Bluttest erkennt siebenmal mehr Krebsfälle als Standard-Screenings

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M.D. Redaktion, aktualisiert am 31. Dezember 2025, Lesezeit: 9 Minuten

In einer bahnbrechenden Studie der Oregon Health & Science University (OHSU) hat ein innovativer Bluttest zur Früherkennung mehrerer Krebsarten gezeigt, dass er die Anzahl der durch Screening entdeckten Tumore um mehr als das Siebenfache steigern kann, wenn er zu den etablierten Untersuchungen für Brust-, Darm-, Gebärmutterhals- und Lungenkrebs hinzugefügt wird, und dabei eine hohe Genauigkeit bei der Lokalisierung des Krebsursprungs sowie eine niedrige Rate falsch-positiver Ergebnisse aufweist, was potenziell die Krebsdiagnostik revolutionieren und die Überlebenschancen vieler Patienten verbessern könnte.

Die PATHFINDER-2-Studie: Wichtige Ergebnisse

Die PATHFINDER-2-Studie, die größte interventionelle Untersuchung zur Früherkennung mehrerer Krebsarten in Nordamerika, umfasste 35.000 Teilnehmer über 50 Jahre ohne Krebsverdacht. Sie testete die Sicherheit und Wirksamkeit eines Bluttests, der mehr als 50 Krebsarten erkennen kann. Die OHSU war der führende Einschreibort und rekrutierte 6.125 Teilnehmer, was sie zur erfolgreichsten Studie in der Geschichte des Knight Cancer Institute macht.

Im Oktober 2025 präsentierte der leitende Forscher Nima Nabavizadeh, M.D., die ersten Ergebnisse auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology in Berlin. Der Test erhöhte die Zahl der durch Screening entdeckten Krebsfälle um mehr als das Siebenfache im Vergleich zu Standardverfahren.

  • Positiver prädiktiver Wert: 62 %, was bedeutet, dass bei sechs von zehn positiven Testergebnissen tatsächlich Krebs vorlag.
  • Genauigkeit der Ursprungsbestimmung: Bei echten Positiven wurde der Krebsursprung in 92 % der Fälle korrekt identifiziert.
  • Frühe Stadien: Die Mehrheit der entdeckten Krebsfälle befand sich in frühen, behandelbaren Stadien, von denen die meisten keine empfohlenen Screenings haben.
  • Falsch-positive Rate: Nur 0,4 %, was auf eine hohe Spezifität hinweist.
  • Sicherheit: Weniger als 1 % der Teilnehmer unterzogen sich invasiven Verfahren aufgrund des Tests.

Diese Ergebnisse übertreffen die der früheren PATHFINDER-Studie, bei der der positive prädiktive Wert bei 43 % lag.

Wie funktioniert der Multi-Cancer-Erkennungstest?

Krebszellen hinterlassen molekulare Spuren im Blut, insbesondere zirkulierende zellfreie DNA (cfDNA). Der Test analysiert Muster der Methylierung, einem natürlichen chemischen Prozess, der Gene ein- oder ausschaltet. Mithilfe maschinellen Lernens unterscheidet der Algorithmus cfDNA von gesunden und krebsartigen Zellen.

Der Prozess umfasst drei Schritte:

  1. Analyse des Blutes auf cfDNA.
  2. Auswertung spezifischer Methylierungsmuster, um krebsbedingte Signale zu identifizieren.
  3. Bei Nachweis eines Krebsignals: Vorhersage des Ursprungsorgans durch Mustererkennung.

Dieser Ansatz ermöglicht die Erkennung von über 50 Krebsarten, darunter solche ohne etablierte Screenings, wie z. B. Pankreas- oder Eierstockkrebs.

Methylierung ist ein essenzieller Mechanismus, der Zellen bei der Genregulation hilft und Körperprozesse steuert. Abnormale Muster können auf Krebs hinweisen, was den Test zu einem wertvollen Werkzeug macht.

Verbesserungen im Vergleich zu früheren Studien

Die PATHFINDER-Studie von 2019 bis 2023, an der die OHSU beteiligt war, zeigte bereits Potenzial, doch die aktualisierte Testversion in PATHFINDER-2 verbesserte die Leistung erheblich. Der positive prädiktive Wert stieg von 43 % auf 62 %, was eine höhere Zuverlässigkeit bedeutet.

Eric Fung, M.D., Ph.D., von Grail, Inc., betonte die Bedeutung der Partnerschaft mit der OHSU, einem führenden Krebsinstitut. Die Daten sollen im ersten Quartal 2026 der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) vorgelegt werden, mit einer möglichen Entscheidung 2027.

Die Studie erweiterte die Rekrutierung auf ländliche und urbane Gebiete in Oregon, einschließlich The Dalles, Hood River, Coos Bay und Bend, um unterversorgte Bevölkerungsgruppen einzubeziehen.

Die REACH-Studie: Fokus auf Medicare-Patienten

Basierend auf PATHFINDER-2 startet die OHSU die REACH-Studie, die den Nutzen des Tests für Medicare-Empfänger über 50 Jahre ohne Krebsgeschichte in den letzten drei Jahren untersucht. Teilnehmer erhalten jährlich den Test für drei Jahre, potenziell kostenfrei.

Die Studie vergleicht 50.000 Teilnehmer mit Test und Standardversorgung gegen eine Kontrollgruppe. Sie erweitert sich 2026 auf weitere Regionen in Oregon. Alter ist der größte Krebsrisikofaktor, daher adressiert REACH ein kritisches Bedürfnis.

Nabavizadeh sieht Potenzial für Krebsüberlebende: Der Test könnte in der Nachsorge Ängste mindern, indem er Rezidive oder neue Krebsarten früh erkennt.

Globale Perspektiven: Die NHS-Galleri-Studie im Vereinigten Königreich

Weltweit werden Multi-Cancer-Erkennungstests von Dutzenden Unternehmen entwickelt. Um den Nutzen auf Bevölkerungsebene zu beweisen, läuft im Vereinigten Königreich die NHS-Galleri-Studie mit 140.000 Teilnehmern.

Teilnehmer wurden randomisiert: Eine Gruppe erhält jährliche Tests, die andere dient als Kontrolle. Ergebnisse zur Reduktion später Stadien werden Mitte 2026 erwartet. Solche Studien sind entscheidend für die Akzeptanz durch Versicherer und Gesundheitssysteme.

Die Lücke in der Krebsvorsorge schließen

Es gibt über 200 Krebsarten, doch 70 % haben keine empfohlenen Screenings. Die meisten werden erst bei Symptomen diagnostiziert, oft in Stadien III oder IV, wenn die Prognose schlechter ist. Multi-Cancer-Tests könnten diese Lücke füllen.

Laut Nabavizadeh ermöglichen sie die simultane Suche nach Dutzenden Krebsarten durch eine einfache Blutentnahme. Dies könnte Leben retten, wo keine Optionen existieren.

Praktische Hinweise: Ergänzen Sie den Test zu Standard-Screenings wie Mammografien oder Koloskopien. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Risikofaktoren wie Alter, Rauchen oder Familiengeschichte, um geeignete Vorsorgemaßnahmen zu besprechen.

Potenzial und Herausforderungen

Der Test ist derzeit als Laborentwicklungstest verfügbar, doch FDA-Zulassung könnte die Routineversorgung verändern. Nabavizadeh visioniert eine Zukunft, in der solche Tests Standard sind.

Herausforderungen umfassen die Notwendigkeit weiterer Evidenz für langfristige Vorteile und Risiken. Falsch-positive Ergebnisse, obwohl niedrig, können Angst verursachen und unnötige Untersuchungen auslösen.

Dennoch: Die Fähigkeit, Krebs früh zu finden, bietet immense Chancen. Beispiele aus der Studie zeigen, wie asymptomatische Patienten durch Imaging bestätigte Diagnosen erhielten, was zu frühzeitiger Behandlung führte.

Ausblick auf die Krebsforschung

Die OHSU Knight Cancer Institute bietet fortschrittliche Behandlungen und Hunderte Studien. Partnerschaften wie mit dem Oregon Rural Practice-based Research Network fördern Inklusion.

Weltweite Fortschritte, einschließlich ähnlicher Tests, unterstreichen den Trend zur personalisierten Medizin. Früherkennung verbessert Überlebensraten: Bei Brustkrebs liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei frühen Stadien bei über 90 %, bei fortgeschrittenen unter 30 % (basierend auf allgemeinen Krebsstatistiken).

Bleiben Sie informiert: Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind essenziell, unabhängig von neuen Technologien.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist ein Multi-Cancer-Erkennungstest (MCED) genau? Ein Multi-Cancer-Erkennungstest ist ein Bluttest, der zirkulierende zellfreie DNA (cfDNA) auf abnormale Methylierungsmuster analysiert, um Signale von mehr als 50 verschiedenen Krebsarten gleichzeitig zu erkennen. Er zielt darauf ab, Tumore in frühen, oft asymptomatischen Stadien zu identifizieren, auch bei Krebsarten, für die es keine etablierten Screening-Methoden gibt.

Wie zuverlässig ist der in der PATHFINDER-2-Studie getestete Bluttest? In der Studie erreichte der Test einen positiven prädiktiven Wert von 62 %, was bedeutet, dass bei 62 % der positiven Ergebnisse tatsächlich Krebs bestätigt wurde. Die Genauigkeit bei der Bestimmung des Ursprungsorgans lag bei 92 %, und die Rate falsch-positiver Ergebnisse betrug lediglich 0,4 %. Die Mehrheit der entdeckten Krebsfälle befand sich in frühen Stadien.

Ersetzt dieser Bluttest die klassischen Krebs-Screenings wie Mammografie oder Darmspiegelung? Nein, der Test ist als Ergänzung zu den etablierten Screening-Verfahren gedacht. In der PATHFINDER-2-Studie wurde er zusätzlich zu den Standard-Screenings für Brust-, Darm-, Gebärmutterhals- und Lungenkrebs eingesetzt und erhöhte dadurch die Gesamterkennungsrate um mehr als das Siebenfache.

Kann ein negatives Testergebnis Krebs vollständig ausschließen? Ein negatives Ergebnis deutet auf ein niedriges Risiko hin, schließt Krebs jedoch nicht zu 100 % aus. Nicht alle Tumore setzen ausreichend cfDNA frei, und sehr kleine oder langsam wachsende Krebsarten könnten unentdeckt bleiben. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Aufmerksamkeit auf Symptome bleiben daher unerlässlich.

Welche Risiken oder Nachteile gibt es bei einem positiven Testergebnis? Ein positives Ergebnis führt zu weiteren diagnostischen Untersuchungen, wie Bildgebung oder Biopsien, die in seltenen Fällen invasiv sein können. In der Studie unterzogen sich weniger als 1 % der Teilnehmer unnötigen invasiven Verfahren. Zudem kann ein positives Ergebnis vorübergehend Angst und psychische Belastung auslösen, weshalb eine begleitende ärztliche Beratung wichtig ist.

Für wen ist der Test besonders geeignet? Der Test richtet sich primär an Personen ab 50 Jahren, da das Krebsrisiko mit dem Alter stark ansteigt. Er könnte auch für Menschen mit erhöhtem Risiko durch familiäre Belastung oder frühere Krebserkrankungen nützlich sein, etwa zur Früherkennung von Rezidiven oder Zweittumoren.

Ist der Test bereits in Deutschland oder Europa verfügbar? Derzeit ist der spezifische Test aus der PATHFINDER-2-Studie in Europa noch nicht routinemäßig verfügbar. Ähnliche Multi-Cancer-Tests befinden sich in der klinischen Erprobung, etwa im Rahmen der NHS-Galleri-Studie in Großbritannien. Eine breite Zulassung und Kostenübernahme durch Krankenkassen hängt von weiteren großangelegten Studien und behördlichen Entscheidungen ab.

Wie unterscheidet sich dieser Test von herkömmlichen Tumormarkern wie PSA oder CEA? Klassische Tumormarker sind meist organspezifisch, haben eine niedrige Sensitivität in frühen Stadien und führen häufig zu falsch-positiven Ergebnissen. MCED-Tests analysieren genome-weite Methylierungsmuster und können zahlreiche Krebsarten gleichzeitig mit höherer Genauigkeit in asymptomatischen Phasen erkennen.

Wann könnte der Test in die Regelversorgung aufgenommen werden? Die Daten der PATHFINDER-2-Studie sollen im ersten Quartal 2026 der US-amerikanischen FDA vorgelegt werden, eine Entscheidung wird für 2027 erwartet. In Europa wird der Marktzugang von der Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und nationalen Gesundheitsbehörden abhängen, was weitere Jahre in Anspruch nehmen kann.

Könnte der Test Überdiagnosen verursachen, also Krebsarten entdecken, die nie symptomatisch geworden wären? Dieses Risiko besteht bei jedem Screening-Verfahren und wird derzeit in laufenden Studien untersucht. Die PATHFINDER-2-Daten deuten jedoch darauf hin, dass die meisten entdeckten Tumore klinisch relevant waren und in frühen, behandelbaren Stadien diagnostiziert wurden.

Wie sollte ich vorgehen, wenn ich Interesse an einem solchen Test habe? Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Onkologen über Ihr individuelles Krebsrisiko und aktuelle Vorsorgeempfehlungen. Derzeit sind solche Tests in Deutschland meist nur im Rahmen klinischer Studien zugänglich. Bleiben Sie über aktuelle Entwicklungen informiert und halten Sie die empfohlenen Standard-Screenings ein.

Quellen

Hastings, K. (2025). Blood test finds seven times more cancers than standard screenings. OHSU News. https://news.ohsu.edu/2025/12/26/blood-test-finds-seven-times-more-cancers-than-standard-screenings

Scholtens, D., Adams, A., & Nabavizadeh, N. (2023). Multi-cancer early detection test in symptomatic patients referred for cancer investigation in England and Wales (SYMPLIFY): A large-scale, observational cohort study. The Lancet, 402(10401), 134-141. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01647-2

GRAIL, Inc. (2025, October 17). GRAIL PATHFINDER 2 Results Show Galleri® Multi-Cancer Early Detection Blood Test Increased Cancer Detection More Than Seven-Fold When Added to USPSTF A and B Recommended Screenings. https://grail.com/press-releases/grail-pathfinder-2-results-show-galleri-multi-cancer-early-detection-blood-test-increased-cancer-detection-more-than-seven-fold-when-added-to-uspstf-a-and-b-recommended-screenings/

European Society for Medical Oncology. (2025). ESMO Congress 2025: Session on Multi-Cancer Early Detection. https://www.esmo.org/meeting-calendar/esmo-congress-2025

NHS-Galleri Trial. (n.d.). NHS-Galleri study. https://www.nhs-galleri.org/

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