Eine neue Studie aus Frankreich, die auf Daten von über 100.000 Teilnehmern der NutriNet-Santé-Kohortenstudie basiert und in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, hat erstmals einen Zusammenhang zwischen dem höheren Verzehr von Lebensmittelkonservierungsstoffen, einschließlich Antioxidanzien und nicht-antioxidativen Substanzen – und einem signifikant gesteigerten Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes aufgezeigt, wobei die Ergebnisse auf umfassenden Ernährungsaufzeichnungen und Anpassungen für verschiedene Lebensstilfaktoren beruhen und eine Reduzierung des Konsums unnötiger Zusatzstoffe empfehlen.
ÜBERSICHT
- 1 Was sind Lebensmittelkonservierungsstoffe und warum werden sie verwendet?
- 2 Die NutriNet-Santé-Studie: Hintergrund und Teilnehmer
- 3 Methodik der Untersuchung
- 4 Wichtige Ergebnisse: Risikozunahmen und spezifische Substanzen
- 5 Implikationen für die öffentliche Gesundheit
- 6 Vergleich mit verwandter Forschung
- 7 Präventive Maßnahmen und Lebensstilfaktoren
- 8 Globale Perspektive auf Zusatzstoffe
- 9 Zukünftige Forschungsbedarf
- 10 Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was sind Lebensmittelkonservierungsstoffe und warum werden sie verwendet?
Lebensmittelkonservierungsstoffe sind Zusatzstoffe, die in industriell verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken eingesetzt werden, um die Haltbarkeit zu verlängern, indem sie das Wachstum von Mikroorganismen hemmen oder chemische Veränderungen verlangsamen. Sie umfassen nicht-antioxidative Substanzen, die vor allem mikrobielle Verderbnis verhindern, und antioxidative Zusatzstoffe, die die Oxidation und damit den Verderb durch Sauerstoff reduzieren.
In der Europäischen Union werden diese Stoffe mit E-Nummern gekennzeichnet, wobei die Codes E200 bis E299 für Konservierungsstoffe im engeren Sinne stehen und E300 bis E399 für Antioxidanzien. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass einige dieser Substanzen Zellen schädigen, DNA verändern oder den Stoffwechsel beeinträchtigen können, was nun erstmals in einer epidemiologischen Untersuchung mit dem Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht wird.
Die NutriNet-Santé-Studie: Hintergrund und Teilnehmer
Die Studie basiert auf der prospektiven Kohortenuntersuchung NutriNet-Santé, die seit 2009 läuft und mehr als 100.000 französische Erwachsene umfasst. Insgesamt wurden Daten von 108.723 Teilnehmern analysiert, die zwischen 2009 und 2023 gesammelt wurden.
Die Teilnehmer berichteten regelmäßig über ihre medizinische Vorgeschichte, soziodemografische Daten, körperliche Aktivität, Lebensgewohnheiten und Gesundheitszustand. Über den Beobachtungszeitraum wurden 1.131 Fälle von Typ-2-Diabetes identifiziert, was eine solide Basis für die Analyse bildet.
Methodik der Untersuchung
Die Exposition gegenüber Lebensmittelkonservierungsstoffen wurde durch detaillierte Ernährungsprotokolle ermittelt, in denen die Teilnehmer mehrmals 24-Stunden-Aufzeichnungen ihrer Nahrungsaufnahme einschließlich Marken und Namen industrieller Produkte angaben. Diese Daten wurden mit Datenbanken wie Open Food Facts – die über 3,5 Millionen Lebensmittel und Getränke umfasst, von denen mehr als 700.000 mindestens einen Konservierungsstoff enthalten –, Oqali und der EFSA abgeglichen.
Insgesamt wurden 58 Konservierungsstoffe erfasst, darunter 33 Konservierungsstoffe im strengen Sinne und 27 antioxidative Zusatzstoffe. Für die detaillierte Analyse wurden 17 individuelle Substanzen ausgewählt, die von mindestens 10 Prozent der Teilnehmer konsumiert wurden; die Analysen berücksichtigten Anpassungen für soziodemografische Profile, Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährungsqualität – einschließlich Kalorien, Zucker, Salz, gesättigter Fette und Ballaststoffe – sowie weitere potenzielle Störfaktoren.
Wichtige Ergebnisse: Risikozunahmen und spezifische Substanzen
Die Studie ergab, dass ein höherer Gesamtkonsum von Lebensmittelkonservierungsstoffen mit einem 47-prozentigen Anstieg des Risikos für Typ-2-Diabetes assoziiert ist, verglichen mit den niedrigsten Verbrauchsstufen. Für nicht-antioxidative Konservierungsstoffe betrug die Risikozunahme 49 Prozent, während antioxidative Zusatzstoffe mit einem 40-prozentigen erhöhten Risiko verbunden waren.
Von den 17 untersuchten individuellen Konservierungsstoffen zeigten 12 eine Assoziation mit einem gesteigerten Diabetes-Risiko:
- Kaliumsorbat (E202)
- Kaliummetabisulfit (E224)
- Natriumnitrit (E250)
- Essigsäure (E260)
- Natriumacetate (E262)
- Calciumpropionat (E282)
- Natriumascorbat (E301)
- Alpha-Tocopherol (E307)
- Natriumerythorbat (E316)
- Zitronensäure (E330)
- Phosphorsäure (E338)
- Rosmarinextrakte (E392)
Diese Ergebnisse sind konsistent mit experimentellen Daten, die schädliche Effekte auf Zellen und Stoffwechsel andeuten, und stellen die erste weltweite epidemiologische Evidenz für diesen Zusammenhang dar.
Implikationen für die öffentliche Gesundheit
Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit einer Neubewertung der Vorschriften zur Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen in der Industrie, um den Verbraucherschutz zu verbessern. Sie verstärken die Empfehlungen des französischen Nationalen Ernährungs- und Gesundheitsprogramms, frische und minimal verarbeitete Lebensmittel zu bevorzugen und unnötige Zusatzstoffe zu vermeiden.
Praktische Tipps umfassen das Lesen von Zutatenlisten auf Verpackungen, um Konservierungsstoffe wie E202 oder E250 zu erkennen, und die Wahl von Produkten mit kürzeren Haltbarkeitsdaten, die oft auf geringeren Zusatzstoffgehalt hindeuten. Beispiele für betroffene Lebensmittel sind verarbeitete Fleischwaren, Backwaren und Getränke, in denen diese Substanzen häufig vorkommen, obwohl die Studie keine spezifischen Produkte benennt.
Vergleich mit verwandter Forschung
Ähnliche Studien zu Lebensmittelzusatzstoffen haben bereits Zusammenhänge mit Typ-2-Diabetes aufgezeigt, etwa eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 zu Emulgatoren, die in The Lancet Diabetes & Endocrinology publiziert wurde und direkte Assoziationen mit dem Diabetes-Risiko fand. Eine weitere Arbeit aus 2025 in PLOS Medicine untersuchte Mischungen von Zusatzstoffen und berichtete positive Assoziationen mit der Diabetes-Inzidenz.
Diese Ergebnisse ergänzen die aktuelle Studie, indem sie auf breitere Risiken durch industrielle Zusatzstoffe hinweisen, obwohl sie sich auf andere Kategorien wie Emulgatoren oder Mischungen konzentrieren. Die Konsistenz über verschiedene Untersuchungen unterstreicht die Relevanz für Präventionsstrategien.
Präventive Maßnahmen und Lebensstilfaktoren
Um das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, das weltweit Millionen betrifft und durch Faktoren wie Übergewicht, mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung begünstigt wird, raten Experten zu einer ausgewogenen Diät mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Die Reduzierung verarbeiteter Lebensmittel kann nicht nur den Konsum von Konservierungsstoffen mindern, sondern auch den Aufnahme von Zucker und gesättigten Fetten verringern.
Regelmäßige körperliche Aktivität, wie 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, und Gewichtskontrolle sind weitere bewährte Strategien, die in Kombination mit bewusster Ernährung wirksam sind. Die Studie berücksichtigte diese Faktoren in ihren Analysen, was die Robustheit der Ergebnisse unterstreicht.
Globale Perspektive auf Zusatzstoffe
In vielen Ländern, einschließlich der EU, unterliegen Lebensmittelkonservierungsstoffe strengen Zulassungsverfahren, doch die kumulativen Effekte langfristigen Verzehrs werden oft unterschätzt. Die EFSA bewertet regelmäßig die Sicherheit einzelner Substanzen, aber Studien wie diese fordern eine ganzheitlichere Betrachtung.
International gesehen variieren die Vorschriften; in den USA sind einige Stoffe erlaubt, die in Europa beschränkt sind, was zu Unterschieden im Expositionsrisiko führt. Diese Disparitäten betonen die Bedeutung globaler Harmonisierung für den Verbraucherschutz.
Zukünftige Forschungsbedarf
Obwohl die Studie bahnbrechend ist, fordern die Autoren weitere Bestätigungen durch unabhängige Untersuchungen, um Kausalitäten zu klären. Längere Follow-up-Phasen und internationale Kohorten könnten die Generalisierbarkeit verbessern.
Zusätzlich könnten interventionelle Studien, die den Verzehr von Konservierungsstoffen reduzieren, klären, ob eine Kausalität besteht. Bis dahin bleibt die Evidenz assoziativ, aber überzeugend genug für vorsorgliche Maßnahmen.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Welche Lebensmittel enthalten typischerweise diese Konservierungsstoffe? Substanzen wie Kaliumsorbat (E202) finden sich häufig in Backwaren, Margarine, Mayonnaise, Säften, Wein und Konfitüren; Natriumnitrit (E250) in verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst und Schinken; Zitronensäure (E330) in Softdrinks, Säften und vielen verarbeiteten Produkten. Eine genaue Überprüfung der Zutatenlisten hilft, betroffene Produkte zu identifizieren.
Können natürliche Alternativen zu Konservierungsstoffen das Risiko senken? Ja, Methoden wie Kühlung, Fermentation, Trocknen oder der Einsatz natürlicher Stoffe wie Essig, Salz, Rosmarinextrakte, Zitronensäure aus Früchten oder Gewürze wie Oregano und Zimt können die Haltbarkeit verlängern und den Bedarf an synthetischen Zusatzstoffen reduzieren, was indirekt zu einer gesünderen Ernährung und potenziell niedrigerem Diabetes-Risiko beiträgt.
Wie wirkt sich Typ-2-Diabetes auf den Alltag aus und welche Komplikationen drohen? Typ-2-Diabetes kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschäden, Nervenschäden (Neuropathie), Augenproblemen bis hin zur Erblindung, Fußulzera und Amputationen führen. Frühe Symptome sind oft subtil, aber langfristig beeinträchtigt die Erkrankung die Lebensqualität erheblich; regelmäßige Kontrollen und Lebensstiländerungen können viele Komplikationen verhindern oder verzögern.
Sind alle Konservierungsstoffe schädlich? Nein, von den 17 in der Studie untersuchten Substanzen zeigten nur 12 eine Assoziation mit erhöhtem Risiko, während fünf keine signifikante Verbindung aufwiesen. Die Effekte variieren je nach Substanz, Dosis und individuellen Faktoren; dennoch plädieren Experten für Vorsicht und Minimierung unnötiger Zusatzstoffe.
Wie kann ich meinen Zusatzstoffkonsum effektiv reduzieren? Kaufen Sie frische, unverarbeitete Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Vollkorn und selbst zubereitete Mahlzeiten; lesen Sie Etiketten und vermeiden Sie Produkte mit langen Zutatenlisten; nutzen Sie Apps wie Open Food Facts zur Überwachung; bevorzugen Sie Bio-Produkte und lokale Märkte. Kleine Änderungen wie selbst kochen reduzieren den Verzehr ultra-verarbeiteter Foods signifikant.
Ist der Zusammenhang kausal bewiesen? Die Studie zeigt eine starke Assoziation, aber keine definitive Kausalität, da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Experimentelle Daten zu zellulären Schäden unterstützen die Plausibilität, und ähnliche Befunde zu anderen Zusatzstoffen (z. B. Emulgatoren) stärken die Evidenz; weitere randomisierte Studien sind nötig, um Kausalität zu bestätigen.
Welche Rolle spielen Mischungen von Zusatzstoffen? Frühere NutriNet-Santé-Studien zeigten, dass bestimmte Kombinationen von Zusatzstoffen (z. B. mit Emulgatoren oder Süßstoffen) das Diabetes-Risiko ebenfalls erhöhen können, möglicherweise durch synergistische Effekte. Der kumulative Verzehr in ultra-verarbeiteten Lebensmitteln verstärkt potenzielle Risiken.
Quellen
Hasenböhler, A., Touvier, M., Hercberg, S., Galan, P., Kesse-Guyot, E., Druesne-Pecollo, N., … & de Edelenyi, F. S. (2026). Associations between preservative food additives and type 2 diabetes incidence in the NutriNet-Santé prospective cohort. Nature Communications, 17(1), Article 67360. https://doi.org/10.1038/s41467-025-67360-w
Payen de la Garanderie, M., Touvier, M., Hercberg, S., Galan, P., Kesse-Guyot, E., Druesne-Pecollo, N., … & Srour, B. (2025). Food additive mixtures and type 2 diabetes incidence: A prospective analysis from the French NutriNet-Santé cohort. PLOS Medicine, 22(4), e1004570. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1004570
Salame, C., Touvier, M., Hercberg, S., Galan, P., Kesse-Guyot, E., Druesne-Pecollo, N., … & Srour, B. (2024). Food additive emulsifiers and the risk of type 2 diabetes: Analysis of data from the NutriNet-Santé prospective cohort study. The Lancet Diabetes & Endocrinology, 12(6), 424-435. https://doi.org/10.1016/S2213-8587(24)00086-X
Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm). (2026, January 7). Higher intake of food preservatives linked to increased risk of type 2 diabetes [Press release]. https://presse.inserm.fr/en/higher-intake-of-food-preservatives-linked-to-increased-risk-of-type-2-diabetes/53579/
European Food Safety Authority (EFSA). (2023). Re-evaluation of the safety of food additives: Preservatives and antioxidants. EFSA Journal, 21(5), e07890. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2023.7890
World Health Organization (WHO). (2023). Diabetes fact sheet. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/diabetes
Open Food Facts. (2024). Database of food products with additives. https://world.openfoodfacts.org






