body-Mass-Index (BMI) sowie Kinder, die sich in der Pubertät befinden, ein höheres Risiko haben.

Mit den Forschungsergebnissen kann das Ausmaß von Essstörungen in dieser Altersgruppe umrissen und auf biologische Risikofaktoren hingewiesen werden, die letztlich zu gezielteren Lösungen führen können, so die Forscher.

Risiken für gestörtes Essverhalten

Die Forschenden nutzten Daten von knapp 12.000 Kindern im Alter von 9 bis 10 Jahren, die zwischen 2016 und 2018 im Rahmen der Adolescent Brain Cognitive Development Study erhoben wurden, der größten Langzeitstudie zur Gehirnentwicklung und Gesundheit von Kindern in den Vereinigten Staaten.

Die Forscher untersuchten keine voll ausgeprägten Essstörungen – die bei Kindern sowohl selten als auch schwer zu erkennen sind -, sondern analysierte gestörtes Essverhalten, das Hinweise darauf geben kann, wer ein Risiko für schwerere Symptome im weiteren Verlauf hat.

Die Forscher untersuchten Fressattacken (Binge-Eating), Erbrechen zur Gewichtsregulierung und andere Verhaltensweisen (wie Sport oder Kalorienbeschränkung), die eine Gewichtszunahme verhindern sollen.

Fünf Prozent der an der Studie teilnehmenden Kinder neigten zu Essanfällen (Binge-Eating), während 2,5 Prozent der Kinder Maßnahmen zur Vermeidung einer Gewichtszunahme ergriffen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten nicht nur die Gesamthäufigkeit des gestörten Essverhaltens, sondern auch den Zusammenhang zwischen den jeweiligen Verhaltensweisen und dem Geschlecht, dem Body Mass Index (BMI) und dem Pubertätsstadium.

Dabei wurden keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt, was darauf hindeutet, dass für Jungen die gleichen Risiken bestehen wie für Mädchen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder, die sich in der Pubertät befanden, Maßnahmen zur Vermeidung einer Gewichtszunahme ergriffen, war höher.

Je höher der Body Mass Index (BMI), desto wahrscheinlicher war es, dass Kinder mit einem niedrigeren BMI alle in der Studie untersuchten Essstörungen aufwiesen – also Fressattacken, Erbrechen und das Ergreifen anderer Maßnahmen, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden.

Früherkennung und Prävention verbessern

Laut Murray können die Ergebnisse der Studie die Prävention von Essstörungen verbessern, indem sie aufzeigen, wer am meisten gefährdet ist.

Kinderärzte und Schulen der Mittelstufe könnten zum Beispiel Kinder mit hohem Body-Mass-Index (BMI) und Kinder, die vor ihren Altersgenossen in die Pubertät kommen, verstärkt untersuchen und kontrollieren.

Die Ergebnisse der vorliegende Studie wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht

Quellen

  • Keck School of Medicine of the University of Southern California
  • Prevalence of disordered eating and associations with sex, pubertal maturation, and weight in children in the US, JAMA Pediatrics (2022). DOI: 10.1001/jamapediatrics.2022.2490

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