Prädiabetes und Insulinresistenz: Ursache, Diagnose, Symptome, Tests

Prädiabetes und Insulinresistenz: Ursachen, Diagnose, Symptome, Tests und Gegenmaßnahmen

Ein Beitrag der Medizin Doc Redaktion vom 15. Oktober 2020

Insulinresistenz und Prädiabetes treten auf, wenn der Körper auf das Insulin nicht richtig reagiert.

Was ist Insulin?

Insulin ist ein von der Bauchspeicheldrüse erzeugtes Hormon, das dafür sorgt, dass die Glukose im Blut in die Muskel-, Fett- und Leberzellen gelangt, wo sie zur Energiegewinnung genutzt wird. Glukose wird aus den Nahrungsmitteln gewonnen, die wir täglich zu uns nehmen. Auch die Leber produziert Glukose in Phasen besonderer Bedürftigkeit, zum Beispiel beim Fasten. Wenn der Blutzuckerspiegel (auch Blutzucker genannt) nach dem Essen ansteigt, produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin, das in das Blut abgegeben wird. Das Insulin senkt dann den Blutzuckerspiegel, um ihn im Normbereich zu halten.

Was ist Insulinresistenz?

Von Insulinresistenz spricht man, wenn die Zellen in unseren Muskeln, im Fett und in der Leber nicht ausreichend auf Insulin reagieren und die Glukose aus dem Blut nicht ohne weiteres aufnehmen können. Infolgedessen produziert die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin, damit die Glukose in die Zellen gelangen kann. Solange die Bauchspeicheldrüse genügend Insulin produzieren kann, um die schwache Reaktion der Zellen auf das Insulin zu überwinden, bleiben die Blutzuckerwerte in einem gesunden Bereich.

Was ist Prädiabetes?

Prädiabetes bedeutet, dass der Blutzuckerspiegel höher als normal, aber nicht hoch genug ist, um als Diabetes diagnostiziert zu werden. Prädiabetes tritt in der Regel bei Menschen auf, die bereits eine gewisse Insulinresistenz haben oder deren Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin produzieren, um den Blutzuckerspiegel im Normalbereich zu halten. Ohne genügend Insulin bleibt die zusätzliche Glukose im Blutkreislauf und gelangt nicht in die Zellen. Mit der Zeit kann sich bei Betroffenen Diabetes Typ 2 entwickeln.

Wie häufig ist Prädiabetes?

In den Vereinigten Staaten leben mehr als 84 Millionen Menschen ab 18 Jahren mit Prädiabetes. Für Deutschland gibt es hierzu noch keine exakten Zahlen. Die Zahl der an Prädiabetes Erkrankten soll aber in Deutschland schätzungsweise auf einem ähnlichen Niveau liegen wie in den USA.

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Bei wem ist die Wahrscheinlichkeit höher, eine Insulinresistenz oder Prädiabetes zu entwickeln?

Menschen mit genetischen oder durch ihren Lebensstil bedingten Risikofaktoren haben ein höheres Risiko, eine Insulinresistenz oder Prädiabetes zu entwickeln. Zu den Risikofaktoren gehören beispielsweise:

Bei Menschen mit metabolischem Syndrom – einer Kombination aus hohem Blutdruck, krankhaft hohen Cholesterinwerten und einem großen Taillenumfang – ist die Wahrscheinlichkeit höher, an Prädiabetes zu erkranken.

Neben diesen Risikofaktoren gibt es noch weitere Faktoren, die zur Insulinresistenz beitragen können:

  • bestimmte Präparate, wie Glukokortikoide, einige Antipsychotika und einige Mittel gegen HIV
  • hormonelle Störungen, wie das Cushing-Syndrom und Akromegalie
    Schlafprobleme, insbesondere Schlafapnoe

Obwohl man Risikofaktoren wie Familiengeschichte, Alter oder ethnische Zugehörigkeit nicht ändern kann, kann man die Lebensstilbedingten Risikofaktoren rund um Ernährung, körperliche Aktivität und Gewicht durchaus anpassen. Diese Änderungen des Lebensstils können das Risiko einer Insulinresistenz oder von Prädiabetes verringern. Übergewicht oder Adipositas sind Risikofaktoren für die Entwicklung von Insulinresistenz oder Prädiabetes.

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Was verursacht Insulinresistenz und Prädiabetes?

Forscher verstehen bislang noch nicht ganz, was Insulinresistenz und Prädiabetes verursacht, aber sie halten Übergewicht und Bewegungsmangel für die Hauptfaktoren.

Ursache Übergewicht und Bewegungsmangel

Experten gehen davon aus, dass Fettleibigkeit, insbesondere zu viel Fett im Bauchraum und um die Organe herum, das so genannte viszerale Fett, eine Hauptursache für Insulinresistenz ist. Ein Taillenumfang von 94 Zentimetern oder mehr bei Männern und 80 Zentimetern oder mehr bei Frauen ist mit Insulinresistenz verbunden. Dies gilt selbst dann, wenn der Body-Mass-Index (BMI) im Normbereich liegt.

Früher dachten Forscher, dass Fettgewebe nur als Energiespeicher dient. Studien haben nunmehr jedoch gezeigt, dass Bauchfett Hormone und andere Substanzen bildet, die zu chronischen oder lang anhaltenden Entzündungen im Körper beitragen können. Entzündungen können bei Insulinresistenz, Diabetes Typ-2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen.

Übergewicht kann zu Insulinresistenz führen, die wiederum eine Rolle bei der Entstehung von Fettlebererkrankungen spielen kann.

Bewegungsmangel

Zu wenig körperliche Aktivität steht im Zusammenhang mit Insulinresistenz und Prädiabetes. Regelmäßige und ausreichende körperliche Bewegung bewirkt Veränderungen im Körper, die ihn besser in die Lage versetzen können, den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten. Als Richtwert für ausreichend Bewegung gelten 6.000 bis 10.000 Schritte pro Tag, wobei gilt: Je mehr Schritte, desto besser.

Was sind die Symptome von Insulinresistenz und Prädiabetes?

Bei Insulinresistenz und Prädiabetes treten in der Regel keine Symptome auf. Bei manchen Menschen mit Prädiabetes kann sich die Haut in der Achselhöhle oder am Rücken und an den Seiten des Halses dunkel färben. Es handelt sich dabei um Acanthosis nigricans. Viele kleine Hautwucherungen treten häufig an denselben Stellen auf.

Auch wenn der Blutzuckerspiegel bei den meisten Menschen nicht hoch genug ist, um Symptome zu verursachen, haben einige wenige Forschungsstudien gezeigt, dass einige Menschen mit Prädiabetes bereits frühe Veränderungen ihrer Augen haben, die zu Retinopathie führen können. Dieses Problem tritt häufiger bei Menschen mit Diabetes auf.

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Diagnose: Wie diagnostizieren Ärzte Insulinresistenz und Prädiabetes?

Ärzte und Ärztinnen verwenden Bluttests, um herauszufinden, ob jemand an Prädiabetes leidet, aber sie testen normalerweise nicht auf Insulinresistenz. Der genaueste Test auf Insulinresistenz ist kompliziert und wird meist für die Forschung verwendet.

Ärzte und Ärztinnen verwenden beispielsweise den Nüchtern-Plasmaglukose-Test (FPG) oder den Hämoglobin A1c-Test (HbA1c), um Prädiabetes zu diagnostizieren. Weniger häufig verwenden Ärzte den oralen Glukosetoleranztest (OGTT), der teurer und nicht so einfach durchzuführen ist.

Der HbA1c -Test spiegelt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 3 Monate wider. Der FPG und der OGTT zeigen den aktuellen Blutzuckerspiegel zum Zeitpunkt des Tests an. Der HbA1c -Test ist nicht so sensitiv wie die anderen Tests. Bei manchen Menschen kann er Prädiabetes übersehen, den der OGTT erfassen könnte. Der OGTT kann feststellen, wie der Körper mit Glukose nach einer Mahlzeit umgeht – oft bevor der Nüchternblutzuckerspiegel auffällig wird. Häufig setzen Ärzte den OGTT ein, um auf Schwangerschaftsdiabetes zu prüfen, eine Diabetesart, die sich während der Schwangerschaft entwickelt.

Menschen mit Prädiabetes haben eine bis zu 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, in den folgenden 5 bis 10 Jahren an Diabetes zu erkranken. Allerdings kann man Maßnahmen ergreifen, um Prädiabetes in den Griff zu bekommen und Diabetes Typ-2 vorzubeugen.

Wenn Sie übergewichtig oder fettleibig sind und einen oder mehrere Risikofaktoren für Diabetes haben, oder wenn Ihre Eltern, Geschwister oder Kinder an Diabetes Typ 2 leiden, sollten Sie sich auf Prädiabetes testen lassen. Auch wenn Sie keine Risikofaktoren haben, sollten Sie mit dem Test beginnen, sobald Sie 45 Jahre alt sind.

Wenn die Ergebnisse normal sind, Sie aber andere Risikofaktoren für Diabetes haben, sollten Sie sich mindestens alle 3 Jahre erneut testen lassen.

Wie kann man Insulinresistenz und Prädiabetes vorbeugen oder rückgängig machen?

Körperliche Aktivität und gegebenenfalls Gewichtsabnahme können dem Körper helfen, besser auf Insulin zu reagieren. Kleine Schritte, wie zum Beispiel gesündere Ernährung und mehr Bewegung, können helfen, die Insulinresistenz umzukehren und Diabetes Typ 2 bei Menschen mit Prädiabetes zu verhindern oder hinauszuzögern.

(Quelle: NIH/NIDDK)

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Ein Videobeitrag des Helmholtz Zentrum München über die Vorstadien von Diabetes Typ-2: Insulinresistenz und das metabolische Syndrom:

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