Sonnenlicht und Blutzucker: Neue Studie zeigt Zusammenhang mit Diabetes-Risiko

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Dr. Amalia Michailov, aktualisiert am 2. September 2026, Lesezeit: 8 Minuten

Eine große Analyse auf Basis der UK-Biobank-Datenbank legt nahe, dass Sonnenlichtexposition sowohl kurzfristig als auch über Jahrzehnte hinweg mit niedrigeren Blutzuckerwerten und einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden sein könnte, wobei die Ergebnisse als rein beobachtend einzustufen sind und keine Kausalität belegen; dennoch liefern sie interessante neue Ansatzpunkte für die Diabetesforschung, die Stoffwechselgesundheit und die Rolle von UV-Strahlung, Vitamin D und Stickstoffmonoxid im menschlichen Körper.

Worum es in der Studie geht

Typ-2-Diabetes zählt zu den häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen weltweit. Bei dieser Form des Diabetes kann der Körper entweder nicht genügend Insulin produzieren oder das vorhandene Insulin nicht wirksam nutzen, wodurch sich Glukose im Blut anreichert (Hyperglykämie). Die Erkrankung verursacht erhebliche gesundheitliche Belastungen sowie hohe Kosten für Gesundheitssysteme weltweit.

Frühere Beobachtungsstudien hatten bereits niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut mit einem erhöhten Diabetesrisiko in Verbindung gebracht. Randomisierte kontrollierte Studien konnten bislang jedoch keinen klaren ursächlichen Zusammenhang bestätigen, weshalb eine generelle Empfehlung zur Vitamin-D-Supplementierung zur Diabetesprävention derzeit nicht ausreichend belegt ist.

Vitamin D wird größtenteils in der Haut gebildet, wenn diese UVB-Strahlung (ultraviolette B-Strahlung) ausgesetzt ist. Zusätzlich deuten frühere Forschungsergebnisse darauf hin, dass UV-Strahlung auch gespeichertes Stickstoffmonoxid in der Haut aktivieren kann, was über eine Gefäßerweiterung zu einer Blutdrucksenkung führen kann. Tierstudien haben zudem gezeigt, dass UV-Exposition mit einer Reduktion von Markern des metabolischen Syndroms sowie mit geringerer Gewichtszunahme assoziiert sein kann. Diese Beobachtungen legen nahe, dass Sonnenlicht unabhängig von Vitamin D positive Effekte auf Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel haben könnte.

Vor diesem Hintergrund untersuchte ein Forschungsteam der University of Edinburgh (Vereinigtes Königreich) gemeinsam mit dem Karolinska-Institut in Schweden, wie sich kurzfristige und langfristige Sonnenlichtexposition auf Blutzuckerwerte und das Diabetesrisiko auswirken.

Studiendesign: UK-Biobank als Datenquelle

Grundlage der Untersuchung waren Basisdaten von Teilnehmenden der UK Biobank, die zwischen 2006 und 2010 erhoben wurden. Für die kurzfristige Sonnenlichtexposition nutzten die Forschenden tägliche UVA-Schätzwerte (ultraviolette A-Strahlung) der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA, um für jede teilnehmende Person 2-Tages- und 7-Tages-Durchschnittswerte der UVA-Belastung am Wohnort zu berechnen. Diese Werte dienten als Näherungswert für die kurzfristige Sonneneinstrahlung und wurden mit den jeweiligen Blutzuckerwerten in Beziehung gesetzt.

Für die Erfassung der chronischen, also langfristigen Sonnenlichtexposition, wurde die selbst berichtete Häufigkeit der Nutzung von Solarien beziehungsweise Sonnenbänken herangezogen. Die Teilnehmenden wurden dabei in drei Gruppen unterteilt: Nichtnutzer, gelegentliche Nutzer und häufige Nutzer. Anschließend führten die Forschenden retrospektive Überlebenszeitanalysen durch, beschränkt auf Personen weißer europäischer Abstammung, um den Zusammenhang zwischen Solariumnutzung und einer späteren Typ-2-Diabetes-Diagnose zu untersuchen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Die Analyse zeigte einen inversen, also gegenläufigen, Zusammenhang zwischen der Umgebungs-UVA-Strahlung und dem Blutzuckerspiegel:

  • Eine höhere durchschnittliche UVA-Belastung in den zwei Tagen vor der Blutabnahme war im Winter mit niedrigeren Blutzuckerwerten verbunden.
  • Eine höhere durchschnittliche UVA-Belastung über sieben Tage war sowohl im Winter als auch im Frühjahr mit niedrigeren Blutzuckerwerten assoziiert.

Bei der Betrachtung der langfristigen Sonnenlichtexposition zeigte sich ein noch deutlicheres Bild: Gelegentliche Solariumnutzer hatten ein um 14 Prozent geringeres Risiko, im Beobachtungszeitraum an Typ-2-Diabetes zu erkranken, verglichen mit Nichtnutzern. Bei häufigen Nutzern lag die Risikoreduktion sogar bei 22 Prozent. Der mittlere Beobachtungszeitraum erstreckte sich dabei vom 20. Lebensjahr bis zur Diabetesdiagnose beziehungsweise bis zur Basisuntersuchung und betrug im Median 38 Jahre.

Ein statistisch signifikanter linearer Trend über die drei Nutzungskategorien hinweg sprach zudem für eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger Solarien genutzt wurden, desto niedriger fiel in der Modellrechnung tendenziell der Body-Mass-Index (BMI) aus, desto niedriger war der Blutzuckerspiegel und desto höher der Vitamin-D-Spiegel.

Mögliche Erklärungen: Stickstoffmonoxid statt nur Vitamin D

Die Forschenden vermuten, dass die kurzfristige Wirkung von Sonnenlicht auf den Blutzucker nicht ausschließlich über Vitamin D vermittelt wird. Ein möglicher Mechanismus betrifft Stickstoffmonoxid, das laut früheren Studien seinen Höhepunkt etwa 24 bis 48 Stunden nach UV-Exposition erreicht. Stickstoffmonoxid kann die Durchblutung fördern sowie Insulinausschüttung und Insulinsensitivität verbessern, was in der Folge zu niedrigeren Blutzuckerwerten beitragen könnte.

Bemerkenswert ist, dass der stärkste Zusammenhang zwischen Sonnenlichtexposition und niedrigerem Blutzucker ausgerechnet im Winter beobachtet wurde, wenn die allgemeine Sonneneinstrahlung ohnehin gering ist. Zudem zeigten nichtlineare Analysen, dass der Blutzucker bei niedrigen UVA-Werten am stärksten absank, bevor der Effekt bei höheren UVA-Werten, wie sie in sonnenreicheren Monaten üblich sind, ein Plateau erreichte. Das deutet darauf hin, dass möglicherweise eine bestimmte Schwellendosis an Sonnenlicht nötig ist, um kurzfristige Stoffwechseleffekte auszulösen, während zusätzliche Exposition darüber hinaus kaum weiteren Nutzen bringt.

Da die UVB-Strahlung im Winter in nördlichen Breitengraden wie im Vereinigten Königreich in der Regel nicht ausreicht, um nennenswerte Mengen an Vitamin D zu bilden, spricht auch dies dafür, dass der beobachtete Effekt zumindest teilweise unabhängig von Vitamin D zustande kommt.

Bei der langfristigen Analyse fiel zudem auf, dass die eher moderate Häufigkeit der Solariumnutzung unter den Teilnehmenden allein den deutlichen Unterschied im Vitamin-D-Spiegel zwischen Nutzern und Nichtnutzern kaum vollständig erklären kann. Die Forschenden vermuten daher, dass Solariumnutzung eher als Marker für ein insgesamt sonnenaffineres Verhalten dient, etwa mehr Zeit im Freien allgemein, und nicht als isolierte Ursache.

Grenzen der Studie

Wie bei nahezu jeder Beobachtungsstudie gibt es auch hier methodische Einschränkungen, die bei der Interpretation berücksichtigt werden sollten:

  • Die Umgebungs-UVA-Werte sind ein indirekter Näherungswert und spiegeln nicht die tatsächliche individuelle Sonnenexposition jeder Person wider.
  • Die Blutzuckermessungen erfolgten unter nicht standardisierten Nüchternbedingungen.
  • Sowohl die Solariumnutzung als auch frühere Diabetesdiagnosen wurden selbst berichtet und nicht unabhängig verifiziert.
  • Die Langzeitanalyse war retrospektiv angelegt, beschränkte sich auf Personen weißer europäischer Abstammung und lässt sich daher nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen.
  • Trotz statistischer Anpassungen bleibt ein Restrisiko für verzerrende Faktoren (Confounding) durch nicht erfasstes Verhalten bestehen.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen ausdrücklich, dass die Ergebnisse keine Empfehlung für die Nutzung von Solarien als Maßnahme zur Diabetesprävention darstellen. Sonnenlichtexposition, insbesondere über künstliche UV-Quellen wie Solarien, gilt als anerkannter Risikofaktor für Hautkrebs. Die Balance zwischen möglichen metabolischen Vorteilen und dem Hautkrebsrisiko bleibt daher ein zentrales offenes Thema für künftige Forschung.

Sinnvoller erscheint es, natürliche und moderate Sonnenlichtexposition, etwa durch regelmäßige Aufenthalte im Freien tagsüber, als einen von vielen Bausteinen eines gesunden Lebensstils zu betrachten, ergänzend zu bewährten Maßnahmen wie ausgewogener Ernährung, körperlicher Aktivität und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Wer sich zur Sonnenexposition und individuellem Hautkrebsrisiko unsicher ist, sollte dies mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.

Künftige Forschung soll klären, welche Dosis und Dauer an Sonnenlichtexposition optimal wäre, um mögliche Stoffwechselvorteile zu erzielen, ohne das Hautkrebsrisiko unnötig zu erhöhen. Solche Erkenntnisse könnten langfristig auch in öffentliche Gesundheitsrichtlinien einfließen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Bedeutet die Studie, dass Solarien Diabetes verhindern können? Nein. Die Studie zeigt lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen Solariumnutzung und einem geringeren Diabetesrisiko. Sie beweist keine Ursache-Wirkungs-Beziehung, und die Forschenden raten ausdrücklich von der Nutzung von Solarien zur Diabetesprävention ab, unter anderem wegen des bekannten Hautkrebsrisikos.

Warum war der Effekt von Sonnenlicht auf den Blutzucker im Winter am stärksten? Eine mögliche Erklärung ist, dass im Winter die generelle Sonnenexposition ohnehin niedrig ist, sodass zusätzliche UVA-Strahlung einen relativ größeren Effekt auf den Blutzucker haben kann. Bei bereits hoher Sonneneinstrahlung im Sommer scheint der zusätzliche Nutzen dagegen zu stagnieren.

Welche Rolle spielt Vitamin D bei diesem Zusammenhang? Vitamin D allein erklärt die beobachteten Effekte wahrscheinlich nicht vollständig. Da die UVB-Strahlung im Winter für eine relevante Vitamin-D-Bildung meist nicht ausreicht, vermuten die Forschenden, dass auch andere Mechanismen wie die Aktivierung von Stickstoffmonoxid in der Haut beteiligt sein könnten.

Für wen gelten die Studienergebnisse? Die Langzeitanalyse zur Solariumnutzung wurde ausschließlich bei Personen weißer europäischer Abstammung durchgeführt. Ob sich die Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Hautpigmentierung übertragen lassen, ist derzeit nicht bekannt.

Sollte ich meine Sonnenexposition jetzt bewusst erhöhen? Die Studienautorinnen und -autoren empfehlen keine gezielte Erhöhung der Sonnenexposition allein aufgrund dieser Ergebnisse. Moderate, alltägliche Zeit im Freien gilt allgemein als unbedenklich, während exzessive UV-Exposition, etwa durch Solarien, mit einem erhöhten Hautkrebsrisiko verbunden bleibt.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

Stevenson, A. C., Weller, R. B., Lindqvist, P., & Dibben, C. (2026). Sunlight exposure is associated with lower blood glucose levels and type 2 diabetes. Scientific Reports. https://doi.org/10.1038/s41598-026-66100-4

Dutta, S. S. (2026, 27. August). Sunlight, blood sugar and diabetes: a new study finds an intriguing connection. News-Medical.net. https://www.news-medical.net/news/20260827/Sunlight-blood-sugar-and-diabetes-a-new-study-finds-an-intriguing-connection.aspx

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