Wie junge Erwachsene mit ADHS Musik nutzen: Wichtige Ergebnisse der Studie

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M.D. Redaktion, aktualisiert am 5. August 2025, Lesezeit: 8 Minuten

Eine in Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie beleuchtet die einzigartigen Musikhörgewohnheiten junger Erwachsener mit ADHS-Symptomen. Diese Personen nutzen Hintergrundmusik häufiger als ihre neurotypischen Altersgenossen, insbesondere bei kognitiv anspruchsvollen Aufgaben wie dem Lernen.

ADHS und seine Herausforderungen verstehen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität gekennzeichnet ist. Die Symptome halten oft bis ins Erwachsenenalter an und beeinträchtigen die Organisation, das Aufgabenmanagement und die anhaltende Aufmerksamkeit. Viele Erwachsene mit ADHS, insbesondere diejenigen mit unaufmerksamen Symptomen, sind auch mit emotionalen Herausforderungen wie Angstzuständen oder Depressionen konfrontiert.

Die Auswirkungen von ADHS auf das tägliche Leben

Junge Erwachsene mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, sich bei komplexen Aufgaben wie dem Lernen oder dem Lösen von Problemen zu konzentrieren. Diese Herausforderungen haben Forscher dazu veranlasst, nicht-medikamentöse Strategien wie Hintergrundmusik zu erforschen, um die Aufmerksamkeit und Produktivität zu fördern. Musik kann eine praktische und leicht zugängliche Möglichkeit sein, die Konzentration zu verbessern.

Studienübersicht: Musikhörgewohnheiten

Diese Studie wurde von den Doktorandinnen Kelly-Ann Lachance und Pénélope Pelland-Goulet unter der Leitung von Professorin Nathalie Gosselin an der Universität von Montreal durchgeführt und untersuchte den Musikkonsum bei jungen Erwachsenen. Die Forschung konzentrierte sich auf Unterschiede in den Hörgewohnheiten zwischen Menschen mit ADHS-Symptomen und neurotypischen Personen. Die Ergebnisse zeigen die Rolle von Musik als Instrument zur Selbstregulierung.

Forschungsmethodik

Im Rahmen der Studie wurden 434 Teilnehmer im Alter von 17 bis 30 Jahren mittels eines Online-Fragebogens befragt. Die Teilnehmer gaben Auskunft über ihre Musikhörgewohnheiten, ihre Vorlieben und die wahrgenommenen Auswirkungen von Hintergrundmusik auf ihre Konzentration und Stimmung. Mithilfe eines standardisierten ADHS-Screening-Tools wurden die Befragten in ADHS-getestete und neurotypische Gruppen eingeteilt.

Wichtigste Ergebnisse: Musiknutzung bei ADHS

Die Studie identifizierte deutliche Muster in der Art und Weise, wie junge Erwachsene mit ADHS-Symptomen Musik im Vergleich zu ihren Altersgenossen nutzen. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören

  • Verstärkter Musikkonsum: Personen mit ADHS-Symptomen hören häufiger Hintergrundmusik bei kognitiv anspruchsvollen Aufgaben (z. B. beim Lernen) und weniger anspruchsvollen Aktivitäten (z. B. beim Sport oder Putzen).
  • Präferenz für anregende Musik: Personen mit ADHS bevorzugen bei allen Aufgaben durchweg energiegeladene Musik, im Gegensatz zu neurotypischen Gleichaltrigen, die für komplexe Aktivitäten entspannende Musik wählen.
  • Ähnlich wahrgenommene Vorteile: Beide Gruppen gaben an, dass Musik die Konzentration und Stimmung verbessert, wobei es keine signifikanten Unterschiede in der Wahrnehmung der kognitiven oder emotionalen Vorteile gab.

Warum stimulierende Musik wichtig ist

Die Vorliebe für stimulierende Musik steht im Einklang mit dem Modell der moderaten Gehirnaktivierung, das davon ausgeht, dass Menschen mit ADHS eine geringere Grundaktivierung des Gehirns aufweisen. Beschwingte Musik kann das Belohnungssystem des Gehirns stimulieren und Dopamin freisetzen, um die Konzentration zu verbessern und Ablenkungen wie Gedankenwandern zu reduzieren.

Musik als Instrument zur Selbstregulierung

Hintergrundmusik dient jungen Erwachsenen mit ADHS als flexible, selbstgesteuerte Strategie. Sie hilft dabei, das Erregungsniveau zu regulieren, die Konzentration aufrechtzuerhalten und Langeweile während der Aufgaben zu bekämpfen. Beispielsweise kann energiegeladene Musik während des Lernens einen optimalen Zustand für anhaltende Aufmerksamkeit schaffen.

Kognitive und emotionale Vorteile

Die Studie identifizierte durch Faktorenanalyse zwei Dimensionen der Wirkung von Musik:

  • Kognitive Unterstützung: Musik verbessert die Konzentration bei Aufgaben wie Lesen, Lernen oder Problemlösen.
  • Emotionale Regulierung: Musik hebt die Stimmung und reduziert Stress oder Ängste bei alltäglichen Aktivitäten.

Diese Vorteile deuten darauf hin, dass Musik ein praktisches Instrument zur Steuerung der Aufmerksamkeit und der Emotionen im Alltag ist.

Vergleich zwischen ADHS- und neurotypischen Gruppen

Obwohl beide Gruppen Hintergrundmusik verwenden, greifen ADHS-getestete Personen häufiger darauf zurück, insbesondere beim Lernen und beim Sport. Ihre konsequente Vorliebe für stimulierende Musik steht im Gegensatz zu neurotypischen Personen, die zwischen entspannender Musik für anspruchsvolle Aufgaben und fröhlicher Musik für einfachere Aufgaben wechseln.

Statistische Kontrollen

Die Forscher berücksichtigten Faktoren wie musikalische Ausbildung und Stimmungssymptome. Selbst nach Berücksichtigung emotionaler Belastungen zeigten die Teilnehmer mit ADHS-Diagnose eine höhere Musiknutzung bei Aufgaben mit geringem Aufwand, was auf die Rolle der Musik bei der Regulierung der Aufmerksamkeit und Erregung über die emotionale Bewältigung hinaus hinweist.

Einschränkungen der Studie

Die Studie weist mehrere Einschränkungen auf, die zu berücksichtigen sind:

  • Selbstauskunftsdaten: Die Antworten können durch Erinnerungsverzerrungen oder soziale Erwünschtheit beeinflusst sein.
  • ADHS-Status auf Basis von Screenings: Die Teilnehmer wurden anhand eines Screening-Tools identifiziert, nicht anhand klinischer Diagnosen, sodass möglicherweise auch subklinische Fälle enthalten sind.
  • Fehlende Echtzeitanalyse: Der umfragebasierte Ansatz erfasste nicht die Echtzeitauswirkungen von Musik auf die Leistung.

Diese Einschränkungen deuten darauf hin, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen und zu erweitern.

Praktische Anwendungen für ADHS

Die Ergebnisse zeigen, dass Musik ein wertvolles und leicht zugängliches Hilfsmittel für junge Erwachsene mit ADHS ist. Durch die Auswahl anregender Musik können sie ihre Konzentration und ihr Engagement bei Aufgaben verbessern. Dieser Ansatz ist kostengünstig und lässt sich leicht in den Alltag integrieren.

Tipps für den effektiven Einsatz von Musik

Hier sind einige praktische Möglichkeiten, wie Sie Musik für mehr Konzentration und Produktivität nutzen können:

  • Wählen Sie beschwingte Titel: Wählen Sie energiegeladene Musik für kognitiv anspruchsvolle Aufgaben wie Lernen oder Arbeiten.
  • Stellen Sie aufgabenspezifische Playlists zusammen: Erstellen Sie Playlists, die auf bestimmte Aktivitäten zugeschnitten sind, z. B. schnelle Musik für Sport oder beruhigende Titel für Entspannung.
  • Probieren Sie verschiedene Genres aus: Probieren Sie verschiedene Musikstile aus, um herauszufinden, was Ihre Konzentration und Stimmung am besten unterstützt.
  • Integrieren Sie Musik regelmäßig: Verwenden Sie regelmäßig Hintergrundmusik, um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und Ablenkungen zu minimieren.

Zukünftige Forschungsrichtungen

Das Forschungsteam untersucht anhand einer neuen Umfrage die Musikhörgewohnheiten jüngerer Bevölkerungsgruppen (im Alter von 12 bis 17 Jahren). Ziel ist es, zu untersuchen, wie musikalische Merkmale wie Tempo oder Texte die Aufmerksamkeit und die Emotionsregulation in Echtzeit beeinflussen. Zu den langfristigen Zielen gehört die Entwicklung personalisierter musikbasierter Interventionen für den akademischen und beruflichen Bereich.

Häufig gestellte Fragen zu Musik und ADHS

Wie wirkt sich Hintergrundmusik positiv auf Menschen mit ADHS aus?

Hintergrundmusik, insbesondere stimulierende Titel, kann die Gehirnaktivität steigern und Menschen mit ADHS dabei helfen, ihre Konzentration und Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Außerdem hebt sie die Stimmung und reduziert Stress oder Angstzustände, die bei ADHS häufig auftreten. Sowohl die kognitiven als auch die emotionalen Vorteile machen Musik zu einem vielseitigen Hilfsmittel für den Alltag.

Welche Arten von Musik sind bei ADHS am wirksamsten?

Menschen mit ADHS-Symptomen bevorzugen oft energiegeladene, stimulierende Musik, da sie die Konzentration bei verschiedenen Aufgaben unterstützt. Die Vorlieben sind jedoch unterschiedlich, daher sollten Betroffene mit Genres wie Pop, Elektronik oder Klassik experimentieren, um herauszufinden, was am besten funktioniert. Tempo und Rhythmus sind entscheidende Faktoren für die Aufrechterhaltung der Erregung.

Kann Hintergrundmusik ADHS-Medikamente ersetzen?

Musik ist eine ergänzende Strategie, kein Ersatz für Medikamente. Sie kann die Konzentration und die emotionale Regulierung unterstützen, geht jedoch nicht auf die neurologischen Aspekte von ADHS ein, die mit Medikamenten behandelt werden. Konsultieren Sie einen Arzt, um einen umfassenden, auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Behandlungsplan zu entwickeln.

Warum bevorzugen Menschen mit ADHS stimulierende Musik?

Das Modell der moderaten Gehirnaktivierung legt nahe, dass Menschen mit ADHS ein niedrigeres Grundniveau an Gehirnaktivierung haben. Stimulierende Musik fördert die Ausschüttung von Dopamin, verbessert die Konzentration und reduziert Ablenkungen wie Gedankenwandern. Daher ist energiegeladene Musik besonders effektiv, um die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.

Wie kann Musik in den Alltag von Menschen mit ADHS integriert werden?

Erstellen Sie aufgabenspezifische Wiedergabelisten, z. B. mit fröhlichen Titeln zum Lernen oder Trainieren und ruhigeren Musikstücken zur Entspannung. Verwenden Sie Musik regelmäßig während der Routinen, um die Erregung aufrechtzuerhalten und Ablenkungen zu minimieren. Experimentieren Sie mit Lautstärke und Genre, um die Konzentration und das Wohlbefinden zu optimieren.

Gibt es Risiken bei der Verwendung von Musik zur Konzentrationsförderung bei ADHS?

Während Musik im Allgemeinen vorteilhaft ist, kann übermäßig ablenkende oder laute Musik die Konzentration beeinträchtigen, insbesondere bei komplexen Aufgaben. Songtexte können manchmal die kognitiven Prozesse stören. Probieren Sie verschiedene Musikarten aus und passen Sie die Lautstärke an, um sicherzustellen, dass sie die Produktivität unterstützt und nicht beeinträchtigt.

Wie schneidet Musik im Vergleich zu anderen Strategien zur Bewältigung von ADHS ab?

Musik ist im Vergleich zu Strategien wie Achtsamkeit oder Organisationshilfen ein leicht zugängliches und kostengünstiges Mittel. Sie kann mit anderen Ansätzen, wie z. B. Zeitmanagementtechniken, kombiniert werden, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Ihre Flexibilität macht sie zu einer praktischen Ergänzung eines umfassenderen ADHS-Behandlungsplans.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quelle:

  • Lachance, K.-A., Pelland-Goulet, P., & Gosselin, N. (2025). Listening habits and subjective effects of background music in young adults with and without ADHD. Frontiers in Psychology, 15, 1508181. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1508181

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