Mediterrane Lebensweise senkt Herzrisiko bei Typ-2-Diabetes

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M.A. Dirk de Pol, Veröffentlicht am: 19.08.2026, Lesezeit: 8 Minuten

Eine neue Analyse der britischen UK-Biobank-Kohorte zeigt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes, die einen stärker an die mediterrane Lebensweise angelehnten Alltag pflegen, über einen Beobachtungszeitraum von mehr als einem Jahrzehnt deutlich seltener schwere kardiovaskuläre Ereignisse erleiden und seltener vorzeitig versterben; die im Fachjournal eClinicalMedicine veröffentlichte Studie untersuchte dafür 3.612 erwachsene Diabetiker und liefert damit eine der umfangreichsten Datengrundlagen zu diesem Thema außerhalb klassischer Mittelmeerländer.

Diabetes und Herzgesundheit: ein wachsendes globales Problem

Die weltweite Prävalenz von Typ-2-Diabetes soll zwischen 2021 und 2050 um 62 Prozent steigen und dann mehr als 1,27 Milliarden Menschen betreffen. Kardiovaskuläre Erkrankungen bleiben dabei die wichtigste Komplikation der Erkrankung.

Menschen mit Typ-2-Diabetes tragen ein bis zu 2,5-fach erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse, darunter Herzinsuffizienz, ischämischer Schlaganfall, Herzinfarkt, Revaskularisierungseingriffe und kardiovaskulär bedingter Tod. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage, welche Lebensstilfaktoren dieses Risiko beeinflussen können, zunehmend an Bedeutung für die Diabetesversorgung.

Die Studie im Überblick

Wer wurde untersucht

Für die Analyse wurden Erwachsene im Alter zwischen 40 und 70 Jahren aus der UK Biobank herangezogen, die zu Studienbeginn bereits an Typ-2-Diabetes erkrankt waren und mindestens zwei Ernährungserhebungen abgeschlossen hatten. Das Durchschnittsalter der 3.612 Teilnehmenden lag bei 59,8 Jahren, rund 34 Prozent waren Frauen.

Teilnehmende im höchsten Viertel der Lebensstil-Adhärenz waren häufiger weiblich, älter, Nichtraucher und höher gebildet als jene im niedrigsten Viertel.

Wie die mediterrane Lebensweise gemessen wurde

Als Messinstrument diente der sogenannte Mediterranean Lifestyle Index (MEDLIFE), ein validiertes Werkzeug zur Erfassung mediterraner Lebensgewohnheiten. Er umfasst 25 Einzelitems, gegliedert in drei Blöcke:

  • Mediterrane Lebensmittelaufnahme
  • Mediterrane Ernährungsgewohnheiten
  • Geselligkeit, Ruhe, körperliche Aktivität und soziale Gewohnheiten

Da einige Originalkomponenten des Index in der UK Biobank nicht erfasst wurden, darunter der Konsum von Olivenöl und Sofrito, das Snacken außerhalb der Mahlzeiten sowie das Essen in Gesellschaft, nutzten die Forschenden eine angepasste Version des MEDLIFE. Die Ernährungsdaten stammten aus wiederholten 24-Stunden-Erhebungen mittels des Oxford-WebQ-Fragebogens; ergänzend erfasste ein Touchscreen-Fragebogen körperliche Aktivität, sitzendes Verhalten, soziale Gewohnheiten und Ruhezeiten.

Die statistische Auswertung erfolgte über Cox-Proportional-Hazards-Modelle mit stufenweiser Anpassung, unter anderem für Geschlecht, Bildung, Deprivationsindex, Ethnizität, Region, familiäre Vorbelastung, Body-Mass-Index, Rauchen, Nahrungsergänzungsmittel, Gesamtenergieaufnahme, Herz-Kreislauf-Medikation sowie diabetesbezogene Faktoren wie Erkrankungsdauer und glykämische Kontrolle.

Zentrale Ergebnisse: weniger Herzereignisse, geringere Sterblichkeit

Im Beobachtungszeitraum wurden insgesamt 737 neu aufgetretene schwere kardiovaskuläre Ereignisse, 645 Todesfälle jeglicher Ursache und 171 kardiovaskulär bedingte Todesfälle registriert.

Verglichen mit dem niedrigsten Viertel der MEDLIFE-Adhärenz zeigte das höchste Viertel folgende Risikoreduktionen:

  • Schwere kardiovaskuläre Ereignisse: Hazard Ratio von 0,73
  • Gesamtmortalität: Hazard Ratio von 0,74
  • Kardiovaskuläre Mortalität: Hazard Ratio von 0,49

Pro zwei zusätzliche Punkte auf der MEDLIFE-Skala sank das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 12 Prozent, für kardiovaskuläre Mortalität um 21 Prozent und für Gesamtmortalität um 9 Prozent.

Die Rolle der einzelnen Lebensstil-Bausteine

Jeder der drei MEDLIFE-Blöcke trug zum Gesamtbild bei, wenn auch mit unterschiedlichem Schwerpunkt:

  • Der Block mediterrane Lebensmittelaufnahme war mit einer um 10 Prozent geringeren Rate an kardiovaskulären Ereignissen je zwei Punkte assoziiert.
  • Der Block mediterrane Ernährungsgewohnheiten war mit einer um 23 Prozent geringeren kardiovaskulären Mortalität je zwei Punkte verbunden.
  • Der dritte Block, Geselligkeit, Ruhe, Bewegung und soziale Gewohnheiten, zeigte je zwei Punkte Risikoreduktionen zwischen 14 und 25 Prozent über alle drei untersuchten Endpunkte hinweg.

Bei den einzelnen Komponenten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse, etwa Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder Herzinfarkt, verlief die Richtung der Zusammenhänge durchgehend konsistent; statistische Signifikanz wurde jedoch nicht für alle Einzelkomponenten erreicht, wobei sich der Zusammenhang für Herzinsuffizienz der Signifikanzschwelle annäherte.

Wer besonders profitiert

Subgruppenanalysen deuteten auf Wechselwirkungen mit dem Bildungsniveau und der diabetesbezogenen Medikation hin. Eine höhere MEDLIFE-Adhärenz war insbesondere bei Personen mit Diabetesmedikation sowie bei Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss mit einem geringeren Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse verbunden.

Einschränkungen der Studie

Die Autoren weisen selbst auf mehrere methodische Grenzen hin. Als Beobachtungsstudie kann die Analyse keine Kausalität belegen, sondern nur Zusammenhänge aufzeigen.

Weitere Limitationen betreffen:

  • Selbstberichtete Lebensstildaten, die anfällig für Erinnerungs- und Verzerrungseffekte sind
  • Den modifizierten MEDLIFE-Score, der nicht vollständig dem Originalinstrument entspricht
  • Mögliche verbleibende Störfaktoren, die trotz umfangreicher statistischer Anpassung nicht vollständig ausgeschlossen werden können
  • Lebensstiländerungen im Zeitverlauf, die nach der Ausgangserhebung nicht weiter erfasst wurden
  • Die Zusammensetzung der UK-Biobank-Population, die im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung tendenziell gesünder ist

In Sensitivitätsanalysen blieb das Gesamtbild weitgehend stabil; nach Ausschluss von Teilnehmenden mit bereits zu Studienbeginn bestehenden kardiovaskulären Ereignissen war der Zusammenhang mit der kardiovaskulären Mortalität jedoch nicht mehr statistisch signifikant.

Praktische Implikationen für Menschen mit Typ-2-Diabetes

Die Ergebnisse legen nahe, dass sich mehrere alltagsnahe Stellschrauben lohnen können, auch wenn die Studie selbst keine individuellen Empfehlungen ausspricht:

  • Pflanzenbetonte, mediterran geprägte Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Fisch bevorzugen
  • Regelmäßige Mahlzeitenstruktur und bewusste Essgewohnheiten pflegen
  • Ausreichend Schlaf und Ruhephasen einplanen
  • Körperlich aktiv bleiben, auch in Form von Alltagsbewegung
  • Soziale Kontakte und gemeinsame Mahlzeiten aktiv pflegen

Diese Faktoren wirken laut Studie offenbar nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel; besonders der dritte MEDLIFE-Block, der Ruhe, Bewegung und soziale Aspekte bündelt, zeigte über alle Endpunkte hinweg konsistente Effekte.

Fazit

Die Untersuchung liefert innerhalb einer nicht-mediterranen Bevölkerungsgruppe fundierte Hinweise darauf, dass eine stärkere Ausrichtung an mediterranen Lebensgewohnheiten mit einem schrittweise geringeren Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse, Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Mortalität bei Menschen mit Typ-2-Diabetes einhergeht. Die Zusammenhänge blieben auch nach Berücksichtigung diabetesspezifischer Prognosefaktoren bestehen, was laut den Studienautoren das Potenzial des MEDLIFE-Index als zugängliches, alltagstaugliches Instrument im Diabetesmanagement unterstreicht.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was unterscheidet den MEDLIFE-Index von der klassischen mediterranen Diät? Während die klassische mediterrane Diät sich vorwiegend auf Lebensmittel konzentriert, bewertet der MEDLIFE-Index zusätzlich Aspekte wie Ruhezeiten, körperliche Aktivität und soziale Gewohnheiten; er bildet damit eine ganze Lebensweise ab, nicht nur einen Speiseplan.

Warum wurde ausgerechnet die UK-Biobank-Kohorte gewählt? Die UK Biobank bietet eine der größten verfügbaren Langzeit-Gesundheitsdatenbanken mit detaillierten Ernährungs-, Lebensstil- und Krankheitsdaten; sie ermöglicht damit Analysen mediterraner Lebensgewohnheiten auch außerhalb typisch mediterraner Länder wie Spanien oder Italien.

Kann eine Lebensstiländerung eine bestehende Diabetesmedikation ersetzen? Nein, die Studie untersucht ausschließlich statistische Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Herzrisiko; sie liefert keine Grundlage dafür, eine ärztlich verordnete Diabetesbehandlung zu ersetzen oder eigenständig anzupassen. Interessanterweise zeigte sich in den Subgruppenanalysen sogar, dass der Zusammenhang zwischen mediterraner Lebensweise und geringerem Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse gerade bei Personen unter Diabetesmedikation besonders ausgeprägt war. Das deutet darauf hin, dass Lebensstil und Medikation sich eher ergänzen als gegenseitig ersetzen; eine gute Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf entfalten ihren Nutzen offenbar zusätzlich zur bestehenden Therapie, nicht anstelle von ihr. Jede Anpassung der Medikation sollte daher stets in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Wie zuverlässig sind Ergebnisse aus einer Beobachtungsstudie wie dieser? Beobachtungsstudien können robuste Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen; kontrollierte Interventionsstudien wären nötig, um zu klären, ob eine gezielte Lebensstiländerung tatsächlich ursächlich für die beobachteten Risikounterschiede verantwortlich ist. Die vorliegende Studie versuchte, diese Schwäche durch mehrere statistische Anpassungsmodelle abzufedern, etwa durch Berücksichtigung von Bildung, Body-Mass-Index, Rauchstatus und diabetesbezogenen Prognosefaktoren. Dennoch bleibt ein sogenannter Restconfounding-Effekt möglich, also der Einfluss unbekannter oder nicht erfasster Störfaktoren, die das Ergebnis mitbeeinflusst haben könnten. Zudem beruhten die Lebensstildaten auf Selbstauskünften der Teilnehmenden, was zusätzliche Unsicherheit in die Ergebnisse bringt.

Spielt es eine Rolle, in welchem Alter die Typ-2-Diabetes-Diagnose gestellt wurde? Die Studie passte ihre Hauptanalyse explizit an das Alter bei Diagnosestellung sowie die Erkrankungsdauer an, um diese diabetesspezifischen Prognosefaktoren herauszurechnen; der Zusammenhang zwischen mediterraner Lebensweise und geringerem Herzrisiko blieb auch nach dieser Anpassung bestehen, was darauf hindeutet, dass der beobachtete Nutzen unabhängig vom Diagnosezeitpunkt zu greifen scheint.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Quellen

Aznar de la Riera, M. del C., Díaz-Gutiérrez, J., Kales, S. N., et al. (2026). Mediterranean lifestyle and risk of adverse cardiovascular events, all-cause and cardiovascular mortality among individuals with type 2 diabetes. eClinicalMedicine, 98. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2026.104134

Sai Lomte, T. (2026, August 19). What 3,600 adults with diabetes revealed about lifestyle and heart health. News-Medical. https://www.news-medical.net/news/20260819/What-3600-adults-with-diabetes-revealed-about-lifestyle-and-heart-health.aspx

News-Medical. (n.d.). UK Biobank: The world’s largest health database explained. Retrieved August 19, 2026, from https://www.news-medical.net/health/UK-Biobank-The-Worlde28099s-Largest-Health-Database-Explained.aspx

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