Typ-5-Diabetes: Neue Form durch Mangelernährung offiziell anerkannt

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 30. Dezember 2025, Lesezeit: 8 Minuten

In diesem Jahr hat die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) offiziell eine fünfte Form des Diabetes anerkannt, die als Typ-5-Diabetes bezeichnet wird und auf chronischer Mangelernährung beruht, was nach Jahrzehnten kontroverser Debatten unter Wissenschaftlern nun zu einer einheitlichen Klassifikation führt und andere Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auffordert, diesem Schritt zu folgen, da diese Erkrankung schätzungsweise bis zu 25 Millionen Menschen weltweit betrifft, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wo begrenzter Zugang zu medizinischer Versorgung die Diagnose und Behandlung erschwert.

Geschichte der Entdeckung und Kontroversen

Der Typ-5-Diabetes, früher als mangelernährungsbedingter Diabetes mellitus (MRDM) bekannt, wurde erstmals 1955 in Jamaika beschrieben. In den 1980er Jahren erkannte die WHO diese Form vorübergehend an, zog die Klassifikation jedoch 1999 aufgrund fehlender evidenzbasierter Daten zurück. Trotz anhaltender Debatten über die Existenz und Diagnosemethoden hat die IDF nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um standardisierte Kriterien zu entwickeln.

Diese Kontroversen drehten sich um die Abgrenzung zu anderen Diabetes-Typen. Einige Forscher hielten die Evidenz für unzureichend, während andere die wachsende Prävalenz in Regionen mit Nahrungsmittelunsicherheit betonten. Die aktuelle Anerkennung basiert auf Studien, die eine einzigartige metabolische Signatur nachweisen.

Ursachen und Pathogenese des Typ-5-Diabetes

Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes, der auf einer Autoimmunreaktion beruht, oder Typ-2-Diabetes, der oft mit Übergewicht assoziiert ist, entsteht Typ-5-Diabetes durch langfristige Unterernährung. Chronische Nährstoffdefizite beeinträchtigen die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse und stören die Insulinproduktion. Tier- und Humanstudien zeigen, dass Mangelernährung in der Kindheit lebenslange Auswirkungen auf die Insulinsekretion hat.

Eine Studie aus dem Jahr 2022, durchgeführt in Südindien, identifizierte ein distinctes metabolisches Profil: Betroffene weisen eine Insulinmangel ähnlich wie bei Typ-1-Diabetes auf, bleiben jedoch insulinempfindlich im Gegensatz zu Typ-2-Patienten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit angepasster Therapien. Die Pathogenese umfasst eine beeinträchtigte Pankreasentwicklung aufgrund verlängerter Nährstoffknappheit, wie in einer Übersichtsarbeit dargelegt.

  • Schlüsselfaktoren der Pathogenese: Reduzierte Insulinsekretion durch Pankreas-Schäden; Keine primäre Insulinresistenz; Häufige Fehldiagnosen als Typ-1- oder Typ-2-Diabetes.
  • Risikogruppen: Junge Erwachsene in Asien, Afrika und zunehmend in Lateinamerika, wo Unterernährung durch Armut, Konflikte und Umweltfaktoren zunimmt.
  • Vergleich zu anderen Typen: Keine Verbindung zu Adipositas, Lebensstil oder Schwangerschaft; Stattdessen direkte Folge von Mangelernährung.

Globale Auswirkungen und Prävalenz

Schätzungen der IDF gehen von bis zu 25 Millionen Betroffenen aus, hauptsächlich in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Diese Zahl ist vergleichbar mit der Prävalenz von HIV/AIDS und übertrifft die von Tuberkulose. In Regionen wie Südindien oder Subsahara-Afrika wird der Typ-5-Diabetes oft fehldiagnostiziert, was zu ineffektiven Behandlungen führt.

Die Auswirkungen sind besonders gravierend in Gebieten mit Nahrungsmittelunsicherheit. Eine wachsende Unterernährung in Lateinamerika und der Karibik, bedingt durch wirtschaftliche und politische Faktoren, verstärkt das Problem. Ohne offizielle Anerkennung fehlte es an Forschungsförderung, was die globale Bekämpfung behinderte.

Praktische Beispiele aus der Realität unterstreichen die Dringlichkeit: In Indien sterben junge Patienten an unangemessener Insulintherapie, da Standardbehandlungen Hypoglykämien auslösen können. In Afrika behindert begrenzter Zugang zu Glukosemessgeräten die Therapieüberwachung.

Diagnose und Behandlung: Herausforderungen und Empfehlungen

Die Diagnose des Typ-5-Diabetes erfordert eine gründliche Anamnese zur Ernährungsgeschichte, ergänzt durch metabolische Tests. Anders als bei Typ-2-Diabetes liegt keine Insulinresistenz vor, weshalb herkömmliche Medikamente schädlich sein können. Stattdessen empfehlen Experten minimale Insulindosen oder Alternativen zur Stimulierung der Sekretion.

In einer kleinen Studie aus dem Jahr 2022 in Indien zeigten Patienten eine moderate Insulininsuffizienz, die mit niedrigen Dosen behandelbar ist. Unangemessene Insulintherapie birgt Risiken wie Hypoglykämie, insbesondere in Regionen ohne regelmäßige Blutzuckerkontrollen. Die IDF-Arbeitsgruppe arbeitet an globalen Richtlinien für Diagnose und Therapie.

Praktische Tipps für Gesundheitsfachkräfte:

  • Erheben Sie detaillierte Ernährungsdaten bei schlanken Patienten mit Diabetes-Symptomen.
  • Verwenden Sie niedrigdosierte Insulinregime und überwachen Sie engmaschig auf Hypoglykämien.
  • Fördern Sie Ernährungsinterventionen, um die zugrunde liegende Mangelernährung zu beheben.

Forschung und Zukunftsperspektiven

Die Anerkennung durch die IDF markiert einen Wendepunkt, doch weitere Forschung ist essenziell. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Meredith Hawkins entwickelt ein globales Register und Schulungsprogramme. Aktuelle Studien betonen die Notwendigkeit evidenzbasierter Therapien, da der Typ-5-Diabetes eine einzigartige Pathogenese aufweist.

Zukünftige Ansätze könnten präventive Maßnahmen gegen Unterernährung umfassen, wie Ernährungsprogramme in vulnerablen Regionen. Experten fordern mehr Investitionen, um die Prävalenz zu klären und Behandlungen zu optimieren. Ohne diese Schritte bleibt die Erkrankung eine vernachlässigte Epidemie.

Die Debatte über die Prävalenz – ob zunehmend oder abnehmend – hängt von verbesserten Diagnosen ab. In Lateinamerika könnte der Anstieg der Unterernährung zu mehr Fällen führen, wie jüngste Analysen andeuten.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist Typ-5-Diabetes und wie unterscheidet er sich genau von Typ-1- und Typ-2-Diabetes? Typ-5-Diabetes ist eine durch chronische Mangelernährung verursachte Form, die zu einer bleibenden Schädigung der insulinproduzierenden Betazellen führt, ohne dass eine Autoimmunreaktion (wie bei Typ-1) oder eine primäre Insulinresistenz (wie bei Typ-2) vorliegt; Patienten sind meist schlank, jung und haben eine Geschichte von Unterernährung, was eine einzigartige Kombination aus Insulinmangel und erhaltener Insulinsensitivität ergibt.

Welche Symptome treten bei Typ-5-Diabetes auf und wie werden sie erkannt? Die klassischen Diabetes-Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen, unerklärlicher Gewichtsverlust und Müdigkeit sind vorhanden; zusätzlich können Anzeichen vergangener Mangelernährung wie Wachstumsstörungen oder niedriger Body-Mass-Index hinweisgebend sein, wobei eine sorgfältige Ernährungsanamnese und der Ausschluss anderer Ursachen entscheidend für die korrekte Diagnose sind.

Ist Typ-5-Diabetes heilbar oder nur behandelbar? Eine vollständige Heilung ist derzeit nicht möglich, da die Schäden an der Bauchspeicheldrüse in der Regel irreversibel sind; jedoch kann durch konsequente Therapie mit niedrigdosiertem Insulin, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Überwachung eine gute Stoffwechseleinstellung erreicht werden, die Komplikationen minimiert und eine nahezu normale Lebenserwartung ermöglicht.

Welche Rolle spielt die Ernährung in der Prävention und Behandlung von Typ-5-Diabetes? Prävention erfolgt primär durch Sicherstellung ausreichender Ernährung in Kindheit und Jugend, insbesondere Protein- und Mikronährstoffzufuhr; bei bestehender Erkrankung unterstützt eine kalorien- und nährstoffreiche, ausgewogene Kost die verbliebene Pankreasfunktion und reduziert das Risiko für Hypoglykämien unter Therapie.

Kann Typ-5-Diabetes auch in wohlhabenden Ländern auftreten? Ja, wenngleich selten; Fälle können bei Migranten mit Unterernährung in der Herkunftsregion, bei Essstörungen oder extrem einseitiger Ernährung vorkommen, was Ärzte in industrialisierten Ländern sensibilisieren sollte, bei untypischen Diabetes-Präsentationen eine entsprechende Anamnese zu erheben.

Wie wirkt sich Typ-5-Diabetes auf Schwangerschaft und Nachkommen aus? Betroffene Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft, einschließlich Gestationsdiabetes-ähnlicher Probleme; zudem kann pränatale Mangelernährung das Risiko für Typ-5-Diabetes bei den Kindern erhöhen, was die Bedeutung intergenerationaler Präventionsstrategien unterstreicht.

Welche langfristigen Komplikationen drohen bei Typ-5-Diabetes? Ähnlich wie bei anderen Diabetes-Formen können Neuropathie, Retinopathie, Nephropathie und kardiovaskuläre Erkrankungen auftreten, jedoch oft später im Krankheitsverlauf; aufgrund der erhaltenen Insulinsensitivität sind schwere Hypoglykämien unter Überdosierung von Insulin eine besondere Gefahr in ressourcenarmen Settings.

Wann wird die WHO den Typ-5-Diabetes offiziell anerkennen? Ein genauer Zeitpunkt ist nicht festgelegt; die IDF-Anerkennung und laufende Forschungsarbeiten sollen evidenzbasierte Daten liefern, die eine mögliche Integration in die nächste WHO-Klassifikation erleichtern könnten, was voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird.

Quellen

Hawkins, M., Lontchi-Yimagou, E., Dasgupta, R., Anoop, S., Kehlenbrink, S., Koppaka, S., … & Yimagou, E. L. (2022). An atypical form of diabetes among individuals with low BMI. Diabetes Care, 45(6), 1428-1437. https://doi.org/10.2337/dc21-1957

Wadivkar, P., Jebasingh, F., Thomas, N., Yajnik, C. S., Vaag, A. A., … & Beall, C. (2025). Classifying a distinct form of diabetes in lean individuals with a history of undernutrition: An international consensus statement. The Lancet Global Health, 13(10), e1771-e1776. https://doi.org/10.1016/S2214-109X(25)00263-3

Prajitno, J. H., & Sutanto, H. (2025). Type 5 diabetes as a growing malnutrition driven health crisis in low- and middle-income countries. Journal of Diabetes & Metabolic Disorders, 24(1), 162-169. https://doi.org/10.1007/s40200-025-01674-w

Garg, R. (2025). Type 5 diabetes: Recognizing a distinct form of malnutrition-related diabetes in the global health landscape. Global Journal of Health Science and Research, 3(2), 45-58. https://doi.org/10.25259/GJHSR_45_2025

Spoelstra, M. N., Mari, A., Mendel, M., Senga, E., van Rheenen, P., van Dijk, T. H., … & Bandsma, R. H. J. (2022). Association of postnatal severe acute malnutrition with pancreatic exocrine and endocrine function in children and adults: A systematic review. British Journal of Nutrition, 129(3), 440-454. https://doi.org/10.1017/S0007114522001404

International Diabetes Federation. (2025). IDF launches new type 5 diabetes working group. https://idf.org/news/new-type-5-diabetes-working-group/

Bandeira, L., Chodzko-Zajko, W., & Abbott, A. (2025). Type 5 diabetes: A 70-year perspective and its implications for the Americas. The Lancet Regional Health – Americas, 47, Article 100324. https://doi.org/10.1016/j.lanam.2025.00324-2

Hirnaktivität bei Stress: Verbindung zu Depression, Angst und Herzrisiko

Depression & Angst zerstören dein Herz, die unsichtbare Gefahr

Eine neue Studie zeigt, wie stressbedingte Hirnaktivität Depression und Angst mit einem erhöhten Herzkrankheitsrisiko verknüpft....

Junge Singles in den Zwanzigern: Auswirkungen auf Lebenszufriedenheit und Einsamkeit

Single in den Zwanzigern: Weniger Zufriedenheit, mehr Einsamkeit

Single in den Zwanzigern? Eine Analyse zeigt, dass dies zu mehr Einsamkeit und geringerer Lebenszufriedenheit führt....

Kinder vor Bildschirmen: Risiken für Körperfett und Adipositas

Bildschirmzeit erhöht Körperfett bei Kindern

Eine neue Studie warnt vor den Risiken: Bildschirmzeit erhöht Körperfett bei Kindern und beeinflusst die Gesundheit negativ....

Lebensmittel und Autismus-Risiko durch Immunpfade

Spezifische Lebensmittel im Zusammenhang mit Autismus-Risiko über Immunwege

Gluten & Casein könnten Autismus-Risiko via Immunwege erhöhen – Bananen schützen eventuell. Studie zu GFCF-Diät. (106 Zeichen)...

Digitaler Zwilling in der Gehirnkrebs-Therapie

Digitaler Zwilling leitet personalisierte Therapie für Gehirnkrebs-Patienten

Entwicklungen im maschinellen Lernen bieten mit dem digitalen Zwilling neue Wege zur personalisierten Therapie für Gehirnkrebs-Patienten....