Eine neue Studie des Karolinska Instituts in Schweden, veröffentlicht im Fachjournal Diabetes, enthüllt, dass die Dauer von Typ-2-Diabetes eine entscheidende Rolle dabei spielt, wie rote Blutkörperchen verändert werden und dadurch die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen, was das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle signifikant steigert, und identifiziert das Molekül microRNA-210 als potenziellen Biomarker für eine frühe Risikoerkennung.
ÜBERSICHT
- 1 Hintergrund: Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläres Risiko
- 2 Die neue Studie des Karolinska Instituts
- 3 Mechanismen der vaskulären Schädigung durch Diabetes
- 4 Der Rolle von microRNA-210 als Biomarker
- 5 Prävention und Management von Komplikationen
- 6 Verwandte Forschung und globale Trends
- 7 Ausblick auf zukünftige Therapien
- 8 Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Hintergrund: Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläres Risiko
Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erheblich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Laut einer Übersichtsarbeit der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie aus dem Jahr 2019 beträgt dieses Risiko bei Erwachsenen mit Diabetes das 2- bis 4-fache im Vergleich zu Personen ohne Diabetes, wobei das Risiko mit zunehmender Verschlechterung der Blutzuckerkontrolle ansteigt (Booth et al., 2019).
Diese Verbindung zwischen Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist gut dokumentiert. Eine Studie der American Heart Association aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Personen mit Typ-2-Diabetes doppelt so häufig an Herzkrankheiten und Schlaganfällen sterben wie solche ohne Diabetes (American Heart Association, 2024).
Langfristig führt hoher Blutzucker zu Schäden an den Blutgefäßen, was Atherosklerose fördert. In den USA wurden 2024 1,68 Millionen Krankenhausentlassungen aufgrund schwerer kardiovaskulärer Erkrankungen bei Diabetikern registriert, darunter 368.000 Fälle von ischämischer Herzkrankheit (Centers for Disease Control and Prevention, 2024).
Die neue Studie des Karolinska Instituts
Die aktuelle Untersuchung, geleitet von Zhichao Zhou und Eftychia Kontidou am Karolinska Institut, analysierte rote Blutkörperchen bei Mäusen und Patienten mit Typ-2-Diabetes. Rote Blutkörperchen von Personen mit langjährigem Diabetes zeigten eine schädliche Wirkung auf die Blutgefäßfunktion, im Gegensatz zu frisch diagnostizierten Patienten (Kontidou et al., 2026).
Nach einer siebenjährigen Nachbeobachtung entwickelten die roten Blutkörperchen der anfangs neu diagnostizierten Patienten ähnliche schädliche Eigenschaften. Die Wiederherstellung des microRNA-210-Spiegels in diesen Zellen verbesserte die vaskuläre Funktion erheblich.
Zhichao Zhou, assoziierter Professor am Department of Medicine, Solna, betonte: „Was in unserer Studie besonders hervorsticht, ist, dass nicht nur das Vorhandensein von Typ-2-Diabetes zählt, sondern wie lange man die Erkrankung hat. Erst nach mehreren Jahren entwickeln rote Blutkörperchen eine schädliche Wirkung auf die Blutgefäße.“
Mechanismen der vaskulären Schädigung durch Diabetes
Hoher Blutzucker über lange Zeit verursacht oxidative Stress und Entzündungen, die die Endothelfunktion stören. Eine Studie aus dem Jahr 2013 beschreibt, wie Diabetes zu Atherosklerose führt, die die Hauptursache für verkürzte Lebenserwartung bei Diabetikern ist (Rask-Madsen & King, 2013).
Rote Blutkörperchen spielen hier eine Schlüsselrolle. In langfristigem Typ-2-Diabetes sinkt der Spiegel von microRNA-210 in diesen Zellen, was zu endothelialer Dysfunktion führt, wie eine frühere Studie aus dem Jahr 2022 bestätigt (Amersfoort et al., 2022).
Diese Veränderungen fördern die Ablagerung von Fetten in den Gefäßwänden. Praktisch bedeutet das für Betroffene: Regelmäßige Überwachung des Blutzuckers kann helfen, solche Schäden zu verzögern; empfohlen wird eine HbA1c-Wert unter 7 %, basierend auf Leitlinien der American Diabetes Association.
Der Rolle von microRNA-210 als Biomarker
Die Studie identifiziert microRNA-210 in roten Blutkörperchen als potenziellen Biomarker. Niedrige Spiegel dieses Moleküls korrelieren mit erhöhtem Risiko für vaskuläre Komplikationen, was eine frühere Erkennung ermöglichen könnte (Kontidou et al., 2026).
In einer ergänzenden Untersuchung aus dem Jahr 2022 wurde gezeigt, dass die Herabregulation von miR-210 in Erythrozyten die endotheliale Dysfunktion bei Typ-2-Diabetes antreibt (Amersfoort et al., 2022). Die Forscher planen nun größere Populationsstudien, um dies zu validieren.
Eftychia Kontidou, Doktorandin und Erstautorin, erklärte: „Wenn wir identifizieren können, welche Patienten das größte Risiko haben, bevor vaskuläre Schäden bereits eingetreten sind, können wir Komplikationen besser vorbeugen.“
Weitere Implikationen für die Früherkennung
- Biomarker-Nutzung: MicroRNA-210 könnte in Bluttests integriert werden, um Patienten mit hohem Risiko früh zu erkennen.
- Vergleich mit anderen Markern: Im Vergleich zu HbA1c bietet microRNA-210 spezifischere Einblicke in vaskuläre Veränderungen.
- Zukünftige Forschung: Größere Kohortenstudien sind notwendig, um die Zuverlässigkeit zu bestätigen.
Prävention und Management von Komplikationen
Eine gute Blutzuckerkontrolle ist essenziell, um das Risiko zu mindern. Studien zeigen, dass eine Senkung des HbA1c um 1 % das Risiko für Herzinfarkte um 14 % reduziert (Stratton et al., 2000).
Praktische Tipps umfassen eine ausgewogene Ernährung mit niedrigem glykämischen Index, regelmäßige körperliche Aktivität von mindestens 150 Minuten pro Woche und Gewichtsmanagement. Rauchen zu vermeiden ist entscheidend, da es das CVD-Risiko bei Diabetikern verdoppelt.
Regelmäßige Untersuchungen, wie jährliche Gefäßchecks, können frühzeitige Interventionen ermöglichen. Medikamente wie Statine senken das Cholesterin und schützen die Gefäße, wie in der Heart Protection Study bewiesen (Heart Protection Study Collaborative Group, 2002).
Verwandte Forschung und globale Trends
Globale Statistiken unterstreichen die Dringlichkeit: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Diabetes bis 2030 643 Millionen Menschen betreffen wird, mit CVD als Haupt-Todesursache (World Health Organization, 2022).
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2021 zeigt, dass hohe Hemoglobin-Glykations-Indizes mit erhöhtem CVD-Risiko assoziiert sind (Wang et al., 2021). Langfristig führt Typ-2-Diabetes zu Nephropathie und Retinopathie durch Gefäßschäden.
In Europa haben Diabetiker ein 1,5- bis 2-faches höheres Risiko für CVD (Ahmad et al., 2024). Präventive Maßnahmen, wie Screening-Programme, könnten Todesfälle reduzieren.
Risikofaktoren im Detail
- Dauer der Erkrankung: Nach 7 Jahren steigt das Risiko signifikant, wie in der Karolinska-Studie gezeigt.
- Andere Faktoren: Adipositas, Hypertonie und Dyslipidämie verstärken die Effekte.
- Geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauen mit Diabetes haben ein um 2-3 % höheres CVD-Risiko als Männer (Baviera et al., 2023).
Ausblick auf zukünftige Therapien
Die Identifikation von microRNA-210 öffnet Türen für zielgerichtete Therapien. Experimentelle Ansätze, die diesen Spiegel anheben, könnten vaskuläre Schäden umkehren.
Klinische Trials sind geplant, um dies zu testen. Bis dahin bleibt die Lebensstiländerung der Eckpfeiler der Prävention.
Die Studie wurde unter anderem von der EFSD/Novo Nordisk Foundation, der Swedish Heart-Lung Foundation und dem Swedish Research Council finanziert, was ihre Unabhängigkeit unterstreicht.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie wirkt sich Typ-2-Diabetes auf die Lebenserwartung aus? Typ-2-Diabetes kann die Lebenserwartung um bis zu 10 Jahre verkürzen, hauptsächlich durch kardiovaskuläre Komplikationen, wobei eine gute Kontrolle dies mildern kann.
Kann man vaskuläre Schäden durch Diabetes rückgängig machen? Teilweise ja, durch strenge Blutzuckerkontrolle und Medikamente, aber irreversible Schäden erfordern oft lebenslange Management-Strategien.
Welche Rolle spielen Genetik bei Diabetes und Herzrisiken? Genetische Faktoren erhöhen die Anfälligkeit, aber Umweltfaktoren wie Ernährung dominieren; Studien zeigen, dass Epigenetik wie microRNAs eine Brücke schlägt.
Sind alle Diabetiker gleichermaßen betroffen? Nein, das Risiko variiert mit Dauer, Kontrolle und Komorbiditäten; personalisierte Medizin könnte zukünftig helfen.
Wie oft sollte man bei Diabetes auf Herzrisiken prüfen? Jährlich empfohlen, einschließlich EKG und Bluttests, um Veränderungen früh zu erkennen.
Quellen
American Heart Association. (2024). Cardiovascular disease and diabetes. https://www.heart.org/en/health-topics/diabetes/diabetes-complications-and-risks/cardiovascular-disease–diabetes
Amersfoort, J., et al. (2022). Downregulation of erythrocyte miR-210 induces endothelial dysfunction in type 2 diabetes. Diabetes, 71(2), 285-297. https://doi.org/10.2337/db21-0093
Baviera, M., et al. (2023). 10-year cardiovascular risk in patients with newly diagnosed type 2 diabetes mellitus. Journal of the American College of Cardiology, 82(16), 1583-1594. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2023.08.020
Booth, G. L., et al. (2019). Diabetes as a cardiovascular risk factor: An overview of global trends of macro and micro vascular complications. European Journal of Preventive Cardiology, 26(2_suppl), 25-32. https://doi.org/10.1177/2047487319880041
Centers for Disease Control and Prevention. (2024). National diabetes statistics report. https://www.cdc.gov/diabetes/php/data-research/index.html
Heart Protection Study Collaborative Group. (2002). MRC/BHF Heart Protection Study of cholesterol lowering with simvastatin in 20,536 high-risk individuals: A randomised placebo-controlled trial. The Lancet, 360(9326), 7-22. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(02)09327-3
Kontidou, E., et al. (2026). Long duration of type 2 diabetes drives erythrocyte-induced vascular endothelial dysfunction: A link to miRNA-210-3p. Diabetes. https://doi.org/10.2337/db25-0463
Rask-Madsen, C., & King, G. L. (2013). Vascular complications of diabetes: Mechanisms of injury and protective factors. Cell Metabolism, 17(1), 20-33. https://doi.org/10.1016/j.cmet.2012.11.012
Stratton, I. M., et al. (2000). Association of glycaemia with macrovascular and microvascular complications of type 2 diabetes (UKPDS 35): Prospective observational study. BMJ, 321(7258), 405-412. https://doi.org/10.1136/bmj.321.7258.405
Wang, Y., et al. (2021). Association between hemoglobin glycation index and risk of cardiovascular disease and all cause mortality in type 2 diabetic patients: A meta-analysis. Frontiers in Cardiovascular Medicine, 8, 690689. https://doi.org/10.3389/fcvm.2021.690689
World Health Organization. (2022). Diabetes fact sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/diabetes






