Die Textur von ultra-verarbeiteten Lebensmitteln (UPFs) könnte einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie viel wir essen und wie sich dies auf unsere Gesundheit auswirkt. Eine innovative Studie aus den Niederlanden, die „Restructure“-Studie, untersucht, ob langsameres Kauen durch härtere Lebensmittel die Kalorienaufnahme senken und die Stoffwechselgesundheit verbessern kann.
ÜBERSICHT
Warum ist die Textur von Lebensmitteln wichtig?
Ultra-verarbeitete Lebensmittel wie Chips, Fertiggerichte oder Softdrinks sind oft weich und lassen sich schnell essen. Epidemiologische Studien zeigen, dass UPFs mit übermäßiger Kalorienaufnahme, Gewichtszunahme und ernährungsbedingten Krankheiten wie Diabetes oder Herzproblemen in Verbindung stehen. Die „Restructure“-Studie untersucht, ob die Textur – also wie viel Kauen nötig ist – die Menge an konsumierten Kalorien beeinflusst.
Die Textur beeinflusst, wie schnell wir essen. Weiche, kalorienreiche Lebensmittel erfordern wenig Kaubedarf, was zu schnellem Konsum und höherer Kalorienaufnahme führen kann. Härtere Lebensmittel hingegen fördern langsameres Essen, was das Sättigungsgefühl steigern könnte.
Was ist die Restructure-Studie?
Die „Restructure“-Studie ist ein randomisierter, kontrollierter Crossover-Versuch, der die Auswirkungen der Essgeschwindigkeit von UPFs auf die Kalorienaufnahme und die Gesundheit untersucht. Die Studie umfasst zwei 14-tägige Diätphasen, getrennt durch eine 14-tägige Auswaschphase, um Einflüsse auf den Stoffwechsel und die Darmflora zu minimieren. Teilnehmer konsumieren entweder langsam zu essende, harte UPFs oder schnell zu essende, weiche UPFs.
Studiendesign im Überblick
Die Studie ist single-blind, das heißt, die Teilnehmer wissen nicht, dass der Fokus auf der Essgeschwindigkeit liegt. Sie wird wie folgt durchgeführt:
- Teilnehmer: Gesunde Erwachsene im Alter von 21–50 Jahren mit einem BMI von 21–27 kg/m² und einem moderaten UPF-Konsum.
- Diätphasen: Zwei Phasen mit jeweils unterschiedlichen Texturen – harte, langsam zu essende UPFs (97 % Nova-Kategorie 4) und weiche, schnell zu essende UPFs (94 % Nova-Kategorie 4).
- Messungen: Kalorienaufnahme, Körperzusammensetzung, Stoffwechselreaktionen und Essverhalten werden detailliert erfasst.
Die Teilnehmer essen unter der Woche drei Mahlzeiten täglich vor Ort, während sie am Wochenende standardisierte Mahlzeiten für zu Hause erhalten. Die Diäten sind in Portionsgröße, Aussehen und Geschmack identisch, unterscheiden sich aber in Textur und Makronährstoffzusammensetzung.
Wie werden die Daten erhoben?
Die Studie nutzt eine Vielzahl von Methoden, um präzise Daten zu sammeln. Die Kalorienaufnahme wird bei jeder Mahlzeit gemessen, während die Körperzusammensetzung mittels Dual-Energy-X-Ray-Absorptiometrie (DEXA) zu mehreren Zeitpunkten analysiert wird. Essverhalten wird durch Videoaufzeichnungen untersucht, die Bisse, Kaubewegungen und Schlucke erfassen.
Wichtige Messmethoden
- Essgeschwindigkeit: Berechnet aus der Mahlzeitdauer und der Anzahl der Kaubewegungen.
- Blutanalysen: Entzündungsmarker (z. B. IL-6, TNF-α), Darmdurchlässigkeit (Zonulin, LBP) und Appetithormone (GLP-1, Ghrelin, PYY) werden untersucht.
- Darmgesundheit: Wöchentliche Stuhlproben werden mittels Shotgun-Metagenomsequenzierung und Metabolomics analysiert.
- Glukoseüberwachung: Kontinuierliche Glukosemessgeräte erfassen Blutzuckerschwankungen.
Die Teilnehmer führen außerdem ein Online-Fragebogen zur Appetitbewertung am Wochenende und tragen Wearables, um die körperliche Aktivität zu überwachen. Diese umfassende Datenerhebung ermöglicht es, die Auswirkungen der Essgeschwindigkeit auf verschiedene Gesundheitsaspekte zu verstehen.
Unterschiede in den Diäten
Die beiden Diäten unterscheiden sich in Textur und Nährstoffzusammensetzung, um die Essgeschwindigkeit gezielt zu beeinflussen:
- Langsam essbare Diät: Härtere, kauintensive Lebensmittel mit 21 % Protein, 53 % Kohlenhydrate und 22 % Fett.
- Schnell essbare Diät: Weichere, leicht zu schluckende Lebensmittel mit 16 % Protein, 47 % Kohlenhydrate und 33 % Fett.
Diese Unterschiede sollen aufzeigen, ob härtere Texturen die Kalorienaufnahme durch langsameres Essen reduzieren können. Die Mahlzeiten sind so gestaltet, dass sie gleich attraktiv und vertraut wirken, um Verzerrungen durch Vorlieben zu vermeiden.
Erwartete Ergebnisse und Bedeutung
Die „Restructure“-Studie zielt darauf ab, zu klären, ob eine langsamere Essgeschwindigkeit durch härtere Texturen die Kalorienaufnahme senken kann. Dies könnte neue Ansätze für die Ernährungsberatung und die Lebensmittelindustrie liefern, um gesündere Essgewohnheiten zu fördern. Sekundäre Analysen werden untersuchen, wie sich die Textur auf Stoffwechselgesundheit, Körperzusammensetzung und Darmmikrobiom auswirkt.
Mögliche Erkenntnisse
- Kalorienreduktion: Langsameres Essen könnte das Sättigungsgefühl erhöhen und die Kalorienaufnahme verringern.
- Stoffwechselgesundheit: Härtere Lebensmittel könnten Entzündungsmarker und Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen.
- Darmgesundheit: Unterschiede in der Textur könnten die Darmflora und den Stoffwechsel von Mikrobiom-Metaboliten verändern.
Diese Ergebnisse könnten dazu beitragen, Strategien gegen Überernährung und ernährungsbedingte Krankheiten zu entwickeln, indem die Textur von Lebensmitteln gezielt angepasst wird.
Praktische Tipps für den Alltag
Die Erkenntnisse der Studie lassen sich auch im Alltag anwenden. Hier sind einige Tipps, um die Essgeschwindigkeit zu verlangsamen und die Kalorienaufnahme zu kontrollieren:
- Wählen Sie kauintensive Lebensmittel: Entscheiden Sie sich für Vollkornprodukte, rohes Gemüse oder Nüsse, die mehr Kauen erfordern.
- Kleine Bissen nehmen: Schneiden Sie Lebensmittel in kleinere Stücke, um die Essgeschwindigkeit zu reduzieren.
- Bewusst essen: Legen Sie nach jedem Bissen das Besteck ab und kauen Sie gründlich, um das Sättigungsgefühl zu fördern.
Diese kleinen Änderungen können helfen, das Essverhalten zu verbessern und die Gesundheit langfristig zu fördern.
Grenzen der Studie
Die Studie hat einige Einschränkungen, die beachtet werden müssen. Der semi-stationäre Ansatz, bei dem Teilnehmer teilweise vor Ort essen, spiegelt nicht vollständig die realen Essgewohnheiten wider. Zudem unterscheiden sich die Diäten in ihrer Makronährstoffzusammensetzung, was die Ergebnisse beeinflussen könnte. Schließlich konzentriert sich die Studie auf eine gesunde, eingeschränkte Bevölkerungsgruppe, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken könnte.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Warum sind ultra-verarbeitete Lebensmittel problematisch?
UPFs enthalten oft viele Kalorien, Zucker und Fette, aber wenig Nährstoffe. Ihr schneller Konsum kann zu übermäßiger Kalorienaufnahme und Gesundheitsproblemen führen.
Kann die Textur von Lebensmitteln wirklich die Gesundheit beeinflussen?
Ja, härtere Texturen fördern langsames Kauen, was das Sättigungsgefühl erhöhen und die Kalorienaufnahme reduzieren kann.
Wie kann ich meine Essgeschwindigkeit im Alltag überprüfen?
Zählen Sie die Kaubewegungen pro Bissen oder nutzen Sie eine Stoppuhr, um die Dauer Ihrer Mahlzeiten zu messen.
Sind alle ultra-verarbeiteten Lebensmittel ungesund?
Nicht zwangsläufig, aber viele enthalten Zusatzstoffe und haben eine Zusammensetzung, die schnelles Essen begünstigt, was die Kalorienaufnahme erhöhen kann.
Wie kann ich die Ergebnisse der Studie für meine Ernährung nutzen?
Integrieren Sie mehr kauintensive, unverarbeitete Lebensmittel wie Gemüse oder Vollkornprodukte, um langsamer zu essen und das Sättigungsgefühl zu fördern.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Quelle:
- Lasschuijt MP, Heuven LAJ, van Bruinessen M, et al. (2025). The Effect of Eating Rate of Ultra-Processed Foods on Dietary Intake, Eating Behaviour, Body Composition and Metabolic Responses, Rationale, Design and Outcomes of the Restructure Randomised Controlled Trial. Nutrition Bulletin, 1-16. DOI: 10.1111/nbu.70027, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nbu.70027






