Erektionsstörung: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

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Dirk de Pol, aktualisiert am 12. Juni 2023, Lesezeit: 10 Minuten

Eine Erektionsstörung, auch als erektile Dysfunktion bekannt, bezeichnet die Unfähigkeit, eine ausreichende Erektion aufrechtzuerhalten, um eine zufriedenstellende sexuelle Aktivität zu ermöglichen. Es ist wichtig zu betonen, dass gelegentliche Erektionsprobleme normal sind und keine sofortige Besorgnis erfordern. Eine erektile Dysfunktion wird diagnostiziert, wenn diese Probleme über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten und sich wiederholt bemerkbar machen.

Ursachen von Erektionsstörungen

Eine Erektionsstörung kann verschiedene Ursachen haben, die oft in Kombination auftreten. Hier sind einige der häufigsten Faktoren, die zu diesem Problem beitragen können:

  1. Psychologische Faktoren: Psychische Belastungen wie Stress, Angstzustände, Depressionen und Beziehungsprobleme können die sexuelle Funktion beeinträchtigen und zu Erektionsstörungen führen. Die Psyche spielt eine wichtige Rolle bei der sexuellen Erregung und dem Erreichen einer Erektion.
  2. Körperliche Gesundheitszustände: Verschiedene körperliche Erkrankungen können Erektionsstörungen verursachen oder begünstigen. Dazu gehören Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, hormonelle Störungen, neurologische Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen und Fettleibigkeit. Diese Gesundheitszustände können die Durchblutung, die Nervenfunktion und den Hormonhaushalt beeinflussen und somit die erektile Funktion beeinträchtigen.
  3. Medikamente und Substanzen: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Erektionsprobleme verursachen. Dazu gehören bestimmte Blutdruckmedikamente, Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Antipsychotika und Chemotherapeutika. Der übermäßige Konsum von Alkohol, Tabak und Drogen kann ebenfalls die sexuelle Funktion beeinträchtigen.
  4. Lebensstilfaktoren: Ein ungesunder Lebensstil kann zu Erektionsstörungen beitragen. Mangelnde körperliche Aktivität, unausgewogene Ernährung, Übergewicht, übermäßiger Stress und schlechter Schlaf können sich negativ auf die sexuelle Gesundheit auswirken und zu Erektionsproblemen führen.
  5. Psychosoziale Faktoren: Beziehungsprobleme, mangelndes Vertrauen, Kommunikationsprobleme und negative sexuelle Erfahrungen können eine Erektionsstörung beeinflussen. Es ist wichtig, die emotionalen und zwischenmenschlichen Aspekte zu berücksichtigen, um eine ganzheitliche Behandlung anzustreben.

Symptome einer Erektionsstörung

Die Symptome einer Erektionsstörung können individuell unterschiedlich sein. Hier sind einige häufige Anzeichen, die auf eine erektile Dysfunktion hinweisen können:

  • Schwierigkeiten, eine ausreichende Erektion zu bekommen
  • Schwierigkeiten, eine Erektion aufrechtzuerhalten
  • Verringerte Steifheit der Erektion
  • Verringerte sexuelle Lust oder Libido
  • Veränderungen im sexuellen Verlangen
  • Schwierigkeiten, sexuelle Befriedigung zu erreichen

Es ist wichtig anzumerken, dass diese Symptome regelmäßig und über einen längeren Zeitraum auftreten müssen, um eine Diagnose einer Erektionsstörung zu erhalten. Gelegentliche Erektionsprobleme sind normal und können verschiedene Ursachen haben.

Diagnose von Erektionsstörungen

Um eine Erektionsstörung korrekt zu diagnostizieren, ist eine gründliche Untersuchung erforderlich. Ein Arzt oder Urologe wird Ihre medizinische Vorgeschichte erheben, körperliche Untersuchungen durchführen und gegebenenfalls zusätzliche Tests anordnen. Hier sind einige gängige Diagnoseverfahren:

  1. Medizinische Anamnese: Der Arzt wird Sie nach Ihren Symptomen, Ihrer sexuellen Geschichte, Ihrem Lebensstil und Ihrer allgemeinen Gesundheit befragen. Eine offene Kommunikation ist wichtig, um eine genaue Diagnose zu ermöglichen.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird eine körperliche Untersuchung durchführen, um mögliche körperliche Ursachen für die Erektionsstörung auszuschließen. Dies kann eine Untersuchung des Genitalbereichs, eine Blutdruckmessung und eine Untersuchung des kardiovaskulären Systems umfassen.
  3. Bluttests: Bluttests können Informationen über den Hormonspiegel, den Blutzuckerspiegel, das Cholesterin und andere Marker liefern, die auf mögliche zugrunde liegende Erkrankungen hinweisen können.
  4. Urintests: Manchmal werden Urinproben analysiert, um Infektionen oder andere zugrunde liegende Erkrankungen auszuschließen.
  5. Psychologische Bewertung: Bei Verdacht auf psychische Ursachen kann eine psychologische Bewertung durchgeführt werden, um eventuelle psychische Belastungen oder Störungen zu erkennen.

Behandlungsmöglichkeiten für Erektionsstörungen

Die Behandlung von Erektionsstörungen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Hier sind einige Behandlungsmöglichkeiten, die zur Verfügung stehen:

  1. Lebensstiländerungen: Gesunde Veränderungen des Lebensstils können eine positive Wirkung auf die erektile Funktion haben. Regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung, Stressbewältigungstechniken und ausreichender Schlaf können dazu beitragen, Erektionsprobleme zu verbessern.
  2. Psychologische Unterstützung: Bei psychischen Ursachen können psychologische Beratung, Therapie oder Paartherapie hilfreich sein, um Stress, Ängste oder Beziehungsprobleme anzugehen.
  3. Medikamentöse Behandlung: PDE-5-Hemmer sind weit verbreitete Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen. Diese Medikamente verbessern den Blutfluss zum Penis, um eine Erektion zu erleichtern. Die Einnahme dieser Medikamente sollte jedoch unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
  4. Hormontherapie: Bei nachgewiesenem Hormonmangel kann eine Hormontherapie in Betracht gezogen werden, um den Hormonspiegel auszugleichen und die erektile Funktion zu verbessern.
  5. Vakuumpumpen und Penisimplantate: In einigen Fällen können mechanische Hilfsmittel wie Vakuumpumpen oder Penisimplantate verwendet werden, um eine Erektion zu erreichen. Diese Behandlungsoptionen sollten mit einem Facharzt besprochen werden.
  6. Alternative Therapien: Es gibt verschiedene alternative Therapien wie Akupunktur, Nahrungsergänzungsmittel und natürliche Heilmittel, von denen behauptet wird, dass sie bei Erektionsstörungen helfen können. Es ist wichtig, die Wirksamkeit und Sicherheit solcher Behandlungen mit einem Arzt zu besprechen.

Prävention von Erektionsstörungen

Obwohl Erektionsstörungen nicht immer verhindert werden können, gibt es dennoch einige Präventionsstrategien, die dazu beitragen können, das Risiko zu verringern:

  1. Gesunder Lebensstil: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und ausreichend Schlaf können die allgemeine Gesundheit fördern und das Risiko für Erektionsstörungen reduzieren.
  2. Stressmanagement: Stress kann eine Rolle bei Erektionsstörungen spielen. Daher ist es wichtig, Stressbewältigungstechniken wie Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga zu erlernen.
  3. Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum: Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum können sich negativ auf die sexuelle Gesundheit auswirken. Der Verzicht auf diese schädlichen Gewohnheiten kann das Risiko von Erektionsstörungen verringern.
  4. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Regelmäßige Arztbesuche können dazu beitragen, potenzielle Gesundheitsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  5. Offene Kommunikation: Eine offene Kommunikation mit dem Partner und gegebenenfalls mit einem Arzt kann dazu beitragen, psychologische und zwischenmenschliche Probleme anzugehen, die Erektionsstörungen beeinflussen könnten.

Kosten der Behandlung

Die Behandlung der erektilen Dysfunktion ist ein Thema, das im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung spezifische Regelungen und Leistungen beinhaltet. Seit der Anerkennung der erektilen Dysfunktion als behandlungsbedürftige Krankheit im Jahr 1999 durch das Bundessozialgericht gab es jedoch Veränderungen in Bezug auf die Kostenübernahme durch die Krankenkassen aufgrund von Gesetzesänderungen und Gesundheitsreformen.

Grundsätzlich haben Versicherte Anspruch auf Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für ärztliche Diagnose und Behandlung der erektilen Dysfunktion. Es gibt jedoch bestimmte Leistungen, die nicht vollständig übernommen werden. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die Kosten, die übernommen werden, und solche, die nicht abgedeckt sind.

Die ärztliche Untersuchung bei Verdacht auf eine Erkrankung fällt grundsätzlich unter die Kassenleistung. Dazu gehören die Anamnese, die körperliche Untersuchung sowie erforderliche Blut- und Urinuntersuchungen, die eindeutig von der Krankenversicherung abgedeckt sind.

Auch die ärztliche Beratung im Zusammenhang mit der erektilen Dysfunktion wird uneingeschränkt von der Krankenversicherung übernommen. Das erste Gespräch wird von Urologen entsprechend abgerechnet.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass einige Urologen jeden weiteren Arztbesuch als „erweiterte“ oder „fortgesetzte“ Behandlung abrechnen. In diesem Fall müsste der Patient die Kosten für diese Leistung privat tragen. Es ist jedoch zu betonen, dass diese Bezeichnungen reine Erfindungen sind und nicht den Bestimmungen des Sozial- und Krankenversicherungsrechts entsprechen. Ein Kassenarzt darf solche Leistungen nicht privat in Rechnung stellen.

Es ist daher ratsam, bei weiteren Arztbesuchen die korrekte Abrechnung zu überprüfen und bei Unstimmigkeiten den behandelnden Arzt oder die Krankenkasse zu kontaktieren. Auf diese Weise können Missverständnisse vermieden und die Kostenübernahme im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung gewährleistet werden.

Die Behandlung der erektilen Dysfunktion ist grundsätzlich eine Kassenleistung. Allerdings gibt es auch hier bestimmte Einschränkungen und Leistungen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Psychotherapie

Gemäß der aktuellen Psychotherapie-Richtlinie gehört die psychotherapeutische Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen zur Kassenleistung. Das bedeutet, dass die Kosten für psychotherapeutische Maßnahmen im Zusammenhang mit der Behandlung der erektilen Dysfunktion von der Krankenkasse übernommen werden.

Behandlung eines Testosteronmangels

Für die Kostenübernahme einer Testosteronersatztherapie müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Zum einen müssen Beschwerden aufgrund eines Testosteronmangels vorliegen, und zum anderen muss der Testosteronspiegel mehrmals unter dem festgelegten Grenzwert (Gesamt-Testosteron 8-12 nmol/l) nachgewiesen werden.

SKAT/MUSE

Die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) und das medikamentöse urethrale System zur Erektion (MUSE) gehören nicht zur Kassenleistung. Das bedeutet, dass die Kosten für diese Therapieverfahren nicht von der Krankenkasse übernommen werden.

Implantation eines künstlichen Schwellkörpers (Penisprothese)

In Fällen, in denen eine körperliche Ursache vorliegt und andere Therapieoptionen erfolglos waren, werden die Kosten für die Implantation eines künstlichen Schwellkörpers in der Regel von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass jeder Einzelfall vor der Kostenübernahme sorgfältig geprüft wird.

Es gibt einige Kliniken, die auch von Kassenpatienten eine Zuzahlung für diese Operation verlangen. Dies liegt daran, dass seit 2004 alle Operationen nach den Diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG) abgerechnet werden und solche Eingriffe nicht mehr kostendeckend sind. Vor einer Operation sollten Sie daher unbedingt bei der jeweiligen Klinik nachfragen, ob eine Zuzahlung erforderlich ist.

Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion und zur Steigerung der sexuellen Potenz fallen seit der Gesundheitsreform 2004 in die Kategorie der „Lifestyle-Medikamente“. Gemäß dem Verordnungsausschluss von Arzneimitteln zur Erhöhung der Lebensqualität (§ 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V) werden diese Medikamente nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Wenn bei der Therapie körperlicher Ursachen keine Verbesserung erzielt wurde, übernimmt die Krankenkasse mechanische Hilfsmittel wie Vakuumpumpen oder Erektionsringe. Für die Verordnung dieser Hilfsmittel ist ein gültiges Rezept erforderlich. Kosten für Hilfsmittel werden von der Krankenkasse übernommen, sofern sie im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes gelistet sind.

Im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) hängt die Kostenübernahme von der jeweiligen Krankenkasse, dem Tarif und Vertrag ab. Je nach Modell werden die Kosten entweder vollständig oder teilweise übernommen. Es gibt auch Tarife, bei denen eine Selbstbeteiligung vereinbart wird.

Im Basistarif der PKV gelten die gleichen Leistungen und Kostenübernahmen wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. Grundsätzlich besteht eine Leistungspflicht der PKV für medizinisch notwendige Heilbehandlungen im Zusammenhang mit Krankheiten oder Unfällen. Die Definition dessen, was als medizinisch notwendig und als Krankheit betrachtet wird, kann jedoch Gegenstand von Diskussionen sein.

Quellen

  1. Erektionsstörung (erektile Dysfunktion, ED) – MSD Manuals, März 2022.
  2. Erektile Dysfunktion: Ursachen und Behandlung – Apotheken Umschau, Nov. 2019.
  3. Erektionsstörungen (Impotenz): Ursachen & Behandlung – Onmeda, Jan. 2022.
  4. Erektionsstörungen erkennen und behandeln | NDR.de – Ratgeber – Gesundheit, Juni 2022.
  5. Erektionsstörung: Was Ihnen jetzt hilft – AOK, Nov. 2021.
  6. Impotenz: Ursachen für eine Erektionsstörung – NDR.de, Dez. 2019.

Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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