Thermografie erkennt Melanome, bevor sie sichtbar werden

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Dr. Amalia Michailov, aktualisiert am 26. Mai 2026, Lesezeit: 8 Minuten

Forschende der Université de Montréal und des Institut national de la recherche scientifique (INRS) der Université du Québec haben ein bildgebendes Verfahren entwickelt, das Hautkrebs im Frühststadium durch präzise Temperaturmessung an der Hautoberfläche identifiziert – zu einem Zeitpunkt, an dem konventionelle Methoden noch vollständig versagen.

Ein unsichtbarer Feind: Warum frühzeitige Melanom-Diagnose entscheidend ist

Melanom ist die gefährlichste Form von Hautkrebs. Die Überlebenschancen hängen in hohem Maße davon ab, wie früh der Tumor entdeckt wird. Wird ein Melanom im Stadium I diagnostiziert, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei über 98 Prozent; im Stadium IV sinkt sie auf unter 30 Prozent.

Die Melanom-Inzidenz steigt weltweit. In Kanada, wo die vorliegende Studie durchgeführt wurde, beobachten Epidemiologen seit Jahrzehnten einen kontinuierlichen Anstieg der Neuerkrankungen. Aktuelle Diagnoseverfahren stützen sich auf Sichtbefunde und anschließende Biopsien – Methoden, die invasiv, kostenintensiv und bei sehr kleinen Läsionen häufig unzuverlässig sind.

Genau hier setzt die neue Technologie namens SMEAR-ULM an. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Nature Sensors veröffentlicht und unter der Leitung von INRS-Professor Jinyang Liang durchgeführt, einem Spezialisten für ultraschnelle Bildgebung und Biophotonik.

Was ist SMEAR-ULM? Das Prinzip der Methode

Nanopartikel als mikroskopische Thermometer

Das Herzstück des Systems ist ein schmerzloses Mikronadelgitter, das speziell entwickelte Nanopartikel in den obersten Hautschichten deponiert. Diese Nanopartikel bilden eine Art temporäres „intelligentes Tattoo“ – ein unsichtbares Raster aus mikroskopisch kleinen Temperatursensoren.

Wenn die Haut mit Nahinfrarotlicht bestrahlt wird, emittieren die Nanopartikel sichtbares Licht. Entscheidend dabei ist: Die Lebensdauer dieses Lichtemissionssignals hängt direkt von der lokalen Temperatur ab. Da Krebszellen aufgrund ihres erhöhten Stoffwechsels mehr Sauerstoff und Nährstoffe verbrauchen als gesunde Zellen, produzieren sie messbar mehr Wärme – und genau dieses Wärmesignal wird über das optische System erfasst.

Ultraschnelle Bildgebung in Echtzeit

Das SMEAR-ULM-System nutzt ein ultraschnelles bildgebendes Verfahren, das alle relevanten Informationen in einer einzigen Hochgeschwindigkeitsaufnahme erfasst. Das Ergebnis ist eine detaillierte thermische Karte der Haut mit:

  • Submillimeter-Ortsauflösung, die feinste räumliche Unterschiede sichtbar macht,
  • Untergrad-Temperatursensitivität, die minimale Wärmeschwankungen registriert,
  • Echtzeit-Einzelaufnahme, die robuste Messungen auch unter komplexen In-vivo-Bedingungen erlaubt.

Yingming Lai, Erstautorin der Studie und INRS-Doktorandin, formuliert es so: Das Verfahren erfasse alle notwendigen Informationen für eine instantane Temperaturkarte in einer einzigen Aufnahme, was die Methode schnell und robust mache, um abnormale thermische Reaktionen auch in kleinen Melanomen zu überwachen.

Der Durchbruch: Tumoren nach nur vier Tagen nachweisbar

Früherkennung jenseits bisheriger Grenzen

In Tierversuchen an Mäusen gelang es dem Forschungsteam, Mikro-Melanome bereits nach vier Tagen zu detektieren. Das ist ein Stadium, in dem die Tumore für herkömmliche Bildgebungsverfahren schlicht zu klein sind, um erkannt zu werden.

Konventionelle Thermografie-Methoden basieren auf Infrarottechnologien, die unter einer begrenzten Ortsauflösung und hohem Bildrauschen leiden. In der Praxis erkennen sie Tumore erst ab einer Größe von mehr als fünf Millimetern – also Läsionen, die bereits mit bloßem Auge sichtbar sind. SMEAR-ULM unterschreitet diese Grenze um Größenordnungen.

Das Tiermodell und seine klinische Relevanz

Die Studie wurde an Mäusen durchgeführt, die genetisch so verändert wurden, dass sie die genetischen Veränderungen menschlicher Melanome replizieren. Sylvain Meloche, medizinischer Professor an der Université de Montréal und Forscher am dortigen Institut für Immuno- und Krebsforschung, betont: Obwohl die Untersuchung im Tiermodell erfolgte, bilde dieses die genetischen Veränderungen menschlicher Melanome nach und könnte daher potenziell auch Patientinnen und Patienten zugutekommen.

Warum bisherige Verfahren versagen

Die Grenzen konventioneller Thermografie

Dass Tumoren Wärme erzeugen, ist in der Onkologie seit Langem bekannt. Die höhere Stoffwechselaktivität maligner Zellen führt zu einem messbaren Temperaturanstieg im Gewebe. Dieses Signal war jedoch bislang zu unpräzise und zu rauschbehaftet, um als verlässlicher diagnostischer Biomarker eingesetzt zu werden.

Bestehende Mikronadelbasierte Messsysteme erfordern zudem wiederholte Einzelmessungen, was ihren Einsatz an lebenden Organismen erheblich einschränkt. SMEAR-ULM überwindet diese Limitierung durch die Kombination von drei Kerntechnologien:

  1. Mikronadelmatrix zur schmerzlosen subkutanen Nanopartikelapplikation,
  2. Seltenerddotierte Nanopartikel mit temperaturabhängiger Lumineszenzlebensdauer,
  3. Ultraschnelle optische Bildgebung für Echtzeit-Einzel-Shot-Thermokartierung in vivo.

Hauttemperatur als präziser Biomarker

Das Forschungsteam beschreibt den konzeptuellen Kern des Fortschritts deutlich: Die Technologie transformiert die Hauttemperatur von einem sekundären Indikator in einen präzisen diagnostischen Biomarker für das Melanom im Frühstadium. Das ist eine grundlegende Neupositionierung eines bekannten physiologischen Parameters.

Klinisches Potenzial und zukünftige Anwendungsfelder

Reduktion unnötiger Biopsien

Das klinische Potenzial der Methode ist erheblich. Durch eine schnelle, direkte und nichtinvasive Beurteilung verdächtiger Hautläsionen könnte SMEAR-ULM die Zahl unnötiger Biopsien signifikant reduzieren, die diagnostische Genauigkeit in der Frühphase verbessern und klinische Entscheidungsprozesse unterstützen.

Professor Liang, der leitende Autor der Studie, erklärt das zentrale Ziel: Es gehe darum, ein minimal invasives Werkzeug bereitzustellen, das sehr kleine, aber dennoch aggressive Melanome erkennt. Aufgrund ihrer geringen Größe würden diese Tumoren häufig bei der klinischen Sichtprüfung übersehen, was die Gefahr unbeobachtet lasse.

Erweiterung auf andere physiologische Parameter

Über die Hautkrebsdiagnostik hinaus besitzt die Plattform weitreichendes Potenzial. Laut den Forschenden könnte das System künftig angepasst werden, um andere physiologische Parameter zu kartieren – darunter pH-Werte oder Ionenkonzentrationen im Gewebe. Das würde vollständig neue Möglichkeiten in der biomedizinischen Bildgebung und Diagnostik eröffnen.

Beteiligte Institutionen und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Studie ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mehrerer Forschungsgruppen:

  • Jinyang Liang (INRS), leitender Autor, Spezialist für ultraschnelle Bildgebung und Biophotonik,
  • Fiorenzo Vetrone (INRS), Experte für seltenerddotierte Nanomaterialien,
  • David Brambilla (Université de Montréal), Pharmakologie,
  • Sylvain Meloche (Université de Montréal, Institut für Immuno- und Krebsforschung), Ko-Hauptautor.

Einordnung: Was diese Studie bedeutet – und was noch aussteht

Die vorliegenden Ergebnisse stammen aus präklinischen Tierversuchen. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus; bis zu einer möglichen Zulassung und praktischen Anwendung in der Dermatologie sind weitere Entwicklungs- und Prüfphasen erforderlich. Die Forschenden selbst sprechen von einem vielversprechenden Ansatz, nicht von einem fertigen Produkt.

Dennoch: Die Grundlagenarbeit ist wissenschaftlich belastbar, publiziert in Nature Sensors, einem der renommiertesten Fachjournals für sensorische Technologien. Die Kombination aus Nanomaterialien, Mikronadelapplikation und ultraschneller Optik stellt einen methodisch originären Ansatz dar, der in der dermatologischen Frühdiagnostik neue Maßstäbe setzen könnte.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist SMEAR-ULM genau? SMEAR-ULM steht für Single-shot Microneedle-Encoded upconversion lifetime mapping for real-time in vivo thermo-dermoscopy. Es ist ein bildgebendes System, das Nanopartikel unter die Haut einbringt und deren temperaturabhängige Lichtemission nutzt, um eine präzise thermische Karte der Hautoberfläche zu erstellen.

Ist das Verfahren schmerzhaft? Die verwendete Mikronadelmatrix ist laut den Forschenden schmerzlos. Die Nadeln sind so klein dimensioniert, dass sie keine Schmerzrezeptoren stimulieren – ein Prinzip, das in der Medikamentengabe über die Haut bereits erprobt ist.

Können mit dieser Methode auch andere Krebsarten erkannt werden? Die aktuelle Studie fokussiert auf Melanome. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass die Plattform prinzipiell für andere Anwendungen adaptierbar ist, sofern ein thermisches oder chemisches Signal als Biomarker genutzt werden kann – etwa bei anderen Hauttumoren oder zur Messung von Gewebephysiologie.

Warum sind Melanome im Frühstadium so schwer zu erkennen? Sehr junge Melanome sind kleiner als die Auflösungsgrenze herkömmlicher Bildgebungsverfahren und erzeugen noch kein visuell wahrnehmbares Erscheinungsbild. Konventionelle Infrarotthermografie erkennt Tumore erst ab einer Größe von mehr als fünf Millimetern – zu spät für eine optimale Frühintervention.

Was unterscheidet SMEAR-ULM von bisheriger medizinischer Thermografie? Bisherige Infrarotthermografie leidet unter begrenzter räumlicher Auflösung und hohem Bildrauschen. SMEAR-ULM überwindet diese Limitierungen durch seltenerddotierte Nanopartikel mit präziser Temperatursensitivität und ein ultraschnelles Kamerasystem, das alle Daten in einer einzigen Aufnahme erfasst, statt auf wiederholte Messungen angewiesen zu sein.

Wann könnte die Technologie klinisch verfügbar sein? Ein konkreter Zeitplan für die klinische Zulassung ist derzeit nicht bekannt. Die Studie wurde im Tiermodell durchgeführt; klinische Humanstudien sind der nächste notwendige Schritt, bevor eine medizinische Nutzung möglich wird.

Welche Rolle spielen die Nanopartikel genau? Die verwendeten Nanopartikel sind mit seltenen Erden dotiert und besitzen die Eigenschaft, bei Bestrahlung mit Nahinfrarotlicht sichtbares Licht zu emittieren (Upconversion). Die Lebensdauer dieser Emission – also wie lange das Signal anhält – verändert sich messbar mit der lokalen Temperatur. Dieser Effekt ist der Kern der diagnostischen Methode.

Quellen

Lai, Y., et al. (2026). Single-shot microneedle-encoded upconversion lifetime mapping for real-time in vivo thermo-dermoscopy. Nature Sensors. https://doi.org/10.1038/s44460-026-00078-4

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News-Medical. (2026, 25. Mai). New thermal imaging system detects early melanoma before it is visible. https://www.news-medical.net/news/20260525/New-thermal-imaging-system-detects-early-melanoma-before-it-is-visible.aspx

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# Genetik und Lebenserwartung Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt Eine bahnbrechende Studie, im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht, zeigt, dass die genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn äußere Todesursachen wie Unfälle oder Infektionskrankheiten aus der Berechnung herausgerechnet werden – ein Befund, der bisherige Schätzungen grundlegend korrigiert und neue Perspektiven für die Erforschung von Alterungsprozessen und Langlebigkeit eröffnet. --- ## Bisherige Schätzungen deutlich zu niedrig Jahrzehntelang galt in der Wissenschaft eine vergleichsweise bescheidene Zahl Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf lediglich 20 bis 25 Prozent. Neuere Stammbaumanalysen mit großen Datensätzen hatten diesen Wert sogar auf unter 6 Prozent gedrückt. Diese niedrigen Zahlen führten zu einem wissenschaftlichen Widerspruch Warum sollte die menschliche Lebensspanne weitaus weniger genetisch beeinflusst sein als fast alle anderen komplexen menschlichen Merkmale, von der Körpergröße über den Intelligenzquotienten bis hin zur Herzgesundheit --- ## Die methodische Schwäche Extrinsische Sterblichkeit Forscherinnen und Forscher des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel), des Karolinska Institutet in Stockholm und des Leiden University Medical Center haben nun eine entscheidende methodische Schwachstelle in den bisherigen Studien identifiziert. Das Problem Frühere Berechnungen bezogen alle Todesursachen ein, also auch solche, die nichts mit dem biologischen Alterungsprozess des Körpers zu tun haben. Unfälle im Straßenverkehr, Tötungsdelikte, Ertrinken oder tödliche Infektionskrankheiten – all das sind sogenannte extrinsische Todesursachen. Sie sind vom Zufall oder von äußeren Umständen abhängig, nicht von der genetischen Konstitution eines Menschen. Wird dieser Störfaktor nicht bereinigt, verzerrt er die statistische Schätzung der Erblichkeit erheblich nach unten. --- ## Methodik Mathematische Modellierung und Zwillingsstudien Das Forschungsteam um Ben Shenhar und Uri Alon entwickelte ein mathematisches Modell, das zwischen intrinsischer Sterblichkeit (also dem biologisch bedingten Altern) und extrinsischer Sterblichkeit unterscheidet. Anschließend wurden zwei Arten von Zwillingskohorten analysiert - Zusammen aufgewachsene Zwillinge, die ähnliche Umwelteinflüsse teilten - Getrennt aufgewachsene Zwillinge, bei denen Umwelteinflüsse stärker abweichen Durch den Vergleich dieser Gruppen und die Bereinigung um extrinsische Todesursachen gelangten die Forschenden zu einer neuen Schätzung Die Erblichkeit der intrinsischen menschlichen Lebensspanne liegt bei über 50 Prozent. --- ## Was bedeutet „Erblichkeit von 50 Prozent Ein häufiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden Eine Erblichkeit von 50 Prozent bedeutet nicht, dass die Hälfte des eigenen Lebens von den Genen „vorprogrammiert ist. Der Begriff beschreibt vielmehr, wie viel der Variation in der Lebensspanne innerhalb einer Population auf genetische Unterschiede zwischen Individuen zurückzuführen ist. ### Vergleichbare Werte bei anderen Merkmalen Ein Erblichkeitswert von etwa 50 Prozent gilt in der Genetik als substanziell. Zum Vergleich - Körpergröße ca. 80 Prozent - Body-Mass-Index (BMI) ca. 40–70 Prozent - Blutdruck ca. 30–50 Prozent - Typ-2-Diabetes ca. 25–50 Prozent Die neue Studie ordnet die menschliche Lebensspanne damit in die gleiche Kategorie wie viele andere medizinisch relevante komplexe Merkmale ein. Dieser Befund steht auch im Einklang mit der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies. --- ## Warum dieser Befund für die Medizin bedeutsam ist ### Longevity-Gene als Schlüssel zum Altern Eine hohe genetische Erblichkeit der Lebensspanne hat direkte Konsequenzen für die biomedizinische Forschung. Je stärker ein Merkmal genetisch verankert ist, desto aussagekräftiger sind genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die nach spezifischen Genvarianten suchen. Identifizierte Langlebigkeitsgene können biologische Mechanismen des Alterns aufdecken, etwa in Bezug auf - DNA-Reparatursysteme - Entzündungsregulation (Inflammaging) - Mitochondriale Funktion - Telomerlänge und -stabilität ### Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit Die Erkenntnis, dass rund die Hälfte der Variation in der intrinsischen Lebensspanne genetisch bedingt ist, bedeutet gleichzeitig, dass die andere Hälfte durch Umwelt- und Verhaltensfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören - Ernährungsweise und körperliche Aktivität - Sozioökonomischer Status und Bildung - Zugang zu Gesundheitsversorgung - Exposition gegenüber Schadstoffen und chronischem Stress Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung sowohl der Präzisionsmedizin als auch der Public-Health-Interventionen. --- ## Kontext Wo die Forschung steht Die Studie erschien am 29. Januar 2026 in Science (DOI 10.1126science.adz1187, Band 391, Heft 6784, Seiten 504–510) und wurde von Forschenden des Weizmann Institute, des Karolinska Institutet, der Westlake University in Hangzhou sowie des Leiden University Medical Center verfasst. Die Arbeit ist eine Zwillingsstudie, klassifiziert im Rahmen der standardisierten MeSH-Terminologie der US-amerikanischen National Library of Medicine. Frühere Schätzwerte auf Basis ähnlicher Zwillingsdaten, jedoch ohne Bereinigung um extrinsische Sterblichkeit, lagen laut dem Abstract bei 20 bis 25 Prozent. Stammbaum-basierte Großstudien hatten zuletzt Werte von nur 6 Prozent gemeldet. --- ## Was bleibt offen Die Studie liefert eine methodisch fundierte Neubewertung der Erblichkeitsschätzungen. Dennoch bestehen offene Fragen - Welche spezifischen Genvarianten tragen am stärksten zur intrinsischen Lebensspanne bei - Wie interagieren genetische und epigenetische Faktoren im Alterungsprozess - Lassen sich die Befunde auf verschiedene Ethnizitäten und geographische Populationen übertragen Diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Jahren beschäftigen. Die vorliegende Studie legt dafür ein wichtiges methodisches Fundament. --- ## Häufig gestellte Fragen (FAQs) Bedeutet eine Erblichkeit von 50 Prozent, dass mein Lebensalter zur Hälfte feststeht Nein. Erblichkeit ist ein statistisches Konzept, das die Variation innerhalb einer Population beschreibt, nicht ein Schicksal des Einzelnen. Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung spielen weiterhin eine erhebliche Rolle. Warum haben frühere Studien so viel niedrigere Werte gefunden Frühere Zwillings- und Stammbaumstudien berücksichtigten keine Trennung zwischen biologisch bedingtem Altern und äußeren Todesursachen wie Unfällen. Diese Vermischung führte systematisch zu einer Unterschätzung der genetischen Erblichkeit. Was sind extrinsische Todesursachen Damit sind Todesfälle gemeint, die nicht auf das biologische Altern zurückzuführen sind Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, Ertrinken oder akute Infektionskrankheiten. Diese Ereignisse hängen primär von äußeren Umständen ab, nicht von der genetischen Konstitution. Hat die Studie praktische Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung Ja, erheblich. Ein hoher Erblichkeitswert legitimiert genomweite Studien zur Suche nach Langlebigkeitsgenen. Solche Gene können Aufschluss über Alterungsmechanismen geben und als Angriffspunkte für medizinische Interventionen dienen. Gilt dieses Ergebnis nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen Die analysierten Zwillingskohorten stammen aus spezifischen Studienpopulationen. Die Autoren selbst stellen offen, ob die Ergebnisse vollständig auf alle ethnischen Gruppen und Weltregionen übertragbar sind, was in weiteren Studien untersucht werden muss. Wie unterscheidet sich die neue Schätzung von bisherigen Werten Bisherige Schätzungen lagen bei 6 bis 25 Prozent. Die neue Studie kommt auf über 50 Prozent, wenn ausschließlich intrinsische, also biologisch-genetisch bedingte Sterblichkeit betrachtet wird. --- ## Quellen Shenhar, B., Pridham, G., De Oliveira, T. L., Raz, N., Yang, Y., Deelen, J., Hägg, S., & Alon, U. (2026). Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. Science, 391(6784), 504–510. httpsdoi.org10.1126science.adz1187 Hjelmborg, J. V., Iachine, I., Skytthe, A., Vaupel, J. W., McGue, M., Koskenvuo, M., Kaprio, J., Pedersen, N. L., & Christensen, K. (2006). 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