Universität von Parma: Wie sich Rückfälle bei bipolaren Störungen vorhersagen lassen

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 11. November 2020, Lesezeit: 4 Minuten

Ein Rückfall bei Menschen mit bipolarer Störung und manischen und depressiven Stimmungsschwankungen lässt sich anhand ihrer Neigung zu pessimistischen Überzeugungen genau vorhersagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität von Parma, Italien, die in der Fachzeitschrift eLife veröffentlicht wurde.

Die Ergebnisse dieser Studie könnten Medizinern ein dringend benötigtes Instrument an die Hand geben, um einen bevorstehenden Rückfall von manischen und depressiven Stimmungsschwankungen bei Menschen mit bipolaren Störungen vorherzusagen und eine rechtzeitige Behandlung zu gewährleisten.

Bipolare Störungen ist gekennzeichnet durch wiederholte Perioden von Euphorie (Manie) und Depression, unterbrochen von asymptomatischen Phasen, die als Euthymie bezeichnet werden. Bei Menschen, die kürzere Perioden asymptomatischer Euthymie aufweisen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie unter einer Beeinträchtigung, Arbeitslosigkeit, einem Krankenhausaufenthalt und verstärkten Selbstmordgefühlen leiden. Allerdings hat sich bei der bipolaren Störung die Vorhersage von Schüben mit den vorhandenen klinischen Diagnoseinstrumenten oder demographischen Informationen als weitgehend unwirksam erwiesen.

Bereits bekannt ist, dass Menschen mit Depressionen dazu neigen, negativen Informationen mehr Gewicht beizumessen als positiven. Dies wiederum führt zu pessimistischen Sichtweisen, die die Symptome weiter verschlimmern können, erklärt Paolo Ossola von der Universität Parma und Hauptautor der Studie. Die Forscher wollten untersuchen, ob Patienten, bevor es bei einer bipolaren Störung zu einem symptomatischen Rückfall kommt, ein bestimmtes Muster in der Art und Weise zeigen, wie sie ihre Meinungen aufgrund neuer Informationen ändern. Dieses Muster macht sie anfälliger für einen Rückfall.

Die Forschergruppe führte mit 36 Personen mit bipolarer Störung eine Aufgabe zur Aktualisierung ihrer Überzeugungen durch und überwachte sie dann fünf Jahre lang alle zwei Monate, um festzustellen, wann sie Symptome eines Rückfalls entwickelten. Im Rahmen der Aufgabe zur Überprüfung der Überzeugungen erhielten die Patienten Informationen über 40 unerwünschte Lebensereignisse, wie zum Beispiel einen Überfall oder Kreditkartenbetrug. Sie wurden gebeten, einzuschätzen, wie wahrscheinlich es ist, das dieses Ereignis eintritt.

Als nächstes erhielten die Patienten Informationen über die tatsächliche Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis eintritt. In einigen Fällen erhielten sie schlechte Nachrichten (zum Beispiel eine höhere Wahrscheinlichkeit eines Raubüberfalls als sie dachten) und in einigen Fällen positive Nachrichten (zum Beispiel war die Wahrscheinlichkeit, dass sie Opfer von Kreditkartenbetrug wurden, geringer als sie dachten).

Bei einer zweiten, späteren Sitzung wurden sie erneut gebeten, ihre persönliche Einschätzung der Wahrscheinlichkeit zu geben, mit dem Ereignis konfrontiert zu werden. Die Differenz zwischen dem Ausmaß, in dem sie ihre Überzeugungen als Reaktion auf gute oder schlechte Nachrichten aktualisierten (der so genannte „Belief-update-Bias“), wurde dann damit verglichen, wie schnell sie einen Rückfall erlitten.

Aus der Analyse ging hervor, dass bei Menschen, die ihre Überzeugungen als Reaktion auf positive Informationen stärker verändert hatten und eher optimistisch waren, eine längere Zeitspanne bis zum nächsten Auftreten von Symptomen verging. Allerdings konnte die Methode nicht vorhersagen, ob die nächste Episode wahrscheinlich eine Manie oder Depression sein würde.

Bei der Untersuchung anderer klinischer Merkmale wie Alter, Vorgeschichte psychotischer Symptome und Dauer der Erkrankung war nur die Verzerrung bei der Aktualisierung der Überzeugungen eng mit der längeren Zeitspanne verbunden, die in einer eurythmischen Phase verbracht wurde, wobei die Einnahme von Antidepressiva mit einer kürzeren Dauer der Eurythmie in Verbindung gebracht wurde.

Die Ergebnisse der Studie zeigen laut Tali Sharot, Professor für kognitive Neurowissenschaften an der Abteilung für Experimentalpsychologie am University College London, dass das Ausmaß, in dem Patienten mit einer bipolaren Störung ihre Überzeugungen als Reaktion auf positive Informationen im Vergleich zu negativen Informationen änderten, den Zeitpunkt eines Rückfalls vorhersagte, so die Forscher

Wie sich die Überzeugungen von Menschen mit bipolaren Störungen verändern, könnte in Zukunft als Instrument zur Risikoprädiktion für die bipolare Störung eingeführt werden, so dass Patienten und Kliniker ihre Aufmerksamkeit erhöhen können, um Symptome von manischen und depressiven Stimmungsschwankungen bei Menschen mit bipolaren Störungen zu erkennen und gegebenenfalls einzugreifen.

(Quellen: eLive / Universität von Parma / The paper ‚Belief updating in bipolar disorder predicts time of recurrence‘ )

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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