Ketogene Diät verbessert Prädiabetes und Fettleber

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 28. August 2026, Lesezeit: 8 Minuten

Eine neue randomisierte klinische Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis zeigt, dass nicht jede Diätform gleich wirksam ist, wenn es um die Reduktion kardiometabolischer Risiken bei Adipositas geht; selbst wenn der Gewichtsverlust identisch ausfällt, unterscheiden sich die Effekte auf Leberfunktion, Blutzucker und Insulinspiegel erheblich zwischen ketogener Ernährung, Mittelmeerdiät und einer kohlenhydratreichen, pflanzenbetonten Diät. Die am 27. August 2026 in der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlichten Ergebnisse liefern damit wichtige Erkenntnisse für Menschen mit Adipositas, Prädiabetes und nicht alkoholischer Fettlebererkrankung.

Warum die Wahl der Diät bei Prädiabetes und Fettleber eine Rolle spielt

Adipositas betrifft in den USA etwa vier von zehn Erwachsenen, wobei die meisten Betroffenen zusätzlich mit metabolischen Risikofaktoren wie Insulinresistenz, Prädiabetes und Fetteinlagerungen in der Leber zu kämpfen haben. Bleiben diese Zustände unbehandelt, können sie zu Typ-2-Diabetes, chronischen Lebererkrankungen und kardiovaskulären Ereignissen fortschreiten.

Gewichtsverlust gilt zwar allgemein als wirksamste Maßnahme zur Reduktion adipositasbedingter Gesundheitsrisiken, doch bislang war unklar, welche Makronährstoffzusammensetzung, also der Anteil an Protein, Fett und Kohlenhydraten, die besten Ergebnisse für die metabolische Gesundheit liefert.

Wie die Studie aufgebaut war

Das Forschungsteam um Erstautor Max C. Petersen und Seniorautor Samuel Klein von der WashU Medicine teilte 55 erwachsene Studienteilnehmende mit metabolisch ungesunder Adipositas, also Adipositas in Kombination mit Prädiabetes und Fettleber, nach dem Zufallsprinzip einer von drei Diäten zu:

  • eine kohlenhydratarme, fettreiche ketogene Diät,
  • eine kohlenhydratreiche, fettarme, pflanzenbetonte Diät,
  • eine Mittelmeerdiät mit ausgewogenem Verhältnis zwischen beiden Ansätzen.

Über einen Zeitraum von rund fünf Monaten erhielten alle Teilnehmenden ihre gesamte Nahrung im Rahmen der Studie und nahmen wöchentlich an Beratungsgesprächen mit einer Ernährungsfachkraft teil, um die Einhaltung der jeweiligen Diät sicherzustellen.

Gleicher Gewichtsverlust, aber unterschiedliche Stoffwechseleffekte

In allen drei Gruppen verloren die Teilnehmenden im Durchschnitt etwa zehn Prozent ihres Ausgangsgewichts und steigerten die Insulinsensitivität der Muskelzellen um rund 50 Prozent gegenüber dem Ausgangswert. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass der Gewichtsverlust selbst der entscheidende Faktor für die Verbesserung der muskulären Insulinresistenz ist, unabhängig davon, wie das Verhältnis von Fett und Kohlenhydraten in der jeweiligen Diät gestaltet war.

Bei der Leberfunktion zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede. Die Insulinsensitivität der Leberzellen, die reguliert, wie gut die Leber die Glukoseproduktion unterdrückt, verbesserte sich unter der ketogenen Diät zwei- bis dreimal stärker als unter den anderen beiden Ernährungsformen, wobei sich alle drei Gruppen verbesserten.

Reduktion des Leberfetts

Die ketogene Diät reduzierte den Fettgehalt in der Leber nach fünf Monaten um 67 Prozent, verglichen mit 45 Prozent bei den beiden anderen Diäten.

„Die Fettlebererkrankung betrifft weltweit etwa 75 Prozent der Erwachsenen mit Adipositas und hat sich zur am schnellsten wachsenden Ursache chronischer Lebererkrankungen und Leberzirrhose entwickelt“, erklärte Petersen laut der Studienmitteilung. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine kohlenhydratarme ketogene Diät bei Menschen mit Adipositas und Fettlebererkrankung dazu beitragen könnte, diesen Anteil zu senken.

Blutzucker und Insulinspiegel

Auch bei der Blutzuckerkontrolle schnitt die ketogene Diät besser ab: Die 24-Stunden-Blutzuckerwerte sanken gegenüber dem Ausgangswert um 20 Prozent, verglichen mit acht Prozent bei den beiden anderen Diäten. Die Insulinspiegel im Blut über den Tagesverlauf reduzierten sich unter der kohlenhydratarmen Diät um 74 Prozent, während sie bei der Mittelmeerdiät um 44 Prozent und bei der kohlenhydratreichen Diät um 27 Prozent zurückgingen.

Dieser deutliche Rückgang der Insulinwerte spiegelt wider, dass bei sehr geringer Kohlenhydratzufuhr weniger Insulin zur Regulierung des Blutzuckers benötigt wird, sodass die Bauchspeicheldrüse nicht überproportional viel Insulin produzieren muss.

Prädiabetes: Wer profitierte am meisten?

Ein besonders auffälliges Ergebnis betrifft die Rückbildung von Prädiabetes. Unter den Teilnehmenden der kohlenhydratarmen ketogenen Diät erreichten 50 Prozent eine vollständige Reversion ihres Prädiabetes. Bei der Mittelmeerdiät waren es 29 Prozent, bei der kohlenhydratreichen Diät lediglich sieben Prozent.

Bedeutung für die klinische Praxis

Laut Petersen bleibt Gewichtsverlust, selbst in moderatem Umfang, für metabolisch ungesunde Menschen grundsätzlich vorteilhaft. Viele Betroffene kommen inzwischen auch für GLP-1-Medikamente infrage, die sich als wirksame Werkzeuge zur Gewichtsreduktion etabliert haben. Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass die Wahl der Diät weiterhin relevant bleibt, da sie spezifische gesundheitliche Effekte beeinflusst, die über den reinen Gewichtsverlust hinausgehen.

Samuel Klein betonte, dass eine durch eine sehr kohlenhydratarme Diät induzierte Gewichtsabnahme zusätzliche therapeutische Effekte auf den Glukose- und Lipidstoffwechsel biete, die weiter dazu beitragen könnten, das Fortschreiten schwererer metabolischer Erkrankungen zu verhindern. Gleichzeitig verbesserten alle drei untersuchten Diäten, trotz stark unterschiedlicher Makronährstoffzusammensetzung, die metabolische Gesundheit durch Gewichtsverlust allein.

Ausblick auf zukünftige Forschung

Das Forschungsteam plant, in weiteren Studien die grundlegenden Mechanismen zu untersuchen, die für die metabolischen Vorteile von Gewichtsverlust verantwortlich sind, einschließlich der Effekte von GLP-1-Medikamenten in Kombination mit unterschiedlichen Ernährungsformen.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

  • Alle drei Diäten (ketogen, Mittelmeer, kohlenhydratreich pflanzenbasiert) führten nach etwa fünf Monaten zu einem Gewichtsverlust von rund zehn Prozent.
  • Die Insulinsensitivität der Muskeln verbesserte sich in allen Gruppen um etwa 50 Prozent.
  • Die ketogene Diät verbesserte die Insulinsensitivität der Leber zwei- bis dreimal stärker als die anderen Diäten.
  • Das Leberfett sank unter der ketogenen Diät um 67 Prozent, unter den anderen Diäten um 45 Prozent.
  • Der 24-Stunden-Blutzucker sank unter der ketogenen Diät um 20 Prozent, unter den anderen Diäten um acht Prozent.
  • Die Insulinwerte im Blut sanken unter der ketogenen Diät um 74 Prozent, unter der Mittelmeerdiät um 44 Prozent und unter der kohlenhydratreichen Diät um 27 Prozent.
  • Die Prädiabetes-Rückbildungsrate lag bei 50 Prozent (ketogen), 29 Prozent (Mittelmeer) und sieben Prozent (kohlenhydratreich).

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was bedeutet metabolisch ungesunde Adipositas genau?
Damit ist Adipositas gemeint, die zusätzlich mit Prädiabetes und einer Fettlebererkrankung einhergeht; in der Studie war dies das Aufnahmekriterium für alle 55 Teilnehmenden. Der Begriff grenzt diese Personengruppe von Menschen ab, die zwar übergewichtig sind, aber keine erkennbaren Stoffwechselstörungen aufweisen, und ist in der Forschung relevant, weil sich beide Gruppen offenbar unterschiedlich stark von Gewichtsverlust und Diätwahl profitieren können.

Wie lange dauerte die untersuchte Diätintervention und warum ist das wichtig?
Die Teilnehmenden folgten ihrer jeweils zugewiesenen Diät über einen Zeitraum von rund fünf Monaten, wobei sie ihre gesamte Nahrung im Rahmen der Studie erhielten. Diese vollständige Nahrungsversorgung ist methodisch bedeutsam, da sie im Gegensatz zu vielen Ernährungsstudien, die auf Selbstauskünften der Teilnehmenden beruhen, eine sehr genaue Kontrolle der tatsächlich aufgenommenen Makronährstoffe ermöglicht.

Bedeutet das Ergebnis, dass Kohlenhydrate grundsätzlich schädlich für die Leber sind?
Das lässt sich aus der Studie nicht ableiten (ich kann das nicht bestätigen); die Untersuchung zeigt lediglich, dass eine sehr kohlenhydratarme, ketogene Ernährungsweise in diesem spezifischen Studienkontext stärkere Effekte auf Leberfett und Insulinsensitivität der Leber hatte als die beiden Vergleichsdiäten. Ob dieser Effekt auf die Kohlenhydratreduktion selbst, auf die veränderte Fettzusammensetzung oder auf andere Faktoren der ketogenen Ernährung zurückzuführen ist, wurde in der Studie nicht abschließend geklärt.

Warum verbesserte sich die Insulinsensitivität der Muskeln bei allen drei Diäten gleich stark, während sich die Leberwerte unterschieden?
Die Studienautoren führen dies darauf zurück, dass Muskel- und Leberinsulinresistenz offenbar unterschiedlichen biologischen Mechanismen unterliegen. Während die muskuläre Insulinsensitivität vor allem vom Ausmaß des Gewichtsverlusts abzuhängen scheint, dürfte die Leber zusätzlich empfindlich auf die Menge und Art der aufgenommenen Kohlenhydrate reagieren, da diese direkten Einfluss auf die Fetteinlagerung und Glukoseproduktion des Organs haben.

Ersetzt eine ketogene Diät den Einsatz von GLP-1-Medikamenten bei Adipositas?
Nein; laut den Studienautoren bleiben GLP-1-Medikamente ein nützliches Werkzeug zur Gewichtsreduktion, die Diätwahl beeinflusst jedoch zusätzlich spezifische Stoffwechselparameter, unabhängig vom Einsatz solcher Medikamente. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass beide Ansätze sich ergänzen können, anstatt sich gegenseitig auszuschließen.

Quellen

Petersen, M. C., Smith, G. I., & Klein, S. (2026). Effect of diet macronutrient content on the cardiometabolic response to weight loss: A randomized clinical trial. Cell Metabolism. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2026.07.020

Washington University School of Medicine in St. Louis. (2026, August 27). Low-carb diet delivers added liver benefits beyond weight loss. WashU Medicine News. https://medicine.washu.edu/news/low-carb-diet-delivers-added-liver-benefits-beyond-weight-loss/

News-Medical.Net. (2026, August 27). Ketogenic diet excels at reversing prediabetes and fatty liver. https://www.news-medical.net/news/20260827/Ketogenic-diet-excels-at-reversing-prediabetes-and-fatty-liver.aspx

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