Wie beste Freunde und beliebte Peers das Verhalten von Jugendlichen prägen

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Dr. Amalia Michailov, aktualisiert am 3. März 2026, Lesezeit: 8 Minuten

Eine bahnbrechende Längsschnittstudie der Florida Atlantic University, die 543 Schüler im Alter von 10 bis 14 Jahren über ein Semester hinweg begleitete, enthüllt, dass während des Übergangs in die Adoleszenz beste Freunde vor allem den inneren emotionalen Zustand, die emotionale Klarheit, problematische Verhaltensweisen und die schulische Leistung beeinflussen, wohingegen beliebte Peers Standards für öffentliche Bereiche wie die Nutzung sozialer Medien und Gewichtssorgen setzen, was unterstreicht, dass Peereinfluss kein uniformer Mechanismus ist, sondern sich je nach Verhaltensdomäne spezifisch unterscheidet und Jugendliche unterschiedliche soziale Strategien anwenden, um in ihrer Umwelt zu navigieren.

Die Studie im Überblick

Die Untersuchung, veröffentlicht im Journal Development and Psychopathology, ist die erste, die den Einfluss von besten Freunden direkt mit dem von statusbasierten Normen in der Klasse vergleicht. Forscher der Florida Atlantic University und der Mykolas Romeris University in Litauen analysierten Selbstberichte zu emotionalem Wohlbefinden, schulischer Leistung, problematischen Verhaltensweisen, sozialer Mediennutzung und Gewichtssorgen.

Die Teilnehmer, hauptsächlich ethnische Litauer aus drei öffentlichen Mittelschulen, nannten ihre besten Freunde und beliebten Klassenkameraden. Statusbasierte Normen wurden als popularitätsgewichtete Durchschnitte der Klassenkameradenverhaltensweisen berechnet.

Methodik und Stichprobe

Die Studie umfasste 543 Schüler (268 Mädchen, 275 Jungen) aus 29 Klassen der 5. bis 8. Jahrgangsstufe. Daten wurden im Herbst und Winter eines Schuljahres erhoben, etwa drei Monate auseinander.

Selbstberichte wurden mit validierten Skalen gemessen, darunter der Strengths and Difficulties Questionnaire für emotionale Probleme (Alpha-Wert 0,87–0,92) und die Difficulties in Emotional Regulation Scale für mangelnde emotionale Klarheit (Alpha-Wert 0,92). Statistische Analysen erfolgten mit dem Group Actor-Partner Interdependence Model in Mplus-Software.

Schlüsselbefunde zum Einfluss besten Freunde

Beste Freunde üben signifikanten Einfluss auf interne Dysfunktionen aus, wie emotionale Probleme, mangelnde emotionale Klarheit und problematische Verhaltensweisen (p < 0,05). Bei älteren Jugendlichen beeinflussen sie auch die schulische Leistung (β = 0,05, p = 0,04).

Dieser Einfluss basiert auf Reziprozität und Intimität in Freundschaften, die geteilte Erfahrungen fördern. Engen Freunden wird vertraut, was emotionale Zustände verstärken kann, etwa durch eine Schneeballwirkung bei Angst oder Schulentfremdung.

Schlüsselbefunde zum Einfluss beliebter Peers

Beliebte Peers prägen öffentliche Verhaltensweisen, insbesondere die Nutzung sozialer Medien (p < 0,05) und Gewichtssorgen bei älteren Jugendlichen (β = 0,05, p = 0,02). Jugendliche imitieren sie, um Anerkennung in der Gruppe zu erlangen.

Hierarchische Strukturen in Peer-Gruppen fördern Konformität in sichtbaren Bereichen. Beliebte Schüler setzen Standards, die andere folgen, um ihren Status zu wahren.

Altersunterschiede im Peereinfluss

Bei jüngeren Jugendlichen (10–12 Jahre) war der Einfluss auf schulische Leistung und Gewichtssorgen nicht signifikant (β = –0,06 bzw. –0,08, p > 0,05). Ältere Jugendliche (13–14 Jahre) zeigten stärkere Effekte, was auf zunehmende Sensibilität für soziale Normen hinweist (Wald-Test: W(1) = 5,66 für Leistung, p = 0,02; W(1) = 5,32 für Gewicht, p = 0,02).

Diese Unterschiede spiegeln Entwicklungsveränderungen wider, bei denen Peereinfluss in der Adoleszenz zunimmt.

Vergleich mit anderen Studien

Eine Meta-Analyse von Giletta et al. (2021) bestätigt, dass Freundschaftseinfluss robust auf Verhaltensweisen wie Delinquenz wirkt, mit Effektstärken um β = 0,3. In einer Studie von McMillan (2018) an Penn State zeigten Mädchen stärkere Beeinflussung durch Freunde bei delinquentem Verhalten wie Schuleschwänzen.

Zingora und Flache (2025) fanden, dass normative Druck aus Peer-Gruppen akademische Motivation und Vorurteile beeinflusst, mit signifikanten Effekten in gemischten Geschlechtergruppen. Ich kann nicht bestätigen, ob diese Effekte universell sind, da Stichproben variieren.

Praktische Implikationen für Eltern und Erzieher

Eltern können positive Freundschaften fördern, indem sie offene Gespräche über Emotionen führen. Zum Beispiel hilft es, Jugendliche zu ermutigen, Freunde mit ähnlichen Werten zu wählen, um negative Schneeball-Effekte zu vermeiden.

Erzieher sollten Klassen-Normen beobachten und beliebte Schüler in Kampagnen einbinden, die gesunde Mediennutzung propagieren. Eine Intervention könnte Gruppenaktivitäten sein, die realistische Körperbilder betonen.

  • Tipps zur Förderung positiver Einflüsse: Ermutigen Sie Jugendliche, Freundschaften basierend auf gegenseitigem Respekt aufzubauen.
  • Beispiel: In Schulprogrammen wie Anti-Mobbing-Initiativen haben beliebte Peers als Vorbilder Delinquenz um bis zu 20 % reduziert, basierend auf Paluck und Shepherd (2012).
  • Weiteres: Überwachen Sie soziale Mediennutzung, ohne zu kontrollieren, um Diskussionen über Normen anzuregen.

Herausforderungen und Limitationen

Die Studie basiert auf einer homogenen litauischen Stichprobe, was die Generalisierbarkeit einschränkt. Heterogene oder urbane Kontexte könnten abweichen.

Es fehlen Daten zu Langzeiteffekten jenseits eines Semesters. Weitere Forschung ist nötig, um kausale Mechanismen zu klären.

Breitere Kontexte des Peereinflusses

Peereinfluss steigt in der Adoleszenz, da Erwachsenenaufsicht abnimmt. Jugendliche nutzen unterschiedliche „mentale Algorithmen“: Reziprozität für Freunde und Hierarchie für Normen.

Andere Studien, wie Berger (2008), zeigen, dass Konformität in sichtbaren Bereichen Status sichert. In Bezug auf soziale Medien warnen Nesi et al. (2018) vor verstärkten Gewichtssorgen durch Normen.

Geschlechterunterschiede im Einfluss

Mädchen sind anfälliger für Freundschaftseinfluss auf delinquentes Verhalten, wie McMillan (2018) mit einer Stichprobe von 3692 Jugendlichen fand. Jungen orientieren sich stärker an Normen für Rauchen.

Ich kann nicht bestätigen, ob dies in allen Kulturen gilt, da Daten kulturabhängig sind.

Interventionen anpassen

Interventionen müssen spezifisch sein: Für emotionale Probleme Freundschaftsdynamiken ansprechen, für Mediennutzung Normen unter beliebten Peers verändern.

Beispiele aus der Praxis: Schulprogramme, die positive Vorbilder einsetzen, haben Erfolg gezeigt, wie in Juvonen et al. (2018) für Gewichtssorgen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist der Unterschied zwischen Peereinfluss und Freundschaftseinfluss? Peereinfluss umfasst breite Gruppennormen, während Freundschaftseinfluss auf intimen Beziehungen basiert und oft emotionale Aspekte verstärkt; ersterer wirkt stärker auf öffentliche Verhaltensweisen.

Können Eltern den Einfluss beliebter Peers mindern? Ja, durch Förderung kritischer Medienkompetenz und Diskussionen über Gruppennormen, was Jugendliche resilienter macht, ohne direkte Kontrolle auszuüben.

Beeinflusst Peereinfluss auch positive Verhaltensweisen? Absolut, positive Normen unter beliebten Peers können Engagement in Sport oder Lernen fördern, wie Studien zu prosozialem Verhalten zeigen.

Wie wirkt sich Peereinfluss auf mentale Gesundheit aus? Er kann Angst verstärken, wenn negative Emotionen in Freundschaften geteilt werden, aber supportive Peers verbessern Resilienz, basierend auf longitudinalen Daten.

Gibt es kulturelle Unterschiede im Peereinfluss? Ja, in kollektivistischen Kulturen könnte Gruppenkonformität stärker sein, während individualistische Gesellschaften mehr Fokus auf persönliche Freundschaften legen.

Inwiefern unterscheidet sich der Peereinfluss in digitalen versus realen sozialen Umfeldern? In digitalen Räumen wie sozialen Medien verstärkt sich oft der Einfluss beliebter Peers durch sichtbare Likes, Shares und Follower-Zahlen, was hierarchische Normen (z. B. zu Aussehen oder Trends) schneller verbreitet als intime Freundschaftsdynamiken, die eher in privaten Chats oder Face-to-Face-Gesprächen wirken; Studien deuten darauf hin, dass Online-Interaktionen die Sensibilität für öffentliche Selbstdarstellung bei Jugendlichen ab etwa 13 Jahren deutlich erhöhen.

Welche Rolle spielen Geschlechtsunterschiede beim Einfluss von besten Freunden auf emotionale Probleme? Mädchen zeigen in mehreren Längsschnittstudien eine höhere Anfälligkeit für die Übertragung emotionaler Belastungen (wie Angst oder depressive Symptome) innerhalb enger Freundschaften als Jungen, was möglicherweise mit stärkerer emotionaler Offenheit und Co-Rumination in weiblichen Freundschaften zusammenhängt; dies unterstreicht die Notwendigkeit geschlechtsspezifischer Ansätze in der Prävention von internalisierenden Problemen.

Kann Peereinfluss auch langfristig positive Entwicklungen fördern, etwa in Bezug auf schulische Motivation? Ja, wenn beste Freunde oder beliebte Peers prosoziale oder leistungsorientierte Verhaltensweisen vorleben, kann dies zu nachhaltiger Steigerung von Motivation und Selbstwirksamkeit führen; Meta-Analysen zeigen, dass positive Normen in Peer-Gruppen (z. B. Lernengagement) ähnlich stark übertragen werden wie risikoreiche Verhaltensweisen, was Interventionen ermöglicht, die gezielt positive Vorbilder stärken.

Quellen

Bugental, D. B. (2000). Acquisition of the algorithms of social life. Psychological Bulletin, 126(2), 187–219. https://doi.org/10.1037/0033-2909.126.2.187

Giletta, M., Choukas-Bradley, S., Maes, M., Linthicum, K. P., Card, N. A., & Prinstein, M. J. (2021). A meta-analysis of longitudinal peer social influence effects in childhood and adolescence. Psychological Bulletin, 147(7), 719–747. https://doi.org/10.1037/bul0000329

Laursen, B., & Veenstra, R. (2023). Peer influence in adolescence. In Handbook of adolescent development (pp. 123–145). Routledge.

Leggett-James, M. P., Laursen, B., Veenstra, R., & Kaniušonytė, G. (2026). Different peers influence different behaviors: Conformity to best friends and status-based norms across the transition into adolescence. Development and Psychopathology. Advance online publication. https://doi.org/10.1017/S0954579426101138

McMillan, C. (2018). Tied together: Adolescent friendship networks, immigrant status, and health outcomes. Social Networks, 54, 42–52. https://doi.org/10.1016/j.socnet.2017.11.001

Nesi, J., Choukas-Bradley, S., & Prinstein, M. J. (2018). Transformation of adolescent peer relations in the social media context: Part 1—A theoretical framework and application to dyadic peer relationships. Clinical Child and Family Psychology Review, 21(3), 267–294. https://doi.org/10.1007/s10567-018-0261-x

Paluck, E. L., & Shepherd, H. (2012). The salience of social referents: A field experiment on collective norms and harassment behavior in a school social network. Journal of Personality and Social Psychology, 103(6), 899–915. https://doi.org/10.1037/a0030015

Zingora, T., & Flache, A. (2025). Effects of friendship influence and normative pressure on adolescent attitudes and behaviors. Personality and Social Psychology Bulletin. Advance online publication. https://doi.org/10.1177/01461672251366388

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