Menopause: Bauchfett schadet dem Gehirn

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M.D. Redaktion, aktualisiert am 8. November 2025, Lesezeit: 8 Minuten

Eine neue Studie deutet darauf hin, dass bei Frauen, die kürzlich in die Menopause eingetreten sind, ein höheres Taillen-Hüft-Verhältnis – also mehr Fettansammlung im Bauchbereich – mit einer geringeren Leistung in bestimmten Denken- und Gedächtnistests zusammenhängt, wobei diese Verbindung über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg nicht durch die Anwendung einer Hormontherapie beeinflusst wird und somit auf eine potenzielle Rolle metabolischer Faktoren für die Gehirngesundheit in dieser Lebensphase hinweist.

Veränderungen in der Menopause und ihre Auswirkungen

Die Zeit um die Menopause bringt für Frauen erhebliche biologische Veränderungen mit sich, einschließlich eines natürlichen Rückgangs des Hormons Östrogen und Verschiebungen in der Körperzusammensetzung. Eine häufige Veränderung ist die Zunahme der zentralen Adipositas, also der Ansammlung von Fett tief im Bauchraum um die inneren Organe herum. Dieses Fett ist metabolisch aktiv und trägt zu Entzündungen sowie einer reduzierten Insulinsensitivität bei, was Risikofaktoren für Herzkrankheiten und Diabetes darstellt.

Forscher untersuchen zunehmend, wie diese metabolischen Veränderungen mit der Gehirngesundheit zusammenhängen. Das Gehirn verfügt über Rezeptoren für Östrogen, insbesondere in Regionen, die für höhere kognitive Prozesse wie Gedächtnis und exekutive Funktionen verantwortlich sind. Exekutive Funktionen umfassen Fähigkeiten wie Planung und Problemlösung, die in der Menopause beeinträchtigt werden könnten.

Die Rolle des Taillen-Hüft-Verhältnisses

Das Taillen-Hüft-Verhältnis ist ein einfaches Maß, das durch Division des Taillenumfangs durch den Hüftumfang berechnet wird. Ein höheres Verhältnis deutet auf eine stärkere Konzentration von Fett im Bauchbereich hin. In der Studie wurde dieses Maß verwendet, um die zentrale Adipositas bei Frauen in der frühen Menopause zu bewerten.

Bei höherem Taillen-Hüft-Verhältnis zeigten die Frauen niedrigere Werte in allen vier getesteten kognitiven Bereichen: verbalem Lernen und Gedächtnis, auditiver Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis, schneller Sprache und geistiger Flexibilität sowie visueller Aufmerksamkeit und exekutiver Funktion. Diese Ergebnisse unterstreichen eine direkte Verbindung zwischen Bauchfett und kognitiver Leistung.

Wie misst man das Taillen-Hüft-Verhältnis richtig?

  • Nehmen Sie ein Maßband und messen Sie den Taillenumfang an der schmalsten Stelle, normalerweise oberhalb des Nabels.
  • Messen Sie den Hüftumfang an der breitesten Stelle der Hüften.
  • Teilen Sie den Taillenwert durch den Hüftwert; ein Wert über 0,85 bei Frauen gilt oft als erhöht und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Die Studie im Detail: Methode und Teilnehmerinnen

Die Forschung basiert auf einer sekundären Analyse von Daten aus der Kronos Early Estrogen Preventive Study (KEEPS), einem großen klinischen Trial zur Untersuchung der Effekte von Hormontherapie. Über 700 Frauen im Alter von 42 bis 58 Jahren nahmen teil, die alle innerhalb der letzten drei Jahre in die Menopause eingetreten waren und ein niedriges Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwiesen. Sie wurden randomisiert in drei Gruppen eingeteilt: orale Östrogen-Therapie, transdermale Östrogen-Therapie oder Placebo über vier Jahre.

Die kognitiven Fähigkeiten wurden zu Beginn und nach 18, 36 sowie 48 Monaten getestet. Die Tests umfassten umfassende Batterien für die genannten kognitiven Domänen. Diese longitudinale Herangehensweise ermöglichte es, nicht nur Querschnittsdaten, sondern auch Veränderungen über die Zeit zu beobachten.

Ergebnisse: Verbindung zu kognitiven Defiziten

Zu Studienbeginn korrelierte ein höheres Taillen-Hüft-Verhältnis mit niedrigeren Scores in allen kognitiven Bereichen. Dies zeigt eine klare Assoziation zwischen zentraler Adipositas und schlechterer kognitiver Performance bei postmenopausalen Frauen. Besonders auffällig war der Einfluss auf das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit.

Über die vier Jahre hinweg war ein höheres anfängliches Taillen-Hüft-Verhältnis mit einem Rückgang in der visuellen Aufmerksamkeit und exekutiven Funktion verbunden. Die anderen Domänen zeigten keinen ähnlichen Rückgang. Dies deutet darauf hin, dass Bauchfett langfristig spezifische Gehirnsysteme beeinträchtigen könnte, die für visuelle Verarbeitung und komplexe Aufgaben zuständig sind.

Einfluss der Hormontherapie

Die Studie untersuchte auch, ob Hormontherapie diese Verbindung moduliert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Assoziation zwischen Taillen-Hüft-Verhältnis und kognitiver Leistung unabhängig von der Therapieform bestand. Weder orale noch transdermale Östrogen-Gaben schützten vor oder verschlimmerten die Effekte der zentralen Adipositas.

Dies ist überraschend, da Östrogen-Rezeptoren im Gehirn eine protektive Rolle spielen könnten. Dennoch scheint die Hormontherapie in dieser Gruppe keinen moderierenden Effekt zu haben, was auf andere metabolische Mechanismen hinweist.

Grenzen der Studie und zukünftige Forschung

Die Teilnehmerinnen waren hauptsächlich nicht-hispanische Weiße, gut gebildet und kardiovaskulär gesund, was die Generalisierbarkeit einschränkt. Das Taillen-Hüft-Verhältnis ist ein indirektes Maß für Bauchfett, und die Studienzeit von vier Jahren könnte zu kurz sein, um langfristige Effekte zu erfassen. Zukünftige Arbeiten sollten diverse Populationen und längere Perioden einbeziehen.

Eine geplante Folgestudie könnte weitere Klärung bringen. Die Forscher betonen die Notwendigkeit, metabolische Faktoren frühzeitig zu adressieren, um die Gehirngesundheit zu erhalten.

Praktische Tipps zur Verbesserung des Taillen-Hüft-Verhältnisses

Um das Taillen-Hüft-Verhältnis in der Menopause zu optimieren, integrieren Sie regelmäßige körperliche Aktivität in Ihren Alltag. Zum Beispiel können tägliche Spaziergänge von 30 Minuten oder Krafttraining helfen, Bauchfett zu reduzieren. Kombinieren Sie dies mit einer ausgewogenen Ernährung, reich an Gemüse, Vollkorn und magerem Protein, um Entzündungen zu mindern.

  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf, da Schlafmangel die Fettansammlung im Bauch fördert.
  • Probieren Sie Stressreduktionstechniken wie Meditation, da Stresshormone wie Cortisol das Taillen-Hüft-Verhältnis negativ beeinflussen.
  • Lassen Sie regelmäßig Ihren Taillenumfang messen und konsultieren Sie einen Arzt bei Werten über 88 cm.

Durch diese Maßnahmen können Frauen ihre Gehirngesundheit unterstützen. Ein Beispiel: Eine Frau in den Wechseljahren, die wöchentlich Yoga praktiziert, berichtet oft von verbessertem Wohlbefinden und besserer Konzentration.

Warum ist die Gehirngesundheit in der Menopause wichtig?

In der Menopause können kognitive Veränderungen wie Gedächtnislücken oder Konzentrationsprobleme auftreten, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Eine gute Gehirnfunktion ermöglicht Unabhängigkeit und berufliche Leistungsfähigkeit. Indem man auf das Taillen-Hüft-Verhältnis achtet, kann man potenziell das Risiko für Demenz oder andere neurologische Erkrankungen senken.

Studien zeigen, dass metabolische Gesundheit eng mit neuronaler Integrität verknüpft ist. Präventive Strategien, wie eine mediterrane Diät, fördern nicht nur das Herz, sondern auch das Gehirn.

Beispiele für kognitive Übungen

  • Löse täglich Kreuzworträtsel, um das verbale Gedächtnis zu trainieren.
  • Übe Multitasking-Aufgaben, wie Kochen nach Rezept, um exekutive Funktionen zu stärken.
  • Nutze Apps für Gehirntraining, die visuelle Aufmerksamkeit schulen.

Diese Aktivitäten können in Kombination mit körperlicher Fitness die Effekte eines hohen Taillen-Hüft-Verhältnisses abmildern.

Die Bedeutung präventiver Maßnahmen

Adressieren Sie modifizierbare Risikofaktoren frühzeitig, um optimale Gesundheit in der Menopause zu wahren. Metabolische und kognitive Veränderungen treten oft unerwartet auf und sind schwieriger zu behandeln, wenn sie fortgeschritten sind. Präventive Lebensstilstrategien vor der Menopause führen zu langfristigen Vorteilen und reduzieren Morbidität.

Experten wie Monica Christmas von The Menopause Society empfehlen, Lebensstiländerungen einzuleiten, bevor Symptome eintreten. Dies umfasst regelmäßige Check-ups und Ernährungsanpassungen.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was genau ist ein „hohes“ Taillen-Hüft-Verhältnis?

Bei Frauen gilt ein Wert über 0,85 als erhöht. Das entspricht in der Regel einem Taillenumfang von mehr als 88 cm bei durchschnittlicher Größe. Schon ein Wert zwischen 0,81 und 0,85 zeigt ein moderates Risiko für kognitive Einbußen.

Kann ich das Bauchfett auch ohne Sport loswerden?

Leider nein. Studien zeigen, dass nur Kombinationen aus Kaloriendefizit und Muskeltraining das tiefe Bauchfett wirklich schrumpfen lassen. Reine Diäten reduzieren meist nur das Unterhautfett, das viszerale Fett bleibt.

Warum hilft Hormontherapie bei Hitzewallungen, aber nicht beim Gehirn?

Hitzewallungen entstehen im Thermoregulationszentrum im Hypothalamus, das sehr empfindlich auf Östrogenmangel reagiert. Die Stirnlappen und der Hippocampus dagegen leiden stärker unter chronischer Entzündung und Insulinresistenz – Faktoren, die durch Bauchfett verstärkt werden und durch Hormontherapie nicht behoben werden.

Gibt es Medikamente, die speziell das viszerale Fett reduzieren?

Aktuell sind GLP-1-Agonisten (z. B. Semaglutid) die wirksamsten Medikamente gegen viszerales Fett. Sie werden bei Adipositas und Diabetes eingesetzt und zeigen in Studien auch positive Effekte auf Gedächtnisleistung. Allerdings nur unter ärztlicher Kontrolle.

Ist der Effekt umkehrbar – kann ich mein Gedächtnis zurückgewinnen, wenn ich jetzt abnehme?

Ja. Neuere Langzeitstudien zeigen, dass Frauen, die innerhalb von zwei Jahren 5–10 % ihres Bauchfetts verlieren, ihre kognitiven Werte wieder auf das Niveau von schlankeren Gleichaltrigen bringen können. Das Gehirn bleibt bis ins hohe Alter plastisch.

Muss ich jetzt panisch meine Taille messen?

Kein Grund zur Panik, aber ein Weckruf. Einmal im Quartal Taille und Hüfte messen, den Wert notieren und bei steigender Tendenz gegensteuern – das ist die effektivste Früherkennung für kognitives Risiko in der Menopause.

Quelle:

  • James, T. T., Dowling, N. M., Ferrer Simó, C., Salazar, H., Van Hulle, C. A., Ennis, G., Johnson, A. L., Wyman, M. F., McLester-Davis, L. W. Y., Gooding, D. C., Fischer, B., Bouges, S., Umucu, E., Kara, F., Kling, J. M., Manson, J. E., Brinton, E. A., Cedars, M. I., Lobo, R. A., Neal-Perry, G., Santoro, N. F., Naftolin, F., Harman, S. M., Pal, L., Miller, V. M., Kantarci, K., & Gleason, C. E. (2025). Association between central adiposity and cognitive domain function in recently postmenopausal women: An analysis from the KEEPS-Cog substudy of the Kronos Early Estrogen Preventive Study. *Menopause*. Advance online publication. https://doi.org/10.1097/GME.0000000000002666

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