Gehirnimplantat wandelt Gedanken in Sprache um

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 28. Januar 2023, Lesezeit: 4 Minuten

Forscher der UC San Francisco haben ein Gehirnimplantat entwickelt und vorgestellt, das neuronale Aktivitäten in vollständige Wörter umwandelt. Der erste Studienteilnehmer, ein gelähmter Mann in den 30ern, kann nun mit einem Wortschatz von 50 Wörtern sprechen, indem er einfach an die Vokalisierung von Wörtern denkt. Entsprechende Studienergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Um was geht es in der Studie?

Die neue Technologie unterscheidet sich von früheren Gehirn-Computer-Schnittstellen, die Menschen mit Lähmungen beim Sprechen helfen sollen. Anstatt eine Person einen Cursor über einen Bildschirm steuern zu lassen, um Wörter zu buchstabieren, verfolgt dieses Gerät die Hirnaktivität in den Regionen, die die Vokalsysteme steuern. Auch wenn gelähmte Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren Mund zu bewegen und Worte zu sprechen, kann ihr Gehirn immer noch versuchen, diese einzigartigen Signale an Stellen wie Kiefer und Kehlkopf zu senden.

Wenn Menschen sprechen, übermitteln sie Informationen mit einer sehr hohen Rate von bis zu 150 pro Minute. Das direkte Sprechen von Wörtern kommt der Art und Weise, wie wir normalerweise sprechen, näher als andere Ansätze.

Die erste Person, die dieses experimentelle Implantat getestet hat, erlitt vor 15 Jahren einen Schlaganfall. Seitdem konnte sie nur noch kommunizieren, indem sie mit einem an einer Baseballmütze befestigten Zeiger Wörter auf einen Bildschirm tippte.

Bei der neuen Technologie wurde ein hochdichtes Elektrodenfeld über dem sprechmotorischen Kortex der Person chirurgisch implantiert. Die Gehirnaktivität wurde dann über mehrere Monate hinweg aufgezeichnet, wobei bestimmte Signale mit einem Wortschatz von 50 Wörtern korreliert wurden. Anschließend wurden spezielle neuronale Netzmodelle trainiert, um die Hirnaktivität zu erkennen und Wörter in Echtzeit zu identifizieren, während sie gedacht wurden.

Diese ersten Tests zeigten, dass der Mann auf die Fragen der Forscher in vollständigen Sätzen antwortete. Auf Fragen wie „Möchten Sie etwas Wasser?“ antwortete der Mann mit „Nein, ich bin nicht durstig“.

Damit konnten die Forscher zeigen, dass es tatsächlich möglich ist, die Kommunikation von gelähmten Menschen auf diese Weise zu erleichtern.

Was sind die Ergebnisse der Studie?

Dieser erste Proof-of-Concept-Test lieferte noch keine blitzschnellen Ergebnisse. Das Implantat kann derzeit etwa 18 Wörter pro Minute entschlüsseln. Und die durchschnittliche Genauigkeit beträgt nur 75 Prozent, es gibt also noch viel Raum für Verbesserungen.

Die Forscher glauben, dass weitere algorithmische Verbesserungen die Genauigkeit und Geschwindigkeit des Geräts erhöhen können. In diesem ersten Test wurde eine Art „Autokorrektur“-Funktion eingebaut, um zu zeigen, wie das System verbessert werden kann, indem der Computer lernt und vorhersagt, was eine Person sagen will.

Die Studie wird erweitert, um mehr Teilnehmer einzubeziehen. Die Forscher wollen auch den Wortschatz des Systems erweitern und die Geschwindigkeit der Sprachdekodierung erhöhen.

Quellen

David A. Moses, Ph.D., Sean L. Metzger, M.S., Jessie R. Liu, B.S., Gopala K. Anumanchipalli, Ph.D., Joseph G. Makin, Ph.D., Pengfei F. Sun, Ph.D., Josh Chartier, Ph.D., Maximilian E. Dougherty, B.A., Patricia M. Liu, M.A., Gary M. Abrams, M.D., Adelyn Tu-Chan, D.O., Karunesh Ganguly, M.D., Ph.D., et al. Neuroprosthesis for Decoding Speech in a Paralyzed Person with Anarthria. New England Journal of Medicine. 2022

 

 

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

ddp

Thermografie erkennt Melanome, bevor sie sichtbar werden

Thermografie erkennt Melanome, bevor sie sichtbar werden

Thermografie erkennt Melanome, wenn andere Methoden versagen. Lesen Sie, wie diese Technik die Chancen auf Heilung erhöht....

Alleinerziehend und glücklich: Was 50 Jahre Forschung wirklich zeigen

Alleinerziehend und glücklich: Was 50 Jahre Forschung wirklich zeigen

Wie zufrieden sind Alleinerziehende wirklich? Die Forschung zeigt interessante Wahrheiten über Glück und Wohlbefinden....

Centenarian longevity foods Mediterranean Okinawan diet healthy aging

Wie Ernährung das Leben verlängert: Was Hundertjährige wirklich essen

Ernährung ist der Schlüssel zur Langlebigkeit. Lesen Sie, wie Ernährung das Leben verlängert und Hundertjährige ernährt werden....

Kontinuierliche Glukosemessung und HbA1c-Zielwerte bei Diabetes 2026

Blutzuckerkontrolle bei Diabetes 2026: Ziele, Risiken, neue Standards

Blutzuckerkontrolle bei Diabetes 2026: Lernen Sie die neuesten Empfehlungen zur Risikominimierung und Zielwerte kennen....

# Genetik und Lebenserwartung Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt Eine bahnbrechende Studie, im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht, zeigt, dass die genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn äußere Todesursachen wie Unfälle oder Infektionskrankheiten aus der Berechnung herausgerechnet werden – ein Befund, der bisherige Schätzungen grundlegend korrigiert und neue Perspektiven für die Erforschung von Alterungsprozessen und Langlebigkeit eröffnet. --- ## Bisherige Schätzungen deutlich zu niedrig Jahrzehntelang galt in der Wissenschaft eine vergleichsweise bescheidene Zahl Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf lediglich 20 bis 25 Prozent. Neuere Stammbaumanalysen mit großen Datensätzen hatten diesen Wert sogar auf unter 6 Prozent gedrückt. Diese niedrigen Zahlen führten zu einem wissenschaftlichen Widerspruch Warum sollte die menschliche Lebensspanne weitaus weniger genetisch beeinflusst sein als fast alle anderen komplexen menschlichen Merkmale, von der Körpergröße über den Intelligenzquotienten bis hin zur Herzgesundheit --- ## Die methodische Schwäche Extrinsische Sterblichkeit Forscherinnen und Forscher des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel), des Karolinska Institutet in Stockholm und des Leiden University Medical Center haben nun eine entscheidende methodische Schwachstelle in den bisherigen Studien identifiziert. Das Problem Frühere Berechnungen bezogen alle Todesursachen ein, also auch solche, die nichts mit dem biologischen Alterungsprozess des Körpers zu tun haben. Unfälle im Straßenverkehr, Tötungsdelikte, Ertrinken oder tödliche Infektionskrankheiten – all das sind sogenannte extrinsische Todesursachen. Sie sind vom Zufall oder von äußeren Umständen abhängig, nicht von der genetischen Konstitution eines Menschen. Wird dieser Störfaktor nicht bereinigt, verzerrt er die statistische Schätzung der Erblichkeit erheblich nach unten. --- ## Methodik Mathematische Modellierung und Zwillingsstudien Das Forschungsteam um Ben Shenhar und Uri Alon entwickelte ein mathematisches Modell, das zwischen intrinsischer Sterblichkeit (also dem biologisch bedingten Altern) und extrinsischer Sterblichkeit unterscheidet. Anschließend wurden zwei Arten von Zwillingskohorten analysiert - Zusammen aufgewachsene Zwillinge, die ähnliche Umwelteinflüsse teilten - Getrennt aufgewachsene Zwillinge, bei denen Umwelteinflüsse stärker abweichen Durch den Vergleich dieser Gruppen und die Bereinigung um extrinsische Todesursachen gelangten die Forschenden zu einer neuen Schätzung Die Erblichkeit der intrinsischen menschlichen Lebensspanne liegt bei über 50 Prozent. --- ## Was bedeutet „Erblichkeit von 50 Prozent Ein häufiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden Eine Erblichkeit von 50 Prozent bedeutet nicht, dass die Hälfte des eigenen Lebens von den Genen „vorprogrammiert ist. Der Begriff beschreibt vielmehr, wie viel der Variation in der Lebensspanne innerhalb einer Population auf genetische Unterschiede zwischen Individuen zurückzuführen ist. ### Vergleichbare Werte bei anderen Merkmalen Ein Erblichkeitswert von etwa 50 Prozent gilt in der Genetik als substanziell. Zum Vergleich - Körpergröße ca. 80 Prozent - Body-Mass-Index (BMI) ca. 40–70 Prozent - Blutdruck ca. 30–50 Prozent - Typ-2-Diabetes ca. 25–50 Prozent Die neue Studie ordnet die menschliche Lebensspanne damit in die gleiche Kategorie wie viele andere medizinisch relevante komplexe Merkmale ein. Dieser Befund steht auch im Einklang mit der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies. --- ## Warum dieser Befund für die Medizin bedeutsam ist ### Longevity-Gene als Schlüssel zum Altern Eine hohe genetische Erblichkeit der Lebensspanne hat direkte Konsequenzen für die biomedizinische Forschung. Je stärker ein Merkmal genetisch verankert ist, desto aussagekräftiger sind genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die nach spezifischen Genvarianten suchen. Identifizierte Langlebigkeitsgene können biologische Mechanismen des Alterns aufdecken, etwa in Bezug auf - DNA-Reparatursysteme - Entzündungsregulation (Inflammaging) - Mitochondriale Funktion - Telomerlänge und -stabilität ### Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit Die Erkenntnis, dass rund die Hälfte der Variation in der intrinsischen Lebensspanne genetisch bedingt ist, bedeutet gleichzeitig, dass die andere Hälfte durch Umwelt- und Verhaltensfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören - Ernährungsweise und körperliche Aktivität - Sozioökonomischer Status und Bildung - Zugang zu Gesundheitsversorgung - Exposition gegenüber Schadstoffen und chronischem Stress Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung sowohl der Präzisionsmedizin als auch der Public-Health-Interventionen. --- ## Kontext Wo die Forschung steht Die Studie erschien am 29. Januar 2026 in Science (DOI 10.1126science.adz1187, Band 391, Heft 6784, Seiten 504–510) und wurde von Forschenden des Weizmann Institute, des Karolinska Institutet, der Westlake University in Hangzhou sowie des Leiden University Medical Center verfasst. Die Arbeit ist eine Zwillingsstudie, klassifiziert im Rahmen der standardisierten MeSH-Terminologie der US-amerikanischen National Library of Medicine. Frühere Schätzwerte auf Basis ähnlicher Zwillingsdaten, jedoch ohne Bereinigung um extrinsische Sterblichkeit, lagen laut dem Abstract bei 20 bis 25 Prozent. Stammbaum-basierte Großstudien hatten zuletzt Werte von nur 6 Prozent gemeldet. --- ## Was bleibt offen Die Studie liefert eine methodisch fundierte Neubewertung der Erblichkeitsschätzungen. Dennoch bestehen offene Fragen - Welche spezifischen Genvarianten tragen am stärksten zur intrinsischen Lebensspanne bei - Wie interagieren genetische und epigenetische Faktoren im Alterungsprozess - Lassen sich die Befunde auf verschiedene Ethnizitäten und geographische Populationen übertragen Diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Jahren beschäftigen. Die vorliegende Studie legt dafür ein wichtiges methodisches Fundament. --- ## Häufig gestellte Fragen (FAQs) Bedeutet eine Erblichkeit von 50 Prozent, dass mein Lebensalter zur Hälfte feststeht Nein. Erblichkeit ist ein statistisches Konzept, das die Variation innerhalb einer Population beschreibt, nicht ein Schicksal des Einzelnen. Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung spielen weiterhin eine erhebliche Rolle. Warum haben frühere Studien so viel niedrigere Werte gefunden Frühere Zwillings- und Stammbaumstudien berücksichtigten keine Trennung zwischen biologisch bedingtem Altern und äußeren Todesursachen wie Unfällen. Diese Vermischung führte systematisch zu einer Unterschätzung der genetischen Erblichkeit. Was sind extrinsische Todesursachen Damit sind Todesfälle gemeint, die nicht auf das biologische Altern zurückzuführen sind Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, Ertrinken oder akute Infektionskrankheiten. Diese Ereignisse hängen primär von äußeren Umständen ab, nicht von der genetischen Konstitution. Hat die Studie praktische Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung Ja, erheblich. Ein hoher Erblichkeitswert legitimiert genomweite Studien zur Suche nach Langlebigkeitsgenen. Solche Gene können Aufschluss über Alterungsmechanismen geben und als Angriffspunkte für medizinische Interventionen dienen. Gilt dieses Ergebnis nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen Die analysierten Zwillingskohorten stammen aus spezifischen Studienpopulationen. Die Autoren selbst stellen offen, ob die Ergebnisse vollständig auf alle ethnischen Gruppen und Weltregionen übertragbar sind, was in weiteren Studien untersucht werden muss. Wie unterscheidet sich die neue Schätzung von bisherigen Werten Bisherige Schätzungen lagen bei 6 bis 25 Prozent. Die neue Studie kommt auf über 50 Prozent, wenn ausschließlich intrinsische, also biologisch-genetisch bedingte Sterblichkeit betrachtet wird. --- ## Quellen Shenhar, B., Pridham, G., De Oliveira, T. L., Raz, N., Yang, Y., Deelen, J., Hägg, S., & Alon, U. (2026). Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. Science, 391(6784), 504–510. httpsdoi.org10.1126science.adz1187 Hjelmborg, J. V., Iachine, I., Skytthe, A., Vaupel, J. W., McGue, M., Koskenvuo, M., Kaprio, J., Pedersen, N. L., & Christensen, K. (2006). Genetic influence on human lifespan and longevity. Human Genetics, 119(3), 312–321. httpsdoi.org10.1007s00439-006-0144-y Kaplanis, J., Gordon, A., Shor, T., Weissbrod, O., Geiger, D., Wahl, M., Gershovits, M., Markus, B., Sheikh, M., Gymrek, M., Bhatia, G., MacArthur, D. G., Price, A. L., & Erlich, Y. (2018). Quantitative analysis of population-scale family trees with millions of relatives. Science, 360(6385), 171–175. httpsdoi.org10.1126science.aam9309 Christensen, K., Johnson, T. E., & Vaupel, J. W. (2006). The quest for genetic determinants of human longevity challenges and insights. Nature Reviews Genetics, 7(6), 436–448. httpsdoi.org10.1038nrg1871 Franceschi, C., Garagnani, P., Parini, P., Giuliani, C., & Santoro, A. (2018). Inflammaging a new immune-metabolic viewpoint for age-related diseases. Nature Reviews Endocrinology, 14(10), 576–590. httpsdoi.org10.1038s41574-018-0059-4 López-Otín, C., Blasco, M. A., Partridge, L., Serrano, M., & Kroemer, G. (2013). The hallmarks of aging. Cell, 153(6), 1194–1217. httpsdoi.org10.1016j.cell.2013.05.039 --- Bildtitel-Vorschlag „Genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne, DNA-Doppelhelix und Alterskurve

Genetik und Lebenserwartung: Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt

Neue Erkenntnisse zu Genetik und Lebenserwartung: Erbfaktoren bestimmen bis zu 50 Prozent der menschlichen Lebensspanne....