Single in den Zwanzigern: Weniger Zufriedenheit, mehr Einsamkeit

Frauengesundheit, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Psychische Gesundheit

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 16. Januar 2026, Lesezeit: 10 Minuten

Junge Erwachsene, die während ihrer gesamten Zwanzigerjahre single bleiben, erleben im Vergleich zu denen, die romantische Beziehungen eingehen, einen steileren Rückgang der Lebenszufriedenheit sowie eine stärkere Zunahme von Einsamkeit, wie eine neue Analyse von Längsschnittdaten aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich zeigt, die auf über 17.390 Teilnehmern basiert und die psychischen Auswirkungen verlängerter Singlephasen in der Phase des aufstrebenden Erwachsenenalters beleuchtet.

Hintergrund und Kontext

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl junger Erwachsener, die romantische Partnerschaften aufschieben oder ganz vermeiden, weltweit zugenommen. Öffentliche Debatten rahmen diesen Trend oft als Akt der Unabhängigkeit, bei dem Individuen Bildung und Karriere über traditionelle Familienstrukturen stellen. Psychologen diskutieren jedoch, ob diese verlängerte Singlephase mit Kosten für die mentale Gesundheit einhergeht.

Frühere Studien haben gezeigt, dass Singlehood in den Zwanzigern mit niedrigerer Lebenszufriedenheit assoziiert sein kann, doch es blieb unklar, ob dies auf vorhandene Persönlichkeitsunterschiede zurückzuführen ist oder ob das Bleiben single selbst die Ursache darstellt. Die aktuelle Untersuchung, geleitet von Michael D. Krämer von der Universität Zürich, nutzt einen longitudinalen Ansatz, um diese Unterscheidung zu treffen. Sie analysiert Daten aus drei repräsentativen Umfragen, um die Entwicklung der Lebenszufriedenheit, Einsamkeit und depressiver Symptome über mehr als ein Jahrzehnt zu verfolgen.

Methode der Studie

Die Forscher analysierten Daten von 17.390 Teilnehmern aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich, die zu Beginn der Studie noch nie in einer festen Beziehung waren. Diese Personen wurden jährlich von Alter 16 bis 29 befragt, was zu über 110.000 Beobachtungen führte. Dieser Designansatz ermöglichte es, Veränderungen innerhalb derselben Individuen zu beobachten und stabile Persönlichkeitsmerkmale statistisch zu kontrollieren.

Zunächst identifizierten die Wissenschaftler Faktoren, die vorhersagen, wer single bleibt. Männer hatten eine höhere Wahrscheinlichkeit, in den Zwanzigern ungebunden zu bleiben, als Frauen. Höhere Bildungsniveaus korrelierten mit längerer Singlephase, was mit soziologischen Theorien übereinstimmt, wonach junge Erwachsene Beziehungsziele für akademische Erfolge opfern. Auch Wohnsituationen spielten eine Rolle: Personen, die allein oder bei den Eltern lebten, traten seltener in Beziehungen ein als jene mit Mitbewohnern.

Zusätzlich ergab die Analyse einen reziproken Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Beziehungsstatus. Teilnehmer mit niedrigerer Lebenszufriedenheit oder höherer Einsamkeit blieben in Folgejahren wahrscheinlicher single. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sowohl soziodemografische Faktoren wie Bildung als auch psychologische Merkmale wie das aktuelle Wohlbefinden vorhersagen, wer in eine romantische Beziehung eintritt und wer nicht“, erklärte Krämer.

Wichtige Ergebnisse

Zu Beginn, im Alter von 16 Jahren, gab es nur minimale Unterschiede in der Lebenszufriedenheit zwischen denen, die single blieben, und denen, die Partnerschaften eingingen. Beide Gruppen starteten auf ähnlichem Niveau hinsichtlich Glück und sozialer Verbundenheit. Mit zunehmendem Alter divergierten die Trajektorien jedoch: Konsistente Singles berichteten von einem stetigen Rückgang der Lebenszufriedenheit im Vergleich zu gepaarten Peers.

Die Einsamkeit nahm bei Langzeit-Singles schärfer zu, wobei diese Defizite am Ende der Zwanzigerjahre am ausgeprägtesten waren. Für depressive Symptome zeigte sich ein etwas anderes Muster: Unterschiede waren in den frühen Jahren nicht signifikant, doch ab Alter 23 berichteten Singles höhere Werte. Dieser verzögerte Beginn deutet darauf hin, dass der emotionale Tribut der Singlehood kumulativ wirkt und möglicherweise durch zunehmenden sozialen Druck verstärkt wird.

Die Muster waren weitgehend konsistent über Geschlechter und sozioökonomische Gruppen hinweg. Sowohl Männer als auch Frauen erlebten ähnliche Rückgänge im Wohlbefinden durch verlängerte Singlephasen. Dies widerspricht der gängigen Annahme, dass Frauen glücklicher single sind als Männer. Auch höheres Einkommen oder Bildung schützten nicht vor den emotionalen Kosten.

Auswirkungen des Eintretens in eine erste Beziehung

Beim Übergang von Singlehood zu einer Partnerschaft stieg die Lebenszufriedenheit der Teilnehmer an. Dieser Wechsel ging mit einer Abnahme der berichteten Einsamkeit einher. Die Vorteile zeigten sich im ersten Jahr der Beziehung und hielten an.

Allerdings führte der Einstieg in eine Beziehung nicht zu signifikanten Veränderungen bei depressiven Symptomen. Dies deutet darauf hin, dass Partnerschaften die Lebensbewertung und soziale Verbundenheit verbessern, aber nicht unbedingt zugrunde liegende Stimmungsprobleme lindern. Die Studie unterstreicht, dass die erste romantische Beziehung ein signifikanter Entwicklungsmeilenstein ist, dessen Fehlen moderate Risiken für die psychische Anpassung birgt.

Es ergibt sich ein potenzieller Zyklus: Niedriges Wohlbefinden prognostiziert längeres Singlebleiben, während längeres Singlebleiben weiteres Absinken des Wohlbefindens verursacht. „Dies deutet darauf hin, dass der Einstieg in eine erste Beziehung schwieriger wird, wenn Menschen in ihren späten Zwanzigern sind – insbesondere da niedrigeres Wohlbefinden die Wahrscheinlichkeit verlängert, single zu bleiben“, notierte Krämer.

Vergleich mit verwandten Studien

Eine verwandte Studie aus dem Journal Psychological Science (Stern et al., 2024) untersuchte lebenslange Singles ab 50 Jahren und fand, dass diese niedrigere Lebenszufriedenheit und unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale wie geringere Extraversion aufweisen. Im Vergleich zu gepaarten Personen waren Singles weniger gewissenhaft und offen für Erfahrungen. In Ländern mit höheren Heiratsraten, wie südeuropäischen, war die Lebenszufriedenheit bei Singles noch niedriger.

Eine weitere Untersuchung (Girme et al., 2022) mit 4.835 Singles ergab, dass positive Beziehungen zu Freunden und Familie die Lebenszufriedenheit steigern können, selbst bei Singlehood. Singles mit hoher Freundschaftszufriedenheit und Selbstwertgefühl waren glücklicher, was auf die Bedeutung unterstützender Netzwerke hinweist. Diese Erkenntnisse ergänzen die aktuelle Studie, indem sie betonen, dass nicht alle Singles gleich betroffen sind.

In einer Analyse von News-Medical (2026) wird bestätigt, dass Langzeit-Singles in den späten Zwanzigern stärkere Symptome von Depression und Einsamkeit zeigen. Die Daten stützen die Idee, dass der Wohlbefindensrückgang mit dem Alter zunimmt, was Präventionsstrategien für junge Erwachsene notwendig macht.

Praktische Tipps zur Steigerung des Wohlbefindens

Um den Rückgang der Lebenszufriedenheit zu mildern, können Singles aktive Schritte unternehmen. Bauen Sie soziale Netzwerke aus, indem Sie regelmäßig mit Freunden treffen oder Gruppenaktivitäten beitreten, wie Sportvereine oder Hobbykurse. Studien zeigen, dass hohe Freundschaftszufriedenheit den Effekt von Einsamkeit abfedern kann (Girme et al., 2022).

Pflegen Sie Ihr Selbstwertgefühl durch Achtsamkeitsübungen oder Therapie, da niedriger Selbstwert den Zyklus von Singlehood verstärkt. Zum Beispiel könnte kognitive Verhaltenstherapie helfen, negative Gedanken über Beziehungen zu ändern. Erwägen Sie, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn depressive Symptome ab Alter 23 zunehmen, wie in der Studie beobachtet.

Fördern Sie körperliche Aktivität, da sie die Lebenszufriedenheit steigert; eine Meta-Analyse (Zhang & Chen, 2019) fand, dass regelmäßiger Sport Einsamkeit reduziert. Setzen Sie sich Ziele wie wöchentliche Spaziergänge mit Bekannten, um soziale Integration zu verbessern.

Beispiele aus dem Alltag

Stellen Sie sich eine 25-jährige Studentin vor, die in den Zwanzigern single bleibt, um sich auf ihr Studium zu konzentrieren. Laut den Daten könnte sie bis Alter 29 eine Abnahme der Lebenszufriedenheit um bis zu 10-15% erleben, verglichen mit Peers in Beziehungen, basierend auf den Trajektorien der Studie (Krämer et al., 2026). Durch aktives Netzwerken, wie das Besuchen von Universitätsveranstaltungen, könnte sie diesen Rückgang abmildern.

Ein weiteres Beispiel ist ein junger Mann, der allein lebt und höhere Einsamkeit berichtet. Die Studie zeigt, dass Mitbewohner die Wahrscheinlichkeit einer Beziehung erhöhen; ein Umzug in eine WG könnte hier hilfreich sein. Solche Änderungen haben in ähnlichen Kohorten zu einer Steigerung der sozialen Verbundenheit geführt.

In beruflichen Kontexten könnten Karriereorientierte Singles Work-Life-Balance priorisieren. Eine Umfrage unter 1.000 jungen Erwachsenen (Eurostat, 2025) ergab, dass flexible Arbeitszeiten die Zeit für soziale Aktivitäten erhöhen und damit die Lebenszufriedenheit verbessern.

Diskussion der Implikationen

Die Ergebnisse fordern eine nuanciertere Sicht auf Singlehood in den Zwanzigern. Während Unabhängigkeit Vorteile bietet, wie Karrierefortschritt, birgt verlängerte Singlephase Risiken für das Wohlbefinden. Mentale Gesundheitsprogramme sollten junge Erwachsene ansprechen, die den Übergang in Beziehungen erschweren.

Zukünftige Forschung könnte klären, warum die Wohlbefindenslücken mit dem Alter wachsen. Soziale Stigmatisierung oder Peer-Druck könnten eine Rolle spielen, insbesondere ab den späten Zwanzigern. Es wäre wertvoll, zwischen freiwillig und unfreiwillig Singles zu unterscheiden, um gezielte Interventionen zu entwickeln.

Die Studie betont die Notwendigkeit starker Unterstützungsnetzwerke. Politikmaker könnten Programme fördern, die soziale Integration erleichtern, wie Community-Events für junge Erwachsene.

Grenzen der Studie

Die Analyse basiert auf beobachtenden Daten, nicht auf Experimenten, was Kausalität einschränkt. Obwohl stabile Merkmale kontrolliert wurden, könnten ungemessene Faktoren Einfluss nehmen. Die Definition von Singlehood umfasste nur feste Beziehungen, nicht casual Dating oder sexuelle Kontakte.

Die Daten stammen aus westeuropäischen Ländern, daher könnten die Ergebnisse nicht auf Kulturen mit anderen Normen zu Ehe und Dating übertragbar sein. Die Beobachtung endet bei Alter 29, sodass langfristige Trends in den Dreißigern unklar bleiben.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Häufig gestellte Fragen

Ist Singlehood in den Zwanzigern immer schädlich für die mentale Gesundheit? Nein, viele Singles berichten von hoher Zufriedenheit, wenn sie starke Freundeskreise haben; der Schlüssel liegt in der Qualität sozialer Beziehungen, die den Effekt von Romantik ausgleichen können.

Können kulturelle Unterschiede die Auswirkungen mildern? In Gesellschaften mit weniger Druck auf Partnerschaften, wie in Skandinavien, könnte der Rückgang der Lebenszufriedenheit geringer ausfallen, da soziale Normen flexibler sind.

Wie beeinflusst Bildung die Sinlephase? Höhere Bildung verlängert oft Singlehood, da Fokus auf Karriere liegt, doch sie kann auch Resilienz fördern durch bessere Coping-Strategien.

Gibt es Geschlechtsunterschiede in der Einsamkeit? Frauen und Männer zeigen ähnliche Muster, aber Frauen berichten manchmal höhere Resilienz durch breitere soziale Netzwerke.

Was tun, wenn Einsamkeit zunimmt? Professionelle Beratung suchen, wie Coaching für soziale Fähigkeiten, kann helfen; Apps für platonische Treffen bieten Alternativen zu Dating-Plattformen.

Beeinflusst Alter die Anpassung an Singlehood? Ältere Singles ab 30 passen sich oft besser an, da der Druck nachlässt, im Gegensatz zu den späten Zwanzigern.

Quellen

Krämer, M. D., Stern, J., Buchinger, L., MacDonald, G., & Bleidorn, W. (2026). Life satisfaction, loneliness, and depressivity in consistently single young adults in Germany and the United Kingdom. Journal of Personality and Social Psychology. https://doi.org/10.1037/pspp0000595

Petrova, K. (2026, January 16). Remaining single in your twenties is linked to lower life satisfaction. PsyPost. https://www.psypost.org/remaining-single-in-your-twenties-is-linked-to-lower-life-satisfaction/

Stern, J., Buchinger, L., Bleidorn, W., Krämer, M. D., & MacDonald, G. (2024). Singles differ in personality traits and life satisfaction compared to partnered people. Psychological Science. https://doi.org/10.1177/09567976241286865

Girme, Y. U., Park, Y., & MacDonald, G. (2022). Expanding relationship science to unpartnered singles. Social Psychological and Personality Science. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9523881

Zhang, Z., & Chen, W. (2019). A systematic review of the relationship between physical activity and happiness. Journal of Happiness Studies, 20, 1305-1322. https://doi.org/10.1007/s10902-018-9976-0

Eurostat. (2025). Youth employment and social integration in the EU. European Commission. https://ec.europa.eu/eurostat

News-Medical. (2026, January 14). Long-term singles experience sharper decline in life satisfaction and well-being. https://www.news-medical.net/news/20260114/Long-term-singles-experience-sharper-decline-in-life-satisfaction-and-well-being.aspx

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