Forschung: Glucosamin kann Lebensdauer um bis zu 8 Jahre steigern

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Dirk de Pol, aktualisiert am 1. Dezember 2021, Lesezeit: 4 Minuten

Wirkung von Glucosamin

Glucosamin, ein natürlich vorkommender Aminozucker, wird häufig zusammen mit Chondroitin einem Molekül, das im Bindegewebe vorkommt, als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, das gegen arthritische Schmerzen wirksam sein soll.

Einnahme von Glucosamin kann das Leben deutlich verlängern

Interessanter ist jedoch eine andere, nun erneut nachgewiesene Eigenschaft, die sich schon in älteren Studien abzeichnete. Eine aktuelle epidemiologische Studie, in der die Sterblichkeit untersucht wurde, kommt zu dem Schluss, dass sich durch die regelmäßigen Einnahme von Glucosamin (Glucosamin/Chondroitin) das Leben deutlich verlängern lässt.

Das Journal of the American Board of Family Medicine veröffentlichte die Ergebnisse einer Studie, die Dana King, Professor an der West Virginia University School of Medicine, in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsdatenanalysten Jun Xiang durchgeführt hat.

In dieser Studie wurden die Daten von mehr als 16.500 Erwachsenen im Alter von über 40 Jahren mit den Sterblichkeitsdaten von 2015 abgeglichen. Von den Umfrageteilnehmern gaben 658 (oder 4 Prozent) an, dass sie seit einem Jahr oder länger regelmäßig ein Glucosamin/Chondroitin-Präparat nehmen.

  • Die Mortalitätsdaten zeigten, dass diese 658 Teilnehmer eine um 39 Prozent niedrigere Gesamtmortalitätsrate aufwiesen als die anderen Studienteilnehmer. Bei den durch Herzkrankheiten bedingten Todesfällen war die Sterblichkeitsrate in der der Teilnehmergruppe, die Glucosamin/Chondroitin einnahmen sogar um 65 Prozent niedriger.

Weniger Todesfälle durch Krebs und Atemwegserkrankungen

In ihrer Untersuchung weisen King und Xiang darauf hin, dass auch schon eine epidemiologische Studie aus dem Jahr 2019 einen Zusammenhang zwischen Glucosamin-Nahrungsergänzungsmitteln und der Verringerung von Todesfällen durch Herzerkrankungen herstellt, und auch eine andere Studie aus dem Jahr 2012, zeigte schon, dass die regelmäßige Einnahme von Glucosamin/Chondroitin-Präparaten, weniger Todesfälle durch Krebs und Atemwegserkrankungen auftraten.

Bereits 2014 führte Michael Ristow vom Labor für Energiestoffwechsel der ETH Zürich mit seinem Team Versuche zu den Auswirkungen von Glucosamin bei Mäusen durch. Die Forscher fütterten 100 Tage alte Mäuse, was einem menschlichen Alter von 65 Jahren entspricht – mit glucosaminhaltiger Nahrung.

Die Kontrollgruppe bildeten Mäuse, die ohne Glucosamin-Anreicherung gefüttert wurden. Ergebnis: Die durchschnittliche Lebenserwartung der Glucosamin-Mäuse stieg um ca. 10 Prozent. Auf den Menschen übertragen heißt das: acht Jahre länger leben. Auch der BlutzuckerStoffwechsel der Mäuse verbesserte sich.

Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln, die Glucosamin und Chondroitin beinhalten

  • Für Menschen, die an Diabetes mellitus leiden, birgt die Einnahme von Glucosamin gesundheitliche Risiken.
  • Bei Menschen mit einer Allergie gegen Krebstiere kann Glucosamin ein Problem darstellen, bei Fischallergikern Chondroitin.
  • Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung bestehen bei Nahrungsergänzungsmitteln, die Glucosamin und Chondroitin enthalten, Wechselwirkungen mit Medikamenten, besonders mit bestimmten Antikoagulantien.
  • Laut Verbraucherzentrale sind Präparate die Glucosamin und/oder Chondroitin enthalten für Schwangere, stillende Mütter, Kinder und Jugendliche nicht geeignet.
  • Bei Schmerzbeschwerden sollten in Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin die richtigen Behandlungsmöglichkeiten abgeklärt werden.

Als häufige unerwünschte Nebenwirkungen bei Chondroitin-haltigen präpareten mit einer Dosierung von 730 bis 1.000 mg pro Tag werden Magen-Darm-Beschwerden wie zum Beispiel Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit sowie Kopfschmerzen oder auch Schwindelgefühl genannt.

Generell git: Zuerst einen Arzt fragen.

Quellen


Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen! Die Quellen des Beitrags sind in ihm verlinkt.

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