Cannabiskonsumenten schätzen romantische Beziehungen häufiger falsch ein

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Dirk de Pol, aktualisiert am 9. Juni 2022, Lesezeit: 3 Minuten

Cannabiskonsumenten überschätzen häufiger, wie gut ihre Bewältigung von Konflikten in romantischen Beziehungen ist. Sie erkennen oftmals nicht die potenziell problematische Dynamik, die möglicherweise besteht. Dies stellt eine gemeinsame Studie der Rutgers University und des Mount Holyoke College fest.

Die Studie, die in der Fachzeitschrift Drug and Alcohol Dependence veröffentlicht wurde, ist eine der wenigen, die untersucht, wie Cannabiskonsum den Umgang von Paaren miteinander beeinflusst. Die Forschern sind überzeugt, dass die Ergebnisse ihrer Studie Paarenhelfen kann, Konflikte besser zu bewältigen.

Herangehensweise der Forscher

Die Forscher konzentrierten sich auf verschiedene Indikatoren für das Funktionieren einer Beziehung. In der Studie wurden 145 Paare, bei denen mindestens ein Partner die Droge konsumierte, gebeten, anzugeben, wie oft sie die Substanz konsumierten. Sie fragten die Teilnehmer der Studie, wie zufrieden und engagiert sich in ihrer Beziehung fühlten. Zudem prüften die Forscher das Verhalten und die Physiologie der Teilnehmer während einer laborgestützten Konfliktinteraktion und deren Wahrnehmung der Konfliktdiskussion. Die Paare wurden dabei auf Video aufgenommen.

Anschließend führten die Paare eine fünfminütige Diskussion über ein Thema, bei dem sie sich einig waren. Danach fragten die Forscher, wie sie den Verlauf der Gespräche beurteilten und wie zufrieden sie mit der Konfliktlösung waren.

Die Videos wurden von zwei Gruppen von geschulten Beurteilern beobachtet, die das Konfliktverhalten jedes Partners, einschließlich Vermeidung (Ablenken, Umgehen oder Ignorieren von Meinungsverschiedenheiten) und negatives Engagement (Forderungen nach Veränderungen, Kritik oder Schuldzuweisungen) auf separaten Fünf-Punkte-Skalen bewerteten.

Ergebnisse der Studie

Die Forscher fanden heraus, dass Teilnehmer, die häufiger die Droge konsumierten, während der Interaktion mit ihrem Partner einen geringeren parasympathischen Rückzug zeigten – ein Hinweis auf eine geringere Fähigkeit, flexibel auf Stress zu reagieren. Sie äußerten auch mehr Kritik und Forderungen, vermieden Konflikte während des Gesprächs und waren weniger in der Lage, sich auf eine Diskussion über die positiven Aspekte ihrer Beziehung umzustellen.

Auf die Frage, wie das Konfliktgespräch ihrer Meinung nach verlaufen ist, berichteten die Cannabiskonsumenten jedoch paradoxerweise, dass sie mit der Lösung des Konflikts zufriedener waren und nicht den Eindruck hatten, dass sie Forderungs- oder Vermeidungsstrategien angewandt hätten.

Die Einschätzungen der Cannabiskonsumenten waren fast das genaue Gegenteil von dem, was unabhängige Gutachter feststellten.

Quellen

Relationship perceptions and conflict behavior among cannabis users. IN: Drug and Alcohol Dependence
Cannabis Users Can Misperceive How Well Their Romantic Relationships Are Functioning, Rutgers University

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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