Eine neue niederländische Studie zeigt, dass die Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch weit mehr widerspiegelt als nur die Fette, die eine stillende Mutter über ihre Nahrung aufnimmt, denn auch Ballaststoffe, die allgemeine Ernährungsqualität und mehrere Mikronährstoffe scheinen mit dem Fettsäureprofil der Muttermilch in Verbindung zu stehen, wobei die Forschenden gleichzeitig betonen, dass viele dieser Zusammenhänge noch nicht abschließend geklärt sind.
Hintergrund: Warum die Fettsäuren in der Muttermilch zählen
Stillen gilt weltweit als sichere, vollständige und kostengünstige Form der Säuglingsernährung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten, gefolgt von fortgesetztem Stillen neben Beikost bis zum zweiten Lebensjahr.
Die Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch ist dabei kein Nebendetail, sondern steht in engem Zusammenhang mit der Gesundheit und Entwicklung des Säuglings. Verschiedene Fettsäureklassen erfüllen dabei unterschiedliche biologische Funktionen.
Die wichtigsten Fettsäuregruppen im Überblick
- Gesättigte Fettsäuren (SFA): Sie liefern einen Großteil der Energie in der Muttermilch; langkettige SFA wie Palmitinsäure, die in der Milch an der sn-2-Position verestert vorliegt, fördern die Fett- und Kalziumaufnahme beim Säugling.
- Kurzkettige Fettsäuren (SCFA): Verbindungen wie Buttersäure, Ameisensäure und Essigsäure werden mit einer geringeren übermäßigen Fettspeicherung im Säuglingsalter in Verbindung gebracht.
- Einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA): Ölsäure ist die häufigste Vertreterin und dient als wichtige Energiequelle.
- Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA): Docosahexaensäure (DHA) unterstützt die Seh- und neurokognitive Entwicklung, Arachidonsäure (ARA) das Wachstum und die Hirnentwicklung, während PUFA insgesamt auch die Immunfunktion beeinflussen.
Muttermilch enthält im Durchschnitt etwa 3,8 bis 3,9 Gramm Fett pro 100 Milliliter und deckt damit rund die Hälfte des täglichen Energiebedarfs eines Säuglings. Ein Teil der Fettsäuren wird direkt in der Brustdrüse produziert, ein anderer Teil stammt aus der Ernährung oder aus den Fettreserven der Mutter.
Essenzielle Fettsäuren wie Linolsäure und Alpha-Linolensäure kann der Körper nicht selbst herstellen; sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden, etwa über Fisch, Meeresfrüchte, Geflügel, Eier sowie Soja-, Raps- und Leinöl sowie bestimmte Nusssorten.
Die MELK-Studie: Design und Methodik
Die aktuelle Querschnittsstudie mit dem Namen MELK wurde in den Niederlanden durchgeführt und in der Fachzeitschrift European Journal of Nutrition veröffentlicht. Sie untersuchte 109 Mutter-Kind-Paare unter kontrollierten Bedingungen.
Wesentliche Studienmerkmale:
- Einschluss der Mütter etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt.
- Gesunde, termingeborene Säuglinge mit einem Geburtsgewicht von mindestens 2,5 Kilogramm.
- Mütter mit einem Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft zwischen 18,5 und 24,9 kg/m², die ausschließlich stillten.
- Durchschnittliches mütterliches Alter von 32 Jahren, mittlerer BMI von rund 22 kg/m².
- Durchschnittliches Geburtsgewicht der Säuglinge von etwa 3,6 Kilogramm, durchschnittliche Körperlänge von 50,3 Zentimetern, mittleres Gestationsalter von 40 Wochen.
- Über vier Wochen wurden jeweils zwei Milchproben zwischen 6 und 8 Uhr morgens entnommen sowie eine 24-Stunden-Urinprobe gesammelt.
- Vier 24-Stunden-Ernährungsprotokolle sowie anthropometrische Daten von Mutter und Kind wurden erhoben.
- Die statistische Auswertung wurde für mütterliches Alter, BMI vor der Schwangerschaft und Parität angepasst, inklusive Korrektur für multiples Testen.
Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch: Zentrale Zahlen
Die Analyse der Milchproben ergab ein durchschnittliches Gesamtfett von rund 4 Gramm pro 100 Milliliter. Innerhalb dieser Fettmenge zeigte sich folgende Verteilung:
- Einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA): 43,6 Prozent, davon Ölsäure allein 38,6 Prozent.
- Omega-3-Fettsäuren: 1,85 Prozent, mit Alpha-Linolensäure als Hauptanteil bei 1,25 Prozent.
- Omega-6-Fettsäuren: 14,2 Prozent, überwiegend Linolsäure mit 13 Prozent.
- Gesättigte Fettsäuren (SFA): nahezu 40 Prozent, wobei Palmitinsäure mit 20,4 Prozent den größten Einzelanteil ausmachte.
Bei der mütterlichen Ernährung lag die durchschnittliche tägliche Energiezufuhr bei 2.277 Kilokalorien, bei einer mittleren Fettaufnahme von 97 Gramm pro Tag. Gesättigte Fettsäuren, PUFA und MUFA trugen jeweils 13,2, 7,7 und 14,2 Prozent zur Energiezufuhr bei; Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren machten 0,9 beziehungsweise 6,6 Prozent der Energiezufuhr aus. Der Fischkonsum sowie der Diätqualitätsindex DHD-P fielen im Durchschnitt niedrig aus, mit einem mittleren DHD-P-Wert von 93,5 von 190 möglichen Punkten.
Wichtigste Ergebnisse: Wie Ernährung und Muttermilch zusammenhängen
Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren
Eine höhere mütterliche Aufnahme von Omega-3- und Omega-6-PUFA war mit einem höheren Anteil der jeweils entsprechenden Fettsäureklassen sowie der gesamten PUFA in der Muttermilch verbunden. Gleichzeitig ging eine höhere Omega-3- und Omega-6-Zufuhr mit niedrigeren Anteilen an gesättigten Fettsäuren und Transfetten in der Milch einher.
Eine höhere Omega-3-Zufuhr war zudem mit höheren Anteilen von Alpha-Linolensäure, DHA und Eicosapentaensäure (EPA) sowie auch von Linolsäure in der Milch verknüpft. Eine höhere Omega-6-Zufuhr wiederum stand mit erhöhten Anteilen von Linolsäure und Alpha-Linolensäure in Verbindung; auch die DHA- und EPA-Aufnahme spiegelte sich in den entsprechenden Milchanteilen wider.
Die mütterliche MUFA-Zufuhr zeigte hingegen keinen Zusammenhang mit dem MUFA-Gehalt der Muttermilch.
Gesättigte und Transfette
Die gesamte SFA-Zufuhr der Mutter stand nicht mit dem Gesamtanteil an gesättigten Fettsäuren in der Milch in Verbindung, wohl aber mit einzelnen gesättigten Fettsäuren wie Stearinsäure und Arachinsäure. Die Transfettzufuhr war klar mit einem höheren Transfettanteil in der Muttermilch assoziiert.
Ballaststoffe, Kohlenhydrate und Diätqualität
Eine höhere Ballaststoffzufuhr war mit höheren Werten an gesamten und Omega-6-PUFA sowie mit niedrigeren SFA-Werten in der Milch verbunden. Sie ging außerdem mit höheren Anteilen an Linolsäure und mehreren mittelkettigen Fettsäuren einher, jedoch mit niedrigeren Anteilen an Palmitin- und Stearinsäure.
Eine höhere Kohlenhydratzufuhr korrelierte mit einem höheren Laurinsäureanteil, aber mit niedrigeren Anteilen an trans-Vaccensäure und Elaidinsäure. Eine bessere allgemeine Diätqualität, gemessen am DHD-P-Index, zeigte eine schwache Verbindung zu höheren Omega-3-, Omega-6- und Gesamt-PUFA-Werten sowie zu niedrigeren Transfettanteilen.
Mikronährstoffe
Auch mehrere Mikronährstoffe standen mit der Fettsäurezusammensetzung der Milch in Verbindung. Höhere Aufnahmen bestimmter Mikronährstoffe gingen mit höheren PUFA-Anteilen einher, während die Vitamine B1 und E sowie Kupfer mit niedrigeren Anteilen an gesättigten Fettsäuren und Transfetten assoziiert waren. Ob diese Zusammenhänge direkte biologische Effekte widerspiegeln oder eher ein allgemeines, gesünderes Ernährungsmuster anzeigen, bleibt nach Angaben der Forschenden unklar.
Einschränkungen der Studie
Die Autorinnen und Autoren weisen auf mehrere methodische Grenzen hin:
- Eine größere Stichprobe wäre nötig gewesen, um schwächere Zusammenhänge mit einzelnen Ernährungskomponenten sicher nachzuweisen.
- Die Teilnehmerinnen waren überwiegend hochgebildete Frauen mit gesundem Lebensstil, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränkt.
- Die Wirkung einer insgesamt gesunden Ernährung lässt sich nur schwer von der Wirkung einzelner Nährstoffe trennen.
- Beide Milchproben wurden im gleichen morgendlichen Zeitfenster entnommen, obwohl sich die Zusammensetzung der Muttermilch im Tagesverlauf verändert.
- Unterschiede bei Probenhandhabung und Homogenisierung könnten zusätzliche Variabilität verursacht haben.
- Blutfettwerte der Mütter lagen nicht vor, und die Ergebnisse beziehen sich auf relative Anteile, nicht auf absolute Konzentrationen.
- Der verwendete Diätqualitätsindex DHD-P wurde ursprünglich für die Schwangerschaft entwickelt, nicht für die Stillzeit, und es gab Hinweise auf eine gewisse Überschätzung der Nährstoffaufnahme in den Selbstangaben.
Zur Finanzierung ist anzumerken, dass die Studie von Ausnutria B.V. unterstützt wurde; zwei Autorinnen beziehungsweise Autoren waren bei dem Unternehmen angestellt, zwei weitere erhielten Forschungsunterstützung von Ausnutria B.V. sowie von Regiodeal FoodValley.
Was diese Erkenntnisse für stillende Mütter bedeuten
Auch wenn viele Zusammenhänge noch weiter erforscht werden müssen, lassen sich aus den Ergebnissen einige praktische Ansatzpunkte ableiten:
- Eine ausgewogene Fettzufuhr mit ausreichend Omega-3-Quellen wie fettreichem Fisch kann sich in einem entsprechend höheren Omega-3-Anteil der Muttermilch widerspiegeln.
- Eine bewusst niedrigere Aufnahme industriell gehärteter Fette und Transfette könnte helfen, den Transfettanteil in der Muttermilch geringer zu halten.
- Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten war in der Studie mit einem günstigeren Fettsäureprofil in der Milch verbunden.
- Eine insgesamt vielfältige, nährstoffreiche Ernährung mit ausreichend Vitamin B1, Vitamin E und Kupfer könnte zusätzlich eine Rolle spielen.
Stillende Frauen sollten Ernährungsumstellungen dennoch stets mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft besprechen, da individuelle Bedürfnisse und gesundheitliche Voraussetzungen stark variieren können.
Fazit
Die MELK-Studie bestätigt frühere Forschungsergebnisse, wonach die mütterliche Ernährung eng mit der Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch verknüpft ist, insbesondere bei Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie Transfetten. Gleichzeitig zeigen die neuen Daten, dass auch Ballaststoffe, die allgemeine Diätqualität und bestimmte Mikronährstoffe eine Rolle spielen könnten, wobei unklar bleibt, ob es sich dabei um direkte biologische Effekte oder um Marker eines insgesamt gesünderen Ernährungsmusters handelt.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie schnell verändert sich die Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch nach einer Ernährungsumstellung? Genaue Zeitangaben lassen sich aus der vorliegenden Studie nicht ableiten, da nur eine Momentaufnahme über einen begrenzten Zeitraum erhoben wurde. Ich kann das nicht bestätigen.
Sind Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren während der Stillzeit sinnvoll? Die Studie untersuchte die Nährstoffzufuhr über die reguläre Ernährung, nicht über gezielte Supplementierung, sodass keine direkte Aussage zu Nahrungsergänzungsmitteln möglich ist; eine individuelle Beratung durch Fachpersonal ist hier ratsam.
Unterscheidet sich die Muttermilch je nach Tageszeit stark in ihrer Fettzusammensetzung? Die Studienautorinnen und -autoren weisen selbst darauf hin, dass die Fettsäurezusammensetzung der Milch dynamisch ist und sich im Tagesverlauf verändern kann, weshalb die auf den Morgen begrenzte Probenentnahme als Einschränkung genannt wird.
Quellen
Petersohn, I., Zock, P. L., Knipping, K., et al. (2026). Maternal diet and fatty acids in human milk: results of the MELK study. European Journal of Nutrition. https://doi.org/10.1007/s00394-026-04083-8
Thomas, L. (2026, August 26). Breast milk fats may reflect more than the fats a mother eats. News-Medical. https://www.news-medical.net/news/20260826/Breast-milk-fats-may-reflect-more-than-the-fats-a-mother-eats.aspx
World Health Organization. (o. J.). Infant and young child feeding. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding






