Studie: Wirkung von Omega-3 bei Kindern – aus wissenschaftlicher Sicht

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 16. Mai 2023, Lesezeit: 10 Minuten

Wofür sind welche Omega-3-Fettsäuren bei Kindern gut?

Bessere Aufmerksamkeit und weniger Impulsivität

Laut einer Studie von Forscher in Spanien ist Docosahexaensäure (DHA) mit einer verbesserten Fähigkeit zur selektiven und anhaltenden Aufmerksamkeit bei Jugendlichen verbunden, während Alpha-Linolensäure (ALA) mit einer geringeren Impulsivität in Verbindung gebracht wird.

  • Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörungen gelten neben Hyperaktivität zu den Kernsymptomen von ADHS.

Die Studie war eine Zusammenarbeit zwischen dem Instituto de Salud Global de Barcelona (ISGlobal) und dem Institut d’Investigació Sanitària Pere Virgili (IISPV).

Die in der Fachzeitschrift European Child & Adolescent Psychiatry veröffentlichten Forschungsergebnisse bestätigen, wie wichtig eine Ernährung mit ausreichenden Mengen dieser mehrfach ungesättigten Fettsäuren für eine gesunde Entwicklung des Gehirns ist.

Während der Wachstumsphase des Gehirns kommt es zu wichtigen strukturellen und funktionellen Veränderungen, insbesondere im präfrontalen Bereich, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Aufmerksamkeit spielt.

Die im Gehirn, insbesondere im präfrontalen Bereich, am häufigsten vorkommende Fettsäure ist die Docosahexaensäure (DHA), die hauptsächlich durch den Verzehr von fettem Fisch aufgenommen wird.

Obwohl die Bedeutung der Docosahexaensäure (DHA) für die Entwicklung des menschlichen Gehirns bekannt ist, gibt es nach Aussage von Jordi Júlvez, Forscher am Institut für Gesundheitsforschung Pere Virgili, nur wenige wissenschaftliche Studien, die untersucht haben, ob diese Fettsäure eine Rolle bei der Aufmerksamkeitsleistung gesunder Jugendlicher spielt.

Auch die mögliche Rolle der Alpha-Linolensäure (ALA), einer weiteren Omega-3-Fettsäure pflanzlichen Ursprungs, ist noch nicht eingehend untersucht worden. Angesichts des geringen Fischverzehrs in den westlichen Gesellschaften ist dies von Bedeutung.

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob eine höhere Zufuhr von Docosahexaensäure (DHA) und Alpha-Linolensäure (ALA) mit einer verbesserten Aufmerksamkeitsleistung bei einer Gruppe von 332 Jugendlichen aus verschiedenen Schulen in Barcelona verbunden ist.

Die Jugendlichen nahmen an computergestützten Tests teil, bei denen die Reaktionszeiten gemessen wurden, um die Fähigkeit zur selektiven und anhaltenden Aufmerksamkeit, die Fähigkeit zur Hemmung ablenkender Reize und die Impulsivität zu bestimmen.

Ferner beantworteten die Jugendlichen eine Reihe von Fragen zu ihren Ernährungsgewohnheiten und gaben Blutproben ab, um die Konzentration von Docosahexaensäure (DHA) und Alpha-Linolensäure (ALA) in den roten Blutkörperchen zu messen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein höherer DHA-Spiegel mit einer höheren selektiven und persistierenden Aufmerksamkeit sowie einer höheren hemmenden Aufmerksamkeit einhergeht.

  • Alpha-Linolensäure (ALA) war dagegen nicht mit der Aufmerksamkeitsleistung assoziiert, wohl aber mit einer geringeren Impulsivität (eines der drei Kernsymptome von ADHS).

Die Bedeutung der Alpha-Linolensäure (ALA) für die Aufmerksamkeitskontrolle ist noch unklar, aber dieses Ergebnis könnte von klinischer Bedeutung sein, da Impulsivität ein Merkmal verschiedener psychiatrischer Erkrankungen wie ADHS ist, erklärt Ariadna Pinar-Martí, Erstautorin der Studie.

  • Die Studie legt nahe, dass Docosahexaensäure (DHA) in der Nahrung wahrscheinlich eine Rolle bei der Bewältigung von Konzentrations- und Aufmerksamkeitsaufgaben spielt.

Weitere Studien seien jedoch notwendig, um einen kausalen Zusammenhang zu bestätigen und die Rolle der Alpha-Linolensäure (ALA) besser zu verstehen, so Júlvez.

Die Ergebnisse ergänzen die bereits vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Vorteile des Verzehrs von fettem Fisch (der Hauptquelle von Docosahexaensäure, DHA) zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Gehirn vor dem Erwachsenenalter am besten entwickelt.

Wohnbedingungen können Kinder mit ADHS beeinflussen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist die am häufigsten diagnostizierte Verhaltens- und Entwicklungsstörung bei Kindern.

  • Kinder mit ADHS haben Schwierigkeiten mit einem oder mehreren der Hauptsymptome – Unaufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsdefizit), Impulsivität und Hyperaktivität.

Die Ursachen von ADHS sind noch nicht vollständig geklärt, aber in den meisten Fällen scheinen genetische Faktoren bei der Entwicklung der Krankheit eine Rolle zu spielen.

Es gibt jedoch auch Umweltfaktoren, die die Schwere der ADHS-Symptome und die Behandlungsergebnisse beeinflussen können.

Einfluss von Umwelt und Wohnumgebung auf ADHS-Symptome

Eine Studie der University of New South Wales (UNSW) in Australien ergab, dass ADHS bei Kindern mit der Umweltqualität der Wohnräume korreliert.

Bei mehr als einem von zehn Kindern mit ADHS wurden Faktoren der Wohnqualität wie Beleuchtung, Lärmpegel, Luftqualität und Wärmekomfort mit den Symptomen und der Diagnose von ADHS in Verbindung gebracht.

Die Forschungsergebnisse, die in der Zeitschrift Sustainability veröffentlicht wurden, spiegeln die wachsende Besorgnis über die Auswirkungen einer schlechten Raumqualität in Schulen und Wohnungen auf das Wohlbefinden von Kindern, insbesondere von Kindern mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten, wider.

Obwohl die Forschungsergebnisse nicht notwendigerweise eine Kausalität implizieren und es eine Reihe von Störfaktoren gibt, die nicht kontrolliert werden konnten, deutet diese Studie darauf hin, dass die Innenraumumgebung einen gewissen Einfluss auf die Symptome und den Schweregrad von ADHS bei Kindern hat“, sagt Professor Valsamma Eapen, Kinderpsychiaterin und Hauptautorin der Studie von der UNSW Medicine & Health.

In der Studie untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen der Wohnqualität und ADHS bei Kindern. Dazu befragten sie 435 Eltern von Kindern mit ADHS im Alter von 5 bis 17 Jahren in Australien. Zum Vergleich wurde eine Kontrollgruppe von Kindern ohne ADHS in die Studie einbezogen.

Die Studie ergab, dass bei mehr als einem von zehn Kindern mit ADHS die Wohnqualität mit den Symptomen und der Diagnose ADHS zusammenhing. Je schlechter die Wohnqualität war, desto stärker waren die ADHS-Symptome ausgeprägt.

Laut Sima Alizadeh, Hauptautorin der Studie und Doktorandin an der School of Built Environment der UNSW Arts, Design & Architecture, reagieren Kinder mit ADHS möglicherweise besonders sensibel auf ihre alltägliche Umgebung und ihr Wohnumfeld.

Insbesondere der Schweregrad von Unaufmerksamkeit (Unkonzentriertheit) und Hyperaktivität-Impulsivität wurde durch den gemeinsamen Einfluss von Luftqualität, akustischer Qualität und Problemen mit Beleuchtung und Wärmekomfort in der Wohnung beeinflusst.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Forschungen, die ebenfalls gezeigt haben, dass alltägliche Ablenkungen wie Lärm das psychische Wohlbefinden von Kindern beeinträchtigen und Aufmerksamkeits- und Verhaltensstörungen bei Kindern mit ADHS verschlimmern können.

Laut Prof. Eapen ist es wichtig, dass wir uns nicht nur auf die Luftqualität und den Wärmekomfort in den eigenen vier Wänden konzentrieren, sondern auch darauf, wie alle Bereiche unseres Lebens, wie beispielsweise Außenbereiche und Grünflächen, Kindern mit ADHS besser helfen können.

Vorhersage des ADHS-Risikos durch Faktoren in der Schwangerschaft

Informationen, die bei der Geburt zur Verfügung stehen, können helfen, Kinder zu identifizieren, die ein höheres Risiko haben, an ADHS zu erkranken.

  • Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des RCSI University of Medicine and Health Sciences in Dublin.

Für die Studie, die in dem Fachblatt Development and Psychopathology veröffentlicht wurde, wurden die Daten von fast 10.000 US-amerikanischen Kindern ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass sich anhand von Informationen über Schwangerschaft und Geburt das Ausmaß von ADHS-Symptomen in der Kindheit vorhersagen lässt.

  • Die Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Studie ist eine laufende Untersuchung von Kindern, die zwischen 2005 und 2009 in den USA geboren wurden.
  • Die teilnehmenden Kinder wurden im Alter von 9 bis 10 Jahren in die Studie aufgenommen, und ihre Eltern wurden zu Aspekten der Schwangerschaft und Geburt sowie zur aktuellen psychischen Gesundheit ihres Kindes befragt.

Das Forscherteam des RCSI University of Medicine and Health Sciences ermittelte insgesamt 40 Faktoren, die in der Regel zum Zeitpunkt der Geburt bekannt sind, darunter das Geschlecht des Kindes, das Alter der Eltern, Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt sowie die Exposition des Kindes im Mutterleib gegenüber Faktoren wie Zigarettenrauch.

  • Mit Hilfe maschineller Lernverfahren und statistischer Methoden fanden die Forscher heraus, dass 17 der 40 Faktoren besonders gut geeignet sind, um die Anzahl der ADHS-Symptome in der Kindheit vorherzusagen.

Laut Dr. Niamh Dooley von der Abteilung für Psychiatrie des RCSI konzentrierten sich die Forscher auf leicht zugängliche Informationen über Schwangerschaften und Geburten, wie sie in Schwangerschaftsunterlagen zu finden sind.

  • Die Studie berücksichtigte auch den Einfluss sozialer, wirtschaftlicher und demografischer Faktoren auf die Gesundheit von Mutter und Kind.

Laut Professor Mary Cannon, Professorin für Psychiatrische Epidemiologie und Jugendpsychiatrie am RCSI University of Medicine and Health Sciences, können Informationen über die Geburt allein nicht vorhersagen, welches Kind ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) entwickeln wird, aber sie können dazu beitragen, diejenigen Kinder zu identifizieren, die am meisten Unterstützung benötigen, insbesondere in Kombination mit anderen Faktoren wie Genetik oder Familiengeschichte und dem frühen Lebensumfeld.

Zu den Faktoren, die sich in der Studie als relevant für die Vorhersage von ADHS-Symptomen in der Kindheit erwiesen, gehörten das Geschlecht (männlich) und Faktoren, denen die Kinder im Mutterleib ausgesetzt waren, wie Freizeitdrogen (Alkohol, Zigarettenrauch usw.), aber auch Harnwegsinfektionen oder ein niedriger Eisengehalt im Blut der Mutter.

Kinder und Nahrungsergänzungsmittel

Kinder brauchen in der Regel keine Vitamine und Mineralstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Wichtig sind vielmehr eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, genug Schlaf und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft. Das fördert die Hirndurchblutung und die Denkleistung besser als die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Besonders bei Kindern sollte man auf natürliche Nährstoffquellen zurückgreifen, vor allem auf pflanzliche Lebensmittel. Gute Lieferanten für Folat (B-Vitamin) sind grünes Blattgemüse, Vollkornprodukte (insbesondere Haferflocken) und Hülsenfrüchte. Vitamin D ist in fettreichem Seefisch wie Lachs, Makrele und Hering, in Hühnereiern und in Margarine enthalten. Vor allem aber wird Vitamin D unter Sonneneinstrahlung in den Sommermonaten vom menschlichen Körper selbst gebildet und gespeichert.

Langkettige Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) finden sich in fettreichem Seefisch und in Mikroalgenölen. Darüber hinaus sind pflanzliche Öle wie Leinöl, Rapsöl und Walnussöl, die alpha-Linolensäure enthalten, zu bevorzugen.

 

Quellen

  • Barcelona Institute for Global Health
  • RCSI University of Medicine and Health Sciences
  • Ariadna Pinar-Martí et al, Red blood cell omega-3 fatty acids and attention scores in healthy adolescents, European Child & Adolescent Psychiatry (2022). DOI: 10.1007/s00787-022-02064-w
  • Niamh Dooley et al, Predicting childhood ADHD-linked symptoms from prenatal and perinatal data in the ABCD cohort, Development and Psychopathology (2023). DOI: 10.1017/S0954579423000238
  • Sima Alizadeh et al, Home Indoor Environmental Quality and Attention Deficit Hyperactivity Disorder, Sustainability (2023). DOI: 10.3390/su15042899

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 Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

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