Obst, Softdrinks und Depression bei Jugendlichen

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Dr. Amalia Michailov, Veröffentlicht am: 21.10.2026, Lesezeit: 8 Minuten

Jugendliche, die mehr Obst aßen, zeigten in den folgenden Jahren seltener erhöhte Symptome von Depression und Angst, während zuckergesüßte Getränke mit einem höheren Risiko einhergingen. Das ergab eine australische Langzeitstudie mit 6.537 Schülerinnen und Schülern, die in der Fachzeitschrift Child and Adolescent Mental Health erschienen ist. Die Ergebnisse sind interessant, weil sich Essgewohnheiten verändern lassen, doch die Beobachtungsstudie kann nicht belegen, dass Ernährung die psychische Gesundheit tatsächlich beeinflusst. Der Beitrag ordnet ein, was die Daten hergeben und wo ihre Grenzen liegen.

Was die Studie untersucht hat

Ein Team um Lily Davidson vom Matilda Centre der Universität Sydney wertete Daten von 6.537 Jugendlichen aus 71 weiterführenden Schulen in New South Wales, Queensland und Western Australia aus. Zu Beginn waren die Teilnehmenden etwa 12 bis 13 Jahre alt und besuchten die siebte Klasse. Sie stammten aus der Health4Life-Studie.

Die Jugendlichen füllten zu Beginn sowie nach einem, zwei und drei Jahren digitale Fragebögen aus. Sie gaben an, wie viel Obst, Gemüse und zuckergesüßte Getränke sie üblicherweise zu sich nahmen. Zu den Getränken zählten Softdrinks, Sportgetränke und Sirupgetränke. Als Portion galten laut Studienbeschreibung 150 Gramm Obst beziehungsweise 75 Gramm Gemüse.

Depressive Symptome erfasste eine Kurzfassung des Fragebogens PHQ-A mit acht Fragen, ohne die Frage nach Suizidgedanken. Angstsymptome wurden mit einer 13 Fragen umfassenden Skala für Kinder und Jugendliche (PROMIS) gemessen. Es handelt sich um Screening-Fragebögen mit Schwellenwerten und nicht um ärztliche Diagnosen.

Jugendliche, die zu Beginn bereits über dem jeweiligen Schwellenwert lagen, schlossen die Forschenden aus. So wollten sie untersuchen, ob die Ernährung mit dem späteren Auftreten von Symptomen zusammenhängt. Berücksichtigt wurden unter anderem Geschlecht, Alter, körperliche Aktivität und der Wohlstand der Familie.

Was die Ergebnisse zeigen

Obst: ein Zusammenhang, der nicht in allen Analysen hält

Pro zusätzlicher Portion Obst am Tag war das Risiko, den Schwellenwert für depressive Symptome zu überschreiten, um 13 Prozent niedriger. Für Angstsymptome betrug der Unterschied 7 Prozent. Die durchschnittliche Zufuhr lag laut der Universität Sydney bei 2 bis 2,5 Portionen am Tag.

Der Zusammenhang war jedoch nicht in allen Berechnungen stabil. Bei getrennter Betrachtung männlicher und weiblicher Jugendlicher war die Verbindung zwischen Obst und Angst nicht mehr statistisch signifikant. In einer Zusatzanalyse mit ausschließlich vollständigen Datensätzen verschwanden zudem die signifikanten Zusammenhänge zwischen Obst und Angst insgesamt sowie zwischen Obst und Depression bei männlichen Jugendlichen.

Zuckergesüßte Getränke: der konsistentere Befund

Ein höherer Konsum zuckergesüßter Getränke ging mit einem erhöhten Risiko für beide Symptomgruppen einher. Der Zusammenhang zeigte sich bei männlichen und weiblichen Jugendlichen. Die Schätzwerte fielen bei männlichen Jugendlichen größer aus, vor allem für Angst.

Ob dieser Geschlechtsunterschied statistisch bedeutsam ist, konnte die Analyse nicht klären. Insgesamt waren die Zusammenhänge für zuckergesüßte Getränke konsistenter als für Obst.

Gemüse: kein nachweisbarer Zusammenhang

Für Gemüse fanden die Forschenden nach Berücksichtigung der übrigen Faktoren keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit Depression oder Angst. Das bedeutet nicht, dass Gemüse unwichtig wäre. Die Studie zeigt lediglich, dass sich in dieser Stichprobe mit diesen Messmethoden kein Zusammenhang nachweisen ließ.

Warum die Studie keinen Ursache-Wirkungs-Beleg liefert

Die Autorinnen und Autoren benennen selbst mehrere Einschränkungen, die eine Deutung als Ursache und Wirkung verbieten:

  • Beobachtungsdesign: Die Forschenden haben die Ernährung nicht verändert, sondern nur Zusammenhänge beschrieben.
  • Selbstauskunft: Die Jugendlichen schätzten ihren Konsum selbst ein, was zu Erinnerungs- und Einschätzungsfehlern führen kann.
  • Mögliche Störfaktoren: Nicht untersucht wurden etwa die Gesamtenergiezufuhr, Essgewohnheiten im Haushalt, die Familienstruktur und psychische Erkrankungen in der Familie.
  • Screening statt Diagnose: Die Fragebögen erfassen Symptome, keine klinisch gesicherten Erkrankungen.

Hinzu kommt die Stichprobe: Die Familien der Teilnehmenden hatten überwiegend einen mittleren bis hohen Wohlstand. Ob sich die Ergebnisse auf andere Gruppen oder Länder übertragen lassen, ist offen.

Lily Davidson betonte, die Studie zeige nicht, dass ein Apfel Depressionen verhindere oder ein Softdrink Angst auslöse. Psychische Gesundheit sei deutlich komplexer. Als Ansatzpunkt für Vorbeugung sei die Ernährung dennoch interessant, weil sie sich ändern lasse.

Wie sich die Studie in die bisherige Forschung einordnet

Ein Großteil der bisherigen Arbeiten zu Ernährung und psychischer Gesundheit bei Jugendlichen erfasste beides nur zu einem Zeitpunkt. Das erschwert die Frage, was zuerst kam. Studien, die Jugendliche über längere Zeit begleiteten, kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Bereits 2011 untersuchte ein australisches Team in einer prospektiven Studie 3.040 Jugendliche im Alter von 11 bis 18 Jahren. Verbesserte sich die Ernährungsqualität, ging das im Mittel mit einer Verbesserung der psychischen Gesundheit einher, bei einer Verschlechterung war es umgekehrt. Die Autorinnen und Autoren forderten damals Interventionsstudien, um zu prüfen, ob sich psychische Probleme durch Ernährungsänderungen vorbeugen lassen.

Genau diese Frage ist weiterhin offen. Der Ausschluss von Jugendlichen mit auffälligen Werten zu Beginn hilft, die zeitliche Reihenfolge besser zu beurteilen, ersetzt aber keine Interventionsstudie.

Mögliche Erklärungen sind bislang Hypothesen

Für die Verbindung zwischen zuckergesüßten Getränken und psychischen Symptomen nennen die Forschenden Entzündungsmarker im Blut und Hormone wie Cortisol als mögliche Faktoren. Beide können die Stimmung beeinflussen. Die aktuelle Studie hat diese Mechanismen nicht untersucht.

Möglich ist außerdem, dass der Konsum zuckergesüßter Getränke mit anderen Ernährungs- und Verhaltensmustern zusammenhängt, die nicht vollständig erfasst wurden. Künftige Studien sollen laut den Autorinnen und Autoren kausale Zusammenhänge und biologische Wege klären. Auch weitere Nahrungsbestandteile wie Vollkornprodukte, gesunde Fette und ultraverarbeitete Lebensmittel sollen untersucht werden.

Was die Ergebnisse für Familien und Schulen bedeuten können

Die Seniorautorin Katrina Champion hält es für sinnvoll, nährstoffreiche Lebensmittel zugänglicher und erschwinglicher zu machen und die Exposition junger Menschen gegenüber zuckergesüßten Getränken zu verringern. Schulen, Familien und Regierungen hätten dabei jeweils eine Rolle. Dies ist die Einschätzung der Forschenden, kein Ergebnis der Studie selbst.

Die Autorinnen und Autoren halten Schulprogramme und gesundheitspolitische Maßnahmen für denkbar, falls weitere Studien die Zusammenhänge bestätigen. Eine Empfehlung zur Behandlung oder Vorbeugung psychischer Erkrankungen lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Wer bei sich oder einem Jugendlichen anhaltende Niedergeschlagenheit oder Ängste bemerkt, sollte dies ärztlich oder psychotherapeutisch abklären lassen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Verhindert Obst Depressionen bei Jugendlichen?

Das lässt sich aus dieser Studie nicht schließen. Sie fand einen Zusammenhang zwischen höherem Obstverzehr und selteneren erhöhten Symptomen, der sich in einigen Zusatzanalysen nicht bestätigte. Ob eine Ernährungsumstellung Symptome verhindert, müssten Interventionsstudien prüfen.

Lösen Softdrinks Angststörungen aus?

Das ist nicht belegt. Beobachtet wurde, dass Jugendliche mit höherem Konsum zuckergesüßter Getränke häufiger den Schwellenwert für Angstsymptome überschritten. Andere, nicht erfasste Faktoren könnten beide Merkmale beeinflussen.

Was bedeutet “Risiko” in dieser Studie?

Gemeint ist das Risiko, in einem Fragebogen den Schwellenwert für erhöhte Symptome zu überschreiten. Das entspricht keiner ärztlichen Diagnose einer Depression oder Angststörung.

Warum ist Gemüse in der Studie nicht mit besseren Werten verbunden?

Die Studie kann das nicht erklären. Ein nicht signifikanter Befund bedeutet nicht, dass es keinen Zusammenhang gibt, er kann auch an der Messmethode oder der Stichprobe liegen. Die Autorinnen und Autoren machen dazu keine Aussage über Ursachen.

Gelten die Ergebnisse für alle Jugendlichen?

Nicht unbedingt. Die Teilnehmenden kamen aus drei australischen Bundesstaaten, und ihre Familien hatten überwiegend mittleren bis hohen Wohlstand. Die Übertragbarkeit auf andere Länder und soziale Gruppen ist ungeklärt.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

Davidson, L., Ashtree, D. N., Osman, B., Smout, S., Newton, N. C., Gardner, L. A., O’Neil, A., Jacka, F., Orr, R., Lane, M., Teesson, M., & Champion, K. E. (2026). Longitudinal associations between dietary intake and common mental disorders among adolescents in Australia. Child and Adolescent Mental Health. https://doi.org/10.1111/camh.70129

Jacka, F. N., et al. (2011). A prospective study of diet quality and mental health in adolescents. PLoS One, 6(9), e24805. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0024805

The University of Sydney. (2026, 19. Oktober). An extra serve of fruit linked to lower risk of depression and anxiety in teenagers. https://www.sydney.edu.au/news-opinion/news/2026/10/19/an-extra-serve-of-fruit-linked-to-lower-risk-of-depression-and-anxiety-in-teenagers.html

Toshniwal Paharia, P. (2026, 19. Oktober). Fruit and sugary drinks stood out in a three-year study of teenage mental health. News-Medical. https://www.news-medical.net/news/20261019/Fruit-and-sugary-drinks-stood-out-in-a-three-year-study-of-teenage-mental-health.aspx

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